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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Lieber Selters als Branntwein
Zwischenüberschrift:
Kommenderiestraße und Rosenplatz um 1904
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die 1904 verlegte Ansichtskarte erinnert daran, welch großes Aufsehen damals ein " photographischer Apparat" erregte. Die Kinderschar hat sich auf beiden Seiten der " Commenderiestrasse" aufgebaut und starrt neugierig den Lichtbildner an. Auch einige Erwachsene, die offenbar eine Erfrischung an der Seltersbude zu sich nehmen, schauen interessiert herüber.

Die Seltersbude befand sich am westlichen Rand des Rosenplatzes, nicht weit vom Eingang der Rosenplatzschule entfernt. Derartige hölzerne Verkaufsstände aus serienmäßiger Herstellung waren in wilhelminischer Zeit an vielen Stellen im Stadtgebiet zu finden, oftmals an verkehrsreichen Plätzen oder in der Nähe von Schulen, gern aber auch gegenüber von Werkstoren. Ursprünglich waren es Getränkehändler, die sie aufstellten und verpachteten, um dort regionale Mineralwässer oder auch das namensgebende, überregional bekannte Heilwasser aus der Ortschaft Selters im Taunus anzubieten.

Das Verkaufsinteresse der Wasseranbieter traf sich dabei mit dem Bestreben der Bürgerschaft, den Alkoholkonsum der Arbeiter einzudämmen, damit die Volksgesundheit zu heben und Arbeitsunfälle zu verhüten. Wer in den Arbeitspausen Selterswasser anstatt Branntwein und Bier trank, war für die mechanisierten Arbeitsplätze in den Industriebetrieben besser zu gebrauchen.

Aber auch für die Kinder hatten die Buden viel zu bieten: etwa das " Knickerwasser", eine Brause mit Geschmack, bei der eine gläserne Murmel durch den Überdruck von innen in den Flaschenhals gedrückt wurde und so die Kohlensäure in der Flasche hielt. Oder " für zehn Pfennig Gemischtes" aus den Glasbehältern mit den herrlichen Süßigkeiten links und rechts vom Schiebefenster, darunter Drops, Lakritz, Puffreis und Himbeerbonbons.

Wie man auch heute auf jedem Stadtplan nachvollziehen kann, zielt der Fluchtpunkt der Kommenderiestraße genau auf die Westtürme des Doms. Da 1400 Meter entfernt und nur schwach zu erkennen, nahm sich der Ansichtskartenverleger die Freiheit, dem Umriss des Barockhelms mit einigen Strichen nachzuhelfen. Auf der aktuellen Ansicht ist mit etwas Mühe das heutige grüne Pyramidendach des Doms ebenfalls auszumachen. Die Stadtarchäologen haben nachgewiesen, dass der Verlauf der seit 1633 so benannten Kommenderiestraße bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts eine wichtige Wegeverbindung darstellte, und zwar aus dem Dombezirk in Richtung Sutthausen und Hagen zu den Silbererzvorkommen im Hüggel.

Die Kommenderiestraße erhielt ihren Namen von einer Kommende (Niederlassung) des Deutschen Ordens, die von etwa 1300 bis 1809 hier existierte. An der heutigen Ecke zur Wiesenstraße