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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der zweite Nachtangriff
Zwischenüberschrift:
In der Nacht zum Sonntag dröhnten auf dem Wall die Explosionsrammen - Die Baumriesen auf dem Wallabschnitt Rolandstraße / Katharinenstraße gingen zu Boden - immer mehr Kraftfahrer sagen:
Das ist nich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor einigen Tagen hatten wir ja schon darauf hingewiesen, daß wohl in einer der nächsten Nächte auch die Bäume auf dem Wall zwischen Rolandstraße und Martinistraße krachend zu Boden gehen und das Getöse die Anwohner aus dem Schlaf schrecken würden, wie es am Heger Tor sich schon abgespielt hatte. Daß man sich zu diesem zweiten Akt ausgerechnet die Nacht von Sonnabend auf Sonntag aussuchte, haben speziell die Wall-Anwohner neben allem anderen als ein Schulbeispiel an Rücksichtslosigkeit vermerkt: Bis 2 Uhr spielte sich der mannigfache Arbeitslärm des Fällens der großen alten Baumriesen auf dem Walle ab. Besonders waren es die Explosionsrammen, die es den Anwohnern unmöglich machten, ein Auge zuzutun. Gerade die Nacht zum Sonntag wird bekanntlich meist zu ausgedehnter Ruhe benutzt, um für die kommende Arbeitswoche Kraft zu sammeln.
An einem der letzten Tage begegneten einer Osnabrücker Bürgerin zwei sehr alte Frauen im Getriebe des Walles. Sie kannte die beiden und wunderte sich darüber, daß sie sich aus ihrer stillen Klause am Westerberg bis in diesen Betrieb vorgewagt hatten, da sie von ihnen wußte, daß sie seit langem wegen ihrer Gebrechlichkeit und ihres hohen Alters die Stadt nicht mehr besuchten. Auf ihre Frage, was sie denn hierherführe, antworteten die beiden: " Wir wären ganz gewiß nicht hierhergekommen. Aber ...... wir wollten noch einmal den schönen alten Wall sehen und von ihm Abschied nehmen...." Diese beiden alten Osnabrückerinnen, bei deren hohem Alter ein Besuch des Walles von heute ohnehin ein Abenteuer ist, sprechen für viele.
Denn in diesen Tagen des Großangriffs auf den Bestand und die Schönheit einer über tausendjährigen Stadt sind es ihrer viele, die hier stehenbleiben und nicht nur ihrem Zorn und Unmut Ausdruck geben, sondern bei sich vom alten Wall Abschied nehmen, von dessen Lichtung sie ohnehin wissen, daß sie - zumindest in den nächsten Jahren - nicht einmal erforderlich ist!
Aber da ist ein Plan, der viel Geld gekostet hat. Seine Durchführung kostet (obgleich er selbst nicht billig war) immerhin noch das Vielfache und darüber hinaus einen nicht zu errechnenden Wert, wenn man das mit einbezieht, was der Stadt genommen wird. Es ist kein Rang, wenn er " General"- Verkehrsplan heißt, diese Bezeichnung deutet nur an, daß er " generell" aufräumen will, um einer Verkehrsdichte Platz zu schaffen, die Osnabrück vorläufig gar nicht hat! Pläne sind überhaupt eine gefährliche Sache, denn meistens kommt es anders als man geplant hat, und wenn man an der Planung um jeden Preis festhält und sie gegen alle Einsicht und gegen jedes Verständnis der Bürgerschaft durchsetzt, kann das zu einer Katastrophe führen.
E s i s t n i c h t m e h r z u ä n d e r n:
Nun sind auch die Bäume vor der Regierung gefallen, und auf dem Abschnitt Rolandstraße/ Katharinenstraße gingen drei Baumriesen zu Boden. Aber auf dem Abschnitt bis zur Martinistraße werden noch weitere große Bäume in den Anlagen folgen, und es ist wohl kaum anzunehmen, daß der schöne Magnolienbaum vor der Oberschule für Mädchen, ein Prachtexemplar seiner Gattung, stehenbleibt. Der dafür verantwortliche Rat der Stadt Osnabrück, die dafür verantwortlichen Bau- und Verkehrsausschüsse des Rates, die dafür verantwortliche Bauverwaltung haben auf den deutlichen Willen der Bürgerschaft zu reagieren nicht für nötig befunden. Sie hätten es mit einer Aussetzung dieser zweiten Angriffsetappe nach dem Heger Tor bis zu einer erneuten Beratung tun können. Sie haben es nicht getan. Die Bürgerschaft wird das nicht vergessen!

