User Online: 1 | Timeout: 05:27Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als dem Auto Wege gebahnt wurden
Zwischenüberschrift:
Die Bramscher Straße in Haste erlebte 1974/75 eine große Veränderung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Litfaßsäule verrät es: " Eckstein" und " HB" sind die angesagten Zigarettenmarken. Der Opel " Olympia Rekord" vom Modelljahr 1956 hat noch keine Mühe, ein freies Plätzchen auf den Parkstreifen zu finden. Die gute alte Straßenbahn kratzt in aller Ruhe die Kurve. Sie kommt aus der Bramstraße und biegt in die Bramscher Straße ein, ohne dass der Autoverkehr auf der Vorfahrtstraße sie dabei stören würde. Kein Stress auf der Bundesstraße 68. Wir schreiben das Jahr 1959.

" Heute ist dieser Straßenzug nicht mehr wiederzuerkennen", schreibt der Fotograf dieses Bildes, Alfred Spühr, in seinem Buch über " Die Osnabrücker Straßenbahn". Recht hat er. Denn als die Autobahn " Hansalinie", die heutige A 1, 1968 vom Ruhrgebiet bis Hamburg durchgehend fertig war, brauchte die Stadt einen leistungsfähigen Zubringer zur Anschlussstelle " Osnabrück-Nord/ Wallenhorst".

Aus der beschaulichen, mit Kopfsteinen gepflasterten zweispurigen Bramscher Straße musste eine vier- bis sechsspurige Magistrale werden. Dafür wurde die östliche Bebauung über ein bis zwei Grundstückstiefen einfach wegrasiert. Die westliche Häuserzeile blieb stehen, somit auch das bis heute als Blickfang dienende Fachwerkhaus der ehemaligen Zigarrenfabrik Diersmann gegenüber der Einmündung der Bramstraße. Die alte Bramscher Straße wurde zu einer schmalen Anliegerstraße zurückgestuft, die neue vierspurige B 68 mit geteilter Fahrbahn hingegen östlich daneben neu über die Abrissgrundstücke projektiert.

Man hatte zeitweise erwogen, die alte Bramscher Straße so zu belassen, wie sie war, und dafür eine breite Entlastungsstraße an den Winkelhausen-Kasernen vorbeizulegen. Das wäre dann eine Lösung geworden, wie sie auch für den südlichen Abschnitt der Bramscher Straße zwischen Hasetor und Haster Mühle verwirklicht wurde. Dort hatte man die parallel verlaufende Hansastraße vierspurig ausgebaut. Aber bei diesem Plan spielten " die Engländer" nicht mit: Für die britische Garnison waren die Roberts Barracks ein wichtiger Standort, den sie sich keinesfalls beschneiden lassen wollten. Auch spielten Sicherheitsinteressen eine Rolle. Es war die Zeit der IRA-Anschläge. Die Briten wollten den Sicherheits-Kordon um die Militäranlage nicht eingeschränkt haben. So wurde es nichts mit dem Ausbau der Straße An der Netter Heide. Stattdessen musste die Ostseite der Bramscher Straße zwischen der Straße Summerland im Süden und der Clemensstraße im Norden daran glauben.

" 1974 mussten wir raus, kurz danach wurde unser Wohnhaus Bramscher Straße 242 abgerissen, und der vorgelagerte Herren-Salon natürlich auch", erinnert sich Agnes Peterschmidt, Seniorin im gleichnamigen Friseurgeschäft. Der eingeschossige Flachdachbau des Herren-Salons aus den 1920er-Jahren ist auf der historischen Aufnahme am rechten Bildrand angeschnitten zu sehen. " Die Ladentür war ungefähr da, wo jetzt der Grünstreifen zwischen den beiden Fahrbahnen ist", beschreibt die 86-jährige Dame den radikalen Einschnitt in das Lebensumfeld, den sie, ihre Familie und der Betrieb Mitte der Siebziger hinnehmen mussten.

" Aber alle unsere Nachbarn natürlich auch", ergänzt sie und beginnt Geschäfte aufzuzählen, die heute teilweise in Vergessenheit geraten sind: " Ecke Summerland, da war das Lebensmittelgeschäft Künne, dann Hafkemeyer mit der Commerzbank drin, dann kamen wir. Neben uns, hinter der Mauer, lag etwas erhöht der Garten Röwer, und dann auf der Ecke zur Bramstraße war das Fahrradgeschäft Röwer. Das ist das Haus hier hinter der Litfaßsäule." Und sie zählt weiter auf: An die Eckkneipe Vennemann schloss sich das Thalia-Lichtspieltheater an, dann Obst und Gemüse Hüter, der Milchladen von Maria Kötter, Bäcker Stertenbrink, das Hutgeschäft Kalthöfer, Tapeten Hoffhaus und so weiter.

Wenn man an heutige Widerstände gegen Infrastrukturmaßnahmen denkt, drängt sich eine Frage auf: Ging das damals alles geräuschlos über die Bühne? " Im Wesentlichen ja", erinnert sich der heute 63-jährige Saloninhaber Ulrich Peterschmidt, der als Jugendlicher zusammen mit seinem Vater Hans an einigen Bürgerversammlungen im Hotel Obermeyer teilnahm: " Es war allgemein akzeptiert, dass dem Verkehr neue Wege gebahnt werden mussten." Lange genug hätten die Anlieger gewusst, was auf sie zukam. Schon etwa seit 1966 habe es eine Veränderungssperre gegeben. Hätte einer danach noch umgebaut oder modernisiert, wäre er dafür nicht entschädigt worden. Sie könne nur an faire Verhandlungen zurückdenken, sagt Agnes Peterschmidt: " Jeder einzelne Apfelbaum bei uns im Garten wurde ordentlich bewertet."
Bildtexte:
Die Bramscher Straße in Blickrichtung Bramsche im Jahr 1959. Aus der Bramstraße biegt ein Straßenbahnzug der Linie 2 ein.
Die westliche Häuserfront am linken Bildrand ist geblieben. Die schmale Anliegerstraße markiert in etwa den Verlauf der alten Bramscher Straße. Der vierspurige Autobahnzubringer rechts daneben wurde neu projektiert.
Fotos:
Alfred Spühr, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste