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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Moor lebt
Zwischenüberschrift:
Mit Naturfotograf Jan Piecha unterwegs im Osnabrücker Land
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Mitteleuropa zählt mit etwa fünf Prozent Moorfläche zu den reichsten dieser Gegenden in der Welt. Die norddeutsche Tiefebene stellt dabei eine besonders moorreiche Gegend dar, von denen auch viele in der Nähe von Osnabrück liegen ein perfekter Ort für den Naturfotografen Jan Piecha.
Wer in den Mooren im Osnabrücker Land unterwegs ist, also im Suddenmoor bei Berge, im Venner Moor bei Ostercappeln oder im Dievenmoor in der Nähe von Bohmte, der wandelt über (natur-) geschichtsträchtigen Boden. Schließlich wird im deutschsprachigen Raum unter der Bezeichnung Moor eine Landschaft verstanden, in der Torf gebildet wird. Diese Ablagerung besteht aus den nicht vollständig abgebauten Resten abgestorbener Tiere und Pflanzen und diese können mehrere Hundert Jahre alt sei.
Aufgrund der hohen Wassersättigung liegt bei intakten Mooren Sauerstoffmangel am Grund vor. Diese anaeroben Bedingungen sorgen dafür, dass die Pflanzenreste nicht vollständig abgebaut werden und sich am Boden anreichern. Moore nehmen eine besondere Stellung im Stoffhaushalt der Natur ein, weil sie eine langfristig positive Kohlenstoffbilanz haben. Das bedeutet, dass in ihnen mehr organisches Material produziert als abgebaut wird. Sie sind also ein enormer Kohlenstoffspeicher.
Torfnutzung als Gefahr
Bei der Entwässerung der Moore wird dieses CO 2 freigesetzt, weshalb die Moore durch den menschlichen Einfluss schnell zu " Klimakillern" werden. In erster Linie um an den Torf zu gelangen, wurden in der Vergangenheit viele Moore entwässert. Die eigentliche Torfnutzung im großen Umfang setzte in Deutschland allerdings erst ab 1850 mit der Holzverknappung ein. Dadurch wurde Torf, zumindest in Norddeutschland, etwa 100 Jahre lang zum wichtigsten Energieträger.
Intakte Moore stellen heute mehr denn je einen bedeutenden Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Trotzdem gelten Moore allgemein nicht gerade als sonderlich artenreich. Die heimischen Arten sind allerdings sehr spezialisiert und an diesen besonderen Lebensraum gebunden. Durch die Entwässerung sind von den Mooren vielerorts nur noch die Namen geblieben.
Mittlerweile sind dort Wiesen mit Löwenzahn zu finden, statt Moorpflanzen. Eine typische Pflanze intakter Moore ist dagegen das Wollgras, das glücklicherweise noch an einigen Stellen im Osnabrücker Land zu finden ist. Die weißen Wattebäusche zeigen den fruchtenden Zustand der Pflanze und färben das Moor zeitweise in eine große weiße Fläche um. Der Sonnentau gilt ebenfalls als Moorpflanze, die nur unter nährstoffarmen Bedingungen vorkommt. Es handelt sich dabei um eine fleischfressende Pflanze, an deren Tentakeln der klebrigen Fangblätter Insekten hängen bleiben.
Vielerorts sind noch zahlreiche Watvögel zu finden, denen die Feuchtwiesen als geeigneter Lebensraum dienen. Besonders im Frühjahr, aber auch noch jetzt im Frühsommer kehren die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurück, und das Moor erwacht zu neuem Leben. Dafür sorgen auch die Männchen der Moorfrösche, die sich schon früh im Jahr, zur Laichzeit, blau färben und ihre glucksenden Rufe über weite Strecken verstreuen. Ebenso wie die immer seltener werdenden Moorfrösche haben auch die Waldeidechsen ihre Winterquartiere verlassen und sind in den Moorrändern anzutreffen.
Die auffälligsten Bewohner der Moore sind jedoch die verschiedenen Vogelarten. In den Mooren des Osnabrücker Landes finden sich verschiedene Singvögel, wie Schilfrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Goldammern, Rohrammern, Fitisse, Schwarzkehlchen, Wiesenpieper, Schafstelzen oder Blaukehlchen. Diese kleinen Vögel huschen entlang der knorrigen Zaunpfähle oder Heckenstrukturen und lassen ihren melodischen Gesang erklingen. Ein besonderer Hingucker und auch ein sehr begehrtes Fotomotiv für Naturfotografen ist dabei das Blaukehlchen. Man kann es an immer mehr Stellen rings um Osnabrück herum finden. Bei Pirschfahrten mit dem Auto lassen sich im Ochsenmoor, südlich vom Dümmer, seitlich der Straßen auch regelmäßig Fasane, Rehe, Bisamratten und Hasen beobachten. Dabei ist jedoch stets darauf zu achten, dass die Wege nicht verlassen werden dürfen und nicht jeder Weg befahren werden darf. Der Schutz der bedrohten Tierarten sollte stets an erster Stelle stehen, da sie Rückzugsräume wie diesen nur noch selten vorfinden.
In Ochsenmoor lässt sich spätabends ein besonderes Spektakel erleben: Tagsüber stochern die Watvögel wie Uferschnepfen, Bekassinen, Rotschenkel oder Brachvögel mit ihren langen Schnäbeln in den schlammigen Wasserflächen herum. In den Abendstunden fliegen sie dann umher und lassen ihre Rufe erklingen. Dabei ergibt sich während des Sonnenuntergangs eine besondere Stimmung im Moor, die man nicht so schnell vergisst. Seit einiger Zeit können im Bereich des Dümmers neben Fischadlern sogar Seeadler beobachtet werden.
Auch seltene Sumpfohreulen sind regelmäßige Gäste. Diese Eulenart kann teilweise schon am späten Nachmittag bei der Mäusejagd beobachtet werden. Vor einigen Jahren gab es im weiteren Umfeld von Osnabrück sogar einen Brutnachweis.
Ein beliebtes Fotomotiv für Naturfotografen sind außerdem Steinkäuze und Waldohreulen, die mittlerweile wieder in einigen Mooren heimisch geworden sind.
Bildtexte:
In den Mooren des Osnabrücker Landes findet sich häufig das Blaukehlchen (links) , das seinen Namen von der Blaufärbung der Kehle hat. Auch Populationen der Bisamratte (oben) und Weißstörche sind immer häufiger anzutreffen. Seltener ist der Seeadler (unten) zu finden.
Eine seltene Aufnahme: Der Moorfrosch zählt in Deutschland zu den gefährdeten Arten.
Mit seinen faserig zerfallenden Blättern trägt das Wollgras wesentlich zur Torfbildung bei.
Fotos:
Jan Piecha

