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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein perfekter Mühlentag
Zwischenüberschrift:
Die ältesten Kraftmaschinen der Menschheit ziehen wieder Tausende von Besuchern an
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Zuckerhut schön und gut, schrieb neulich ein Kollege, aber das Osnabrücker Land brauche mit seinen Reizen doch auch nicht zu geizen. Recht hatte er besonders am Pfingstmontag. Bevor alles im Fußballfieber nach Brasilien schaut, bot der Mühlentag Gelegenheit, heimatliche Kultur- und Technikgeschichte im perfekten Einklang mit der Natur zu genießen.

Pfingstmontag ist Mühlentag. Jedenfalls seit 32 Jahren, als in der Windmühle Lechtingen erstmals der zweite Tag des Pfingstfestes dieses besondere Etikett umgehängt bekam. Bundesweit setzte sich die Idee durch. Inzwischen beteiligen sich landauf, landab mehr als 1000 historische Mühlen. Im größten Landesverband der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) in Niedersachsen/ Bremen öffneten 240 Mühlen ihre Tore. Das sonnige Wetter lockte mehrere Tausend Besucher auch zu den Mühlen im Osnabrücker Land, um historische Antriebstechnik und traditionelles Müllerhandwerk zu bestaunen und die rund um die Mühlen gebotenen Vergnügungsmöglichkeiten zu nutzen.

In der Wassermühle Hagen-Gellenbeck erklärt Klaus Flacke immer wieder und mit nicht nachlassender Begeisterung, wie geschickt die Fließkraft des Goldbachs ausgenutzt wird, um über eine Turbine den Mahlgang in Bewegung zu setzen, der das Futtergetreide so zerkleinert, dass das liebe Vieh es genießen kann. " Natürlich wollen die Kinder immer wissen, wo die Turbine denn sitzt, aber da muss ich sie leider enttäuschen, weil sie unsichtbar unter Wasser arbeitet."

Klaus Flacke stellt dann klar, dass das Wasserrad, das am Wohnhaus des Mühlenpächters Gerold Bölts angebracht ist, derzeit nur zur Zierde da ist. " Früher war auf der anderen Seite des Bachs auch eine Mühle, eine Ölmühle, aber die hat nur bis zum Ersten Weltkrieg gearbeitet." Bölts habe vor, demnächst das Wasserrad als Dynamo zu benutzen, um damit Strom zu gewinnen.

50 Meter weiter ist Klaus Flackes Bruder Thomas schon gewaltig am Schwitzen. Sein Auftrag ist, die Grützemühle vorzuführen. Und das geht nur per menschliche Muskelkraft. " Das war nur so ein kleiner Nebenerwerb des Wassermüllers. Als im 19. Jahrhundert Brotgetreide knapp und teuer war, hat man hiermit Hafer geschrotet, um daraus Grützbrei zu machen." Bis in die 1930er-Jahre mussten die Knechte des Meyerhofs die Sudenfelder Grützmühle manuell bedienen, dann übernahm ein Elektromotor die Arbeit. Handarbeit ist auch in der Seilerei gefragt, die Heinrich Witke mit zwei Helfern demonstriert. Die Vorrichtung hat er selbst gebaut. " Früher haben wir Hanfseile genommen, aber das ist inzwischen nicht mehr im Handel, wegen Marihuana und so weiter. Jetzt nehmen wir Sisal, das geht auch ganz gut."

Das frisch gedrillte Seil ist zunächst sehr sperrig, aber mit dem häufigen Gebrauch wird es immer geschmeidiger. " Dann können die Kinder es auch zum Seilhüpfen benutzen", erklärt Witke.

Die Belmer Wassermühle hat ebenfalls ihre Tore geöffnet. Mitglieder des Mühlenvereins erläutern die bevorstehenden Restaurierungsarbeiten, die notwendig sind, um das Räderwerk funktionsfähig zu erhalten. Natürlich ist der Tod des verdienstvollen Mühlenwartes Jochen Bente immer wieder ein Thema. So schwierig es sei, die Lücke zu füllen, sagen sie, so werde die 1160 Jahre währende Geschichte der Mühle am Belmer Bach dennoch mit Schwung und Elan weitergehen.

Im Vergleich zur beschaulich-sachlichen Atmosphäre in Belm herrscht an der Wassermühle Nettetal Volksfest-Stimmung. Der Shanty-Chor singt von Hein Mück und Lilly Marlen, Kinder suchen Abkühlung in der Nette, der Klettergarten ist umlagert, Crêpes und Bratwürste verbreiten ihre Düfte. Aber natürlich wird auch gemahlen: Hans-Georg Kohlbrecher und Otto Bendzulla schroten den Weizen zu Vollkornmehl, aus dem Vertragsbäcker Brinkhege das " Mühlenbrot" backt.

Hauptprogrammpunkt an der Lechtinger Mühle ist die feierliche Enthüllung der Blech-Skulptur " Don Quijote", die sich genau wie in der Romanvorlage mit erhobener Lanze anschickt, gegen die Windmühlenflügel zu kämpfen. Wolfgang Himmel und Heinz Rölker sind die Schöpfer der aus Hunderten von Schrottteilen zusammengesetzten Figur des Ritters und seines Gauls Rosinante. Ein in Osnabrück als Praktikant arbeitender junger Spanier, der zufällig aus der Region La Mancha stammt, rezitiert aus dem Anfangskapitel des Romans von Cervantes in spanischer Sprache.
Bildtexte:
Abkühlung in der Nette suchten Kinder und Erwachsene, die Knollmeyers Mühle im Nettetal inspizierten.
Was oben reingeschüttet wird, kommt unten geschrotet wieder zum Vorschein: Schaulustige in Knollmeyers Mühle.
Wasserkraft, die etwas bewegt: die Antriebstechnik der Gellenbecker Mühle.
Der Kampf gegen Windmühlenflügel: Rosinante vor der Lechtinger Windmühle.
Seit 32 Jahren beteiligt sich die Lechtinger Windmühle am Mühlentag.
Fotos:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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