" Lieber Wohnungen bauen!"

Stellungnahmen zum Angriff auf die Wallanlagen

Ein Leser schreibt:

" Andere Städte sind bemüht, neue Anlagen zu schaffen. Eine Stadt wie Osnabrück aber zerstört das, was der Krieg verschont hat. Nun ist es zu spät, denn die Bäume, die Jahrzehnte zum Wachstum brauchten, sind gefällt. Wenn die Stadt auch von Wäldern eingeschlossen ist, so verlieren wir doch die schönste " Grünstraße", die für die Osnabrücker das war, was für die Berliner " Unter den Linden" ist.
Die verantwortlichen Leute sollten sich einmal an die Baustelle begeben und die Gespräche der Einheimischen und Zugereisten belauschen. Vielleicht würde ihnen dann klar, was sie mit ihrer Entscheidung angerichtet haben! So herrlich Maschinenlärm klingen mag, wenn es um etwas Neues und Großes geht, so schändlich ist der Lärm der Zerstörung. Für das geopferte Geld sollte man lieber der großen Wohnungsnot ein Ende machen."
R. M.

Wo bleiben die Bürgervereine?

Ein Leser schreibt:
" Mit größtem Interesse habe ich ihre Artikel über die Wallanlagen verfolgt. Warum kann Osnabrück nicht genau wie z. B. Münster eine Umgehungsstraße bauen? In ein paar Jahren wird man doch dazu gezwungen sein. Warum sagt ein großer Teil der Bevölkerung nichts gegen diese Willkür der Stadträte? Wo bleiben die Bürgervereine, Verschönerungsvereine und auch die Schützenvereine? Warum rufen sie nicht zu einer Protestkundgebung auf dem Marktplatz auf? Oder sind wir schon wieder so weit, daß die Bevölkerung nicht den Mut zu einer Protestkundgebung aufbringt? Das wäre allerdings ein sehr trauriges Zeichen." W. K.

Armes Osnabrück!

Ein Leser schreibt:
" Ich gehöre zu dem ` tolopen Volk`, bin also kein alteingesessener Osnabrücker, der das Erbe seiner Väter zu verteidigen und zu erhalten verpflichtet ist. Aber was man in letzter Zeit hier in Osnabrück erlebt, das treibt auch einem Außenseiter bald den Hut hoch. Mit der Karlstraße hat es angefangen. Hätte man gegenüber den Tennisplätzen die Bordsteine an der Bahnseite da gelassen, wo sie standen, anstatt sie etwa 1/ 2 m nach der Straßenmitte zu versetzen, dabei 1/ 2 m von der Fahrbahn hinzugenommen, dann hätte man für den Gehweg an der Tennisplatzseite 1 m gewonnen. An dieser Seite hätte manch anders ausgesehen. Was man mir entgegenhalten wird, weiß ich schon, aber ich glaube nicht, daß hierdurch dies Straßenstück unfallgefährdeter geworden wäre.
Noch schlimmer ist, was sich jetzt am Heger Tor in Richtung Martinistraße abspielt. Da hat man keine 3 Monate Zeit gehabt, wie bei dem Treppenaufgang zum Herrenteichswall! Am Heger Tor mußte man sogar die Nacht zu Hilfe nehmen, damit die schönen alten Bäume recht schnell verschwinden. Wie oft habe ich auch mit auswärtigen Gästen einen Erholungsspaziergang hier gemacht. Das ist nun aus, und nun frage ich euch Osnabrücker: " Wie lange wollt Ihr noch zusehen, wie Euer Stadtbild verschandelt wird?" O. K.

Alptraum eines Wallfreundes

(Karikatur, in der zwei Männer am Heger Tor neben dem Wallring stehen, auf dem Autos nur so vorbeirasen.)

Unter dieser Zeichnung steht:

Fremder: " Entschuldigen` s - war dös net der Heger-Tor-Wall?"
Einheimischer: " Heger-Tor-Wall gibt` s keinen mehr! Rennbahn?
Da fragen Sie am besten beim Rat - beeilen Sie sich aber, sonst ist das Rathaus auch weg!!!"
Text und Zeichnung: Leser H.


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