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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als die Wälle niedergerissen wurden
Zwischenüberschrift:
Im 16. Jahrhundert zum Schutze der Stadt erbaut - Rigoroser Abbau von 1872 bis 1877 - Auch der Herrenteichswall sollte fallen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrücks Wallanlagen stehen wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses. Nachdem der Bombenkrieg unwiederbringliche Werte im Stadtbild für immer ausgelöscht hat, fordert nunmehr ein angebliches Verkehrsbedürfnis stetig weitere Opfer. Die am Montag am Heger-Tor-Wall begonnenen Arbeiten haben bei einem Großteil der Osnabrücker Bevölkerung heftigen Protest geweckt. Nicht zuletzt bei jenen, denen das historisch gewachsene Stadtbild, soweit es noch erkennbar ist, am Herzen liegt.
Nun blieb von den ursprünglichen Wallanlagen leider recht wenig erhalten. Lediglich der baumbeschattete Herrenteichswall erinnert auch heute noch an die ehemaligen Befestigungsanlagen. Man hat es in unserer Tagen immer wieder bedauert, dass im vorigen Jahrhundert mit rigoroser Hand der mittelalterliche Befestigungsgürtel hinweggefegt und die Stadt dadurch ihres reizvollen Charakters weitgehend entkleidet wurde. Welchen kulturhistorischen Besitz könnte Osnabrück heute noch sein eigen nennen, wenn man damals nicht alle Stadttore niedergelegt hätte. Welch reizvolles Panorama hätte sich ergeben, wenn damals die Wälle nach dem Beispiel des Herrnteichswalles zu einer durchgehenden Promenade ausgebaut worden wäre, so wie es viele andere Städte, darunter unsere Nachbarstadt Münster, getan haben. Aber für solche " Romantik" war im beginnenden industriellen Zeitalter kein Platz. Auch der Herrenteichswall sollte niedergelegt werden, um eine bequemere Verkehrsverbindung von der Altstadt zum damaligen Güterbahnhof zu schaffen. Es war der Verlegung des Güterbahnhofes zum Fledder und den Bemühungen einiger Bürger zu verdanken, dass dieser Plan aufgegeben und die schöne Lindenallee gerettet wurde. Heute freuen wir uns darüber.

Im 16. Jahrhundert gebaut

Der Bau der Wälle geht ins 16. Jahrhundert zurück. Da die Feuerwaffen immer mehr in Gebrauch kamen, reichten die alten Mauern, Türme und Tore zum Schutz der Stadt allein nicht mehr aus. So ging man daran, sie zusätzlich durch hohe Wälle zu sichern. Der größte Teil dieser Anlagen entstand in den Jahren 1533 bis 1547. Nicht zuletzt hatten die Wiedertäuferunruhen in Münster und die Belagerung der Nachbarstadt (1534) den Eifer zum Ausbau der Osnabrücker Befestigungswerke verstärkt. Man errichtete im Abstand von 5 bis 8 Metern von der alten Stadtmauer eine zweite und füllte den Raum zwischen beiden aus. Dabei wurde u. a. der Schutt verwandt, der bei dem großen Brande von 1530 in der Innenstadt angefallen war. Entlang der höheren Außenmauer zog sich eine Brustwehr für die Verteidiger hin. Die Stadttore wurden zusätzlich durch Rondelle und Bastionen mit unterirdischen Kasematten gesichert. Vor den Mauern lief der Stadtgraben entlang, dem aus der gestauten Hase und dem Wüstenbach Wasser zugeführt wurde.

1 100 Mark pro Jahr

Die Bauarbeiten wurden von zwei Wallmeistern geleitet. Auf dem Piesberg stellte man eigens einen neuen Kalkofen auf, der mit Piesberger Kohle beheizt wurde, da der vorhandene holzbeheizte nicht ausreichte. Die Stadt gab für die Wallbauten jährlich rund 1 100 Mark aus, für die damalige Zeit eine hohe Summe, zumal wenn man bedenkt, dass sämtliche städtischen Handwerker bei den Festungsbauten unentgeltlich arbeiten mußten.

Ab 1800 Abbruch

Bis ins 18. Jahrhundert gewährten die Wälle und Mauern den Bürgern Schutz und Sicherheit. Dann waren sie durch die Entwicklung der schweren Feuerwaffen überholt. Man legte auf die Erhaltung keinen Wert mehr. Die Bürger schufen sich Walldurchgänge und benutzten sie zu privaten Zwecken. 1800 verwandte man den Sand der Bastei des Herrenteichstores zur Straßenpflasterung. Dann begann nach und nach der Abbruch des Mauerwerkes und der Tore. Die Entfestigung dauerte bis zum Jahre 1877. Man trug 1800 das Herrenteichstor ab, bis 1816 das Heger Tor, 1824/ 25 das Natruper Tor, 1842 Johannistor, 1853 Hasetor und 1871 den Schweineturm. 1843 war auch das Verbot von 1533 aufgehoben worden, außerhalb der alten Stadtmauern Häuser zu errichten. Die Stadt weitete sich aus.

Wälle wurden niedergelegt

Noch standen aber die Wälle. Erst 1871 wurde dem Magistrat eine Petition aus der Bürgerschaft eingereicht, die Wallanlagen niederzulegen. Im Februar 1872 gestattete man der Neustädter Laischaft, einen Teil des Martiniwalles abzutragen, um mit dem Sand und Geröll Wege in der Wüste auszubessern. 1872 im Oktober fiel der Martiniwall bis zur Rolandsmauer und 1874/ 75 bis zum Heger Tor, also jener Teil, der jetzt wieder Baustelle ist. Die Steine wurden beim Bau der Neustädter Volksschule und der höheren Mädchenschule verwandt. Nun aber regte sich in den städtischen Kollegien und in Teilen der Bürgerschaft der Wunsch, an die Stelle der alten Wälle eine ringförmige Straßenanlage mit Bäumen und Blumenbeeten zu setzen. So entstand von der Hase bis zur früheren Neustädter Schule, wo jetzt das Arbeitsamt steht, eine gepflegte Promenadenanlage, die im wesentlichen in den Jahren 1876/ 77 fertiggestellt wurde. Man ließ einige alte Befestigungsanlagen - Vitischanze mit Barenturm, Bürgergehorsam, Bocksturm, Waterloodenkmal und Plümersturm - stehen, um " das Gesamtbild charaktervoller" zu gestalten und " die Erinnerung an die geschichtlichen Vorgänge früherer Jahrhunderte wach zu erhalten".

Verkehr und Stadtbild

Inzwischen ist dieser Teil des Walles zu einer Hauptverkehrsader Osnabrücks geworden, und man greift nun nochmals mit schroffer Hand in die verbliebene Substanz, um den Wall vollends zur " Rennbahn" für den motorisierten Verkehr auszubauen. Man kann aber Stadtplanung nicht ausschließlich nach Verkehrsgesichtspunkten betreiben. Es gibt bei einem historisch gewachsenen Stadtbild übergeordnete Werte. Wird man später über diese Arbeiten einmal das gleiche Urteil fällen, das heute allgemein dem Wallabbruch im vorigen Jahrhundert gilt? Ganz abgesehen von der jetzt zu stellenden Frage, ob bei der immer wieder zitierten Finanznot Osnabrücks diese grundlegende Verbreiterung wirklich das vordringlichste Projekt war!


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