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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ärger um den Fritz-Wolf-Platz in der Altstadt
 
Karikaturist Fritz Wolf verblasst in Vitrinen
Zwischenüberschrift:
Ein Mietstreit gefährdet das öffentliche Andenken an Osnabrücks berühmtesten Zeichner
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Bis vor gut einem Jahr war der Fritz-Wolf-Platz in Osnabrück ein beliebter Ort, an den Stadtführer ihre Gäste brachten, um einen der berühmtesten Söhne der Stadt vorzustellen. Heute machen die meisten Menschen um das nach dem preisgekrönten Karikaturisten benannte Fleckchen Altstadt zwischen Markt und Theater einen großen Bogen. Der Grund: Verwahrloste Beete, verschmierte Hauswände und versiffte Vitrinen sind vielen ein Dorn im Auge. " Wie konnte es nur so weit kommen?", fragt Marcus Wolf, Neffe des Künstlers und Vorsitzender der Fritz-Wolf-Gesellschaft. Offenbar ist ein bis heute nachhallender Mietstreit aus 2012 zwischen der Osnabrücker Marketing- und Tourismusgesellschaft OMT und dem Eigentümer anliegender Häuser nicht ganz unschuldig an der Misere.

Osnabrück. Am Fritz-Wolf-Platz ist es still geworden und schäbig. Verschmierte Wände, verwahrloste Beete, versiffte Vitrinen. Warum kümmert sich keiner? Die Verantwortlichen zeigen mit dem Finger aufeinander. Doch eine Lösung zeichnet sich ab.

Für viele ist Fritz Wolf auch 13 Jahre nach seinem Tod einer der berühmtesten Söhne Osnabrücks. Ihm zu Ehren wurde die Lortzing-Passage umbenannt, ein Denkmal aufgestellt und ein hübsches Fleckchen Altstadt auf seinen Namen getauft. Doch so schön, wie es dort zwischen Krahn- und Lortzingstraße einmal war, ist es nicht mehr. Nachfahren und Bewunderer des vielfach preisgekrönten Karikaturisten beklagen ein unwürdiges Bild. Mehr noch als der miserable Gesamteindruck ärgert sie, dass niemand etwas dagegen unternimmt.

Renovierungsbedarf

Ortstermin. Schimmel breitet sich aus in einer oberen Ecke des Schaukastens. Durch einen Fensterspalt wächst Efeu ins Innere, und auf dem Boden der Vitrinen türmen sich Staubmäuse und tote Fliegen. " Müsste man mal wieder ausfegen", sagt Marcus Wolf, Neffe des Zeichners und Vorsitzender der Fritz-Wolf-Gesellschaft, die die Vitrinen nutzt, damit sein Onkel nicht in Vergessenheit gerät. Dann zeigt er auf die Kappen der Glasschränke, denen Wind und Wetter tiefe Narben zugefügt haben. " Dringend renovierungsbedürftig." Er habe versucht, sie zu reinigen, erklärt der 46-Jährige. Vergebens. Vor Kratzern und Krusten dieses Kalibers kapitulierten selbst Hochdruckreiniger und Spülmittel. Eine Reparatur, schätzt Wolf, würde einige Tausend Euro kosten. " Das können wir nicht bezahlen." Und so verblassen zusehends hinter den trüben Scheiben laminierte Kopien von Motiven seines Onkels, bleichen Bildbände aus und wellen sich die Seiten der Künstlerbiografie. Ein Fritz-Wolf-Kalender im Großformat zeigt Juni 2013. Seit zwölf Monaten wurde er nicht mehr umgeblättert. " Wie auch ohne Schlüssel?"

Als die Osnabrücker Marketing- und Tourismusgesellschaft, kurz OMT, noch am Fritz-Wolf-Platz saß, war die Welt noch in Ordnung denn da hatte Marcus Wolf noch Zugriff auf die Ausstellungsstücke. Jahrelang stellte die OMT als Mieterin der Räume die vier Glaskästen an der Außenmauer zur Verfügung. Unentgeltlich, unbürokratisch. Mit dem Umzug der OMT an die Herrenteichsstraße im April 2013 fand diese lose Vereinbarung ein jähes Ende. Die Osmo Haus und Grund in Georgsmarienhütte nahm als Vermieterin alle Schlüssel an sich. Und rücke sie auch für die Fritz-Wolf-Gesellschaft nicht mehr heraus, sagt Marcus Wolf. Auf Anrufe und E-Mails habe er jedenfalls lange keine Antwort erhalten.