Zum Autor: Naturfotograf Jan Piecha

Piecha ist in einem kleinen Örtchen im östlichen Niedersachsen aufgewachsen. Mit 14 bekam er eine erste Digitalkamera zum Geburtstag, die er aufgrund der ländlichen Wohngegend vorzugsweise in der Natur benutzt hat. Aus diesen Anfängen hat sich in den vergangenen Jahren eine Leidenschaft entwickelt, die ihn bis heute nicht mehr losgelassen hat. Wegen seines Studiums kam er 2010 nach Osnabrück, wo er seinen Bachelor in Umweltsystemwissenschaften und Philosophie 2013 erfolgreich absolviert hat. In dieser Zeit hat es ihn oft in die umliegenden Moore von Osnabrück gezogen. Bei einer Seminararbeit am Institut für Umweltsystemforschung wurde sein Interesse für Moore geweckt.

Seitdem ist er oft losgezogen, um die Tierwelt dieses Lebensraums mit der Kamera festzuhalten. Seine liebsten Anlaufstellen waren dabei das Recker Moor im Nordwesten von Osnabrück, das Venner Moor im Norden und vor allem das Ochsenmoor südlich vom Dümmer. Letzteres ist vor allem aufgrund der guten Wege zum Beobachten und Fotografieren sehr empfehlenswert, berichtet der Fotograf. Mittlerweile studiert Jan Piecha für den Master in Umweltplanung und Ingenieurökologie an der Technischen Universität in München.

Seine Fotos zeigt er regelmäßig auf seiner Facebook-Seite www.facebook.com/ Janpiechaphoto
Autor:
Jan Piecha


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