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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Dreimal mehr Gebäude in der Stadt sanieren″
Zwischenüberschrift:
Interview mit dem Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und der Thermografie-Expertin der Stadt Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt Osnabrück hat als landesweit erste Kommune Thermografie-Flüge gemacht und eine Wärmebildkarte von der Stadt online gestellt. 31 000 Wohngebäude in der Stadt wurden dabei erfasst. Der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, Detlef Gerdts, hat die Aktion maßgeblich ins Leben gerufen und erklärt im Interview mit unserer Redaktion, warum die Sanierungsrate in Osnabrück sich verdreifachen muss. Die Thermografie-Expertin der Stadt, Ute Fritsch-Riepe, erklärt, warum so wenige Bürger datenschutzrechtliche Bedenken wegen der Thermografie-Bilder im Internet haben.
Herr Gerdts, die Stadt hat 75 000 Euro für die Thermografieflüge bezahlt. Die Ergebnisse stellen Sie kostenlos online. Warum müssen die Bürger dafür nicht bezahlen?
Gerdts: Wir schätzen, dass 20 Prozent der Häuser in Osnabrück nicht gut isoliert sind. Wir wollen aber, dass die Bürger an möglichst vielen Gebäuden etwas für die Energieeffizienz tun. Wir haben einen Masterplan 100 Prozent Klimaschutz. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 1990 um 95 Prozent zu senken. Die Energieeffizienz wollen wir gleichzeitig um 50 Prozent steigern. Das hört sich, bezogen auf 2050, machbar an. In der Praxis bedeutet das aber, dass wir dreimal so viele Gebäude pro Jahr sanieren müssten, wie das bisher in Osnabrück und bundesweit der Fall ist. Momentan wird ein Prozent des gesamten Gebäudebestandes in Deutschland pro Jahr energetisch saniert. Das hieße, wir bräuchten statistisch 100 Jahre, um einmal alle Gebäude zu sanieren. Unser Ziel ist aber 2050. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir das Tempo verdreifachen. Wir wollen den Leuten Wege aufzeigen, wie sie die Energieeffizienz zu Hause verbessern können.
Gibt es nach diesen Flügen schon erste Erfolge?
Gerdts: Sechs Stunden nach der Pressekonferenz zu den Thermografie-Flügen und nachdem die Ergebnisse online gestellt wurden, haben bereits 2700 Osnabrücker auf die Webseite geklickt. Fünf Tage später haben bereits 16 000 Bürger die Seite gerufen. Das ist ungefähr so viel, wie die Stadt Essen mit einem vierfach so hohen Kostenaufwand erreicht hat. Wir sind schon stolz darauf, dass das so gut geklappt hat.
Sie sind damit Vorreiter, alle Ergebnisse der Thermografie-Flüge kostenlos online zu stellen. Eifern Ihnen andere Kommunen bereits nach?
Gerdts: Wir sind innerhalb der Umweltämter der rund 80 Mittelstädte in der Größe von Osnabrück organisiert. Dort haben wir das Projekt vorgestellt, und alle sind ganz gespannt darauf, ob das funktioniert. Einerseits ist die Frage, ob wir genug Leute dazu motivieren können, auf das Kataster zuzugreifen, und andererseits ist die Frage, wie wir mit Datenschutz zurechtkommen. Das war auch von Anfang an das Problem, weil keiner damit Erfahrung hatte. Deshalb sind wir direkt beim Landesdatenschutzbeauftragten gelandet. Wenn man dessen Segen hat, dann ist man auf der sicheren Seite. Das ist die höchste Instanz in Niedersachsen, um solche Projekte abzusegnen.
Frau Fritsch-Riepe, hatten Sie nicht Bedenken, die Ergebnisse online zu stellen?
Fritsch-Riepe: Ich hatte grundsätzlich keine Bedenken. Es ist so, dass wir Luftbilder online gestellt haben. Viele Osnabrücker sind erst nach der Veröffentlichung der Ergebnisse darauf aufmerksam geworden, dass hinter unserem Thermografie-Bild das Luftbild der Stadt liegt. Auf diesem Luftbild ist bereits zu erkennen, ob ein Dach marode ist. Jeder kann schließlich auch so von außen erkennen, ob ein Haus Schwachstellen hat und sanierungsbedürftig ist. Deshalb hatte ich auch nicht die Erwartung, dass der Landesdatenschutzbeauftragte das Projekt nicht genehmigen könnte. Das Umweltinformationsgesetz gibt uns ja gerade das Recht dazu, solche Umweltdaten auch jedem Bürger zugänglich zu machen. Und ein Medium dafür ist schließlich das Internet. Diese Erwartung hat sich bestätigt, da der Landesdatenschutzbeauftragte zugestimmt hat.
Welchen Effekt erwarten Sie von den Thermografie-Flügen?
Gerdts: Das lässt sich schwer vorhersagen. Das hängt davon ab, wie viele Leute wir erreichen. Die Leute müssen sich überlegen, da sind ja rote Flecken auf meinem Haus, woran könnte das liegen, und dann danach auch die Beratung annehmen, die dazu angeboten wird. In der Beratung wird dann aufgezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, das Haus entsprechend energetisch zu sanieren. Wir wollen die Sanierungsrate für die Gebäude in der Stadt Osnabrück verdreifachen.
Als Masterplanregion ist es das Ziel, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 95 Prozent zu 1990 zu mindern. Die Klimamanagerin der Stadt Osnabrück, Birgit Rademacher, sagte, dass die Stadt Osnabrück gegenüber 1990 nicht einmal ein Viertel des CO2-Ausstoßes reduziert hat.
Wo muss die Stadt jetzt mehr tun?
Gerdts: Eine der wichtigsten Baustellen ist die Erhöhung der Sanierungsrate im Gebäudebestand. Das ist eine offene Wunde, die wir haben. Hier müssen wir deutlich effizienter werden, um den Energieverbrauch zu senken. Ein weiterer Punkt ist Verkehr. Obwohl wir immer wieder lesen, dass die Autos immer weniger Benzin und Diesel verbrauchen, bleiben die CO2-Emissionen konstant hoch. Wir brauchen einen intelligenteren und sparsameren Verkehr. Ein weiterer Punkt sind erneuerbare Energien. Das Solarpotenzial-Kataster der Stadt Osnabrück haben wir vor sieben Jahren gestartet. Das soll dazu führen, dass der Eigentümer sieht, was auf seinem Dach möglich ist, und dort investiert. Inzwischen haben wir mehr als 1000 Fotovoltaik-Dächer in Osnabrück. Das ist schon ein Erfolg. Um aber die Ziele des Masterplans zu erreichen, brauchen wir 25-mal so viele Fotovoltaik-Dächer.
Der komplette Politik-Talk läuft im Kabelfernsehen heute ab 18.35 Uhr auf os1.tv.

Sehen und lesen Sie das ganze Interview auf www.noz.de
Bildtexte:
So sieht das Wärmebild des Osnabrücker Stadtteils Wüste (vordere Wüste) aus.
Thermografie-Flüge sind das Thema des Politik-Talks der Neuen Osnabrücker Zeitung bei os1.tv: der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, Detlef Gerdts (Mitte), und die Thermografie-Expertin der Stadt, Ute Fritsch-Riepe, im Gespräch mit Redakteur Jean-Charles Fays.
Foto:
Stadt Osnabrück, Michael Gründe
Autor:
Jean-Charles Fays
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