Doris Herkenhoff, Geschäftsführerin von Osmo Haus und Grund, weist das zurück. Schlüssel? Kein Problem. Ein Wort genüge, heißt es. Wolf sei aber " seit Wochen" weder zu erreichen, noch melde er sich zurück. " Da hinterherzurennen ist nicht meine Aufgabe." Über den Zustand des Fritz-Wolf-Platzes sei sie selbst " enttäuscht", sagt Herkenhoff. Veranlasst zu handeln sehe sie sich gleichwohl nicht.

" Bei der Gestaltung des Fritz-Wolf-Platzes 2003 sind wir der Stadt und dem Verkehrsverein damals weit entgegengekommen. Unsere einzige Bedingung war und ist es, nicht für die Sauberhaltung und Pflege zuständig zu sein", stellt die Hauseigentümerin klar. Das betreffe auch die Vitrinen. So heruntergekommen wie jetzt könne sie diese nicht an den nächsten Mieter übergeben. Und dass Schlüssel einkassiert würden, sei " nach einem Auszug ganz normal". Wenngleich OMT und Osmo Haus und Grund nicht gerade in aller Freundschaft auseinandergegangen sind, wie beide Seiten bestätigen. Ein Gerichtsprozess wurde erst in letzter Sekunde durch Vergleich abgewendet. Und die Abwicklung der Kündigung, die Herkenhoff im September 2012 " wie ein Donnerschlag getroffen" habe, zog sich ewig hin. Bei Marcus Wolf habe sie deswegen stets um Geduld gebeten.

Um das Schwarze-Peter-Spiel darüber, wer den Platz jetzt wieder in Schuss bringe, zu beenden, zeigt sich die Hauseigentümerin kompromissbereit. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigt sie an: " Auf unsere Kosten machen wir jetzt noch mal alles sauber."

Eine Lösung, die ganz im Sinne des feingeistigen Fritz Wolf sein dürfte. Was dieser angesichts des irdischen Streits, der mit seinem Namen verbunden ist, wohl dächte? Ein Buch mit seinen Karikaturen in einer Ecke der Vitrinen gibt einen Hinweis. Titel: " Um Himmels willen, was ist los da unten?"
Bildtext:
Links der Onkel in Bronze, rechts der Neffe aus Fleisch und Blut: Marcus Wolf, Vorsitzender der Fritz-Wolf-Gesellschaft, will dem berühmten Familienmitglied ein ehrendes Andenken bewahren.
In schlechtem Zustand präsentieren sich die Schaufenster am Fritz-Wolf-Platz.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Versöhnlich

Es ist ein Bild des Jammers, das der Fritz-Wolf-Platz gegenwärtig bietet. Doch weitaus beklagenswerter ist die Hängepartie, die sich um seine Instandhaltung entwickelt hat. Hier wurde im Fahrwasser eines Mietstreits, bei dem die Fritz-Wolf-Gesellschaft zwischen die Fronten geriet, wertvolle Zeit verloren.

Gegenseitige Schuldzuweisungen sind nun am wenigsten geeignet, eine Lösung herbeizuführen. Und die scheint nicht außer Reichweite: Wer beide Seiten hört, gewinnt den Eindruck, dass vieles bloß die Folge verwässerter Abmachungen ist. Da hilft nur ein klärendes Gespräch. Im Ziel sind sich ja alle einig: einen vorzeigbaren Platz im Herzen der Altstadt zu unterhalten, der Fritz Wolf und seinem Werk zur Ehre gereicht.

Preisgekrönter Zeichner

Fritz Wolf wurde am 7. Mai 1918 in Mülheim an der Ruhr geboren und starb am 23. Dezember 2001 in Bad Ro thenfelde. Ob große Politik oder Feinheiten des Alltags: Mit seinen spitzen, oftmals hintergründigen Karikaturen war er über Jahrzehnte hinweg eine Institution in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Zeichnungen des Männekesmalers″, wie Wolf sich selbst nannte, erschienen darüber hinaus auch in Magazinen wie Stern″ und Brigitte″. Die Stadt Osnabrück ehrte ihn 1983 mit ihrer höchsten Auszeichnung, der Justus-Möser-Medaille. Außerdem erhielt Wolf den Landespreis für Publizistik und den Kunstpreis des Landschaftsverbandes.
Autor:
Sebastian Stricker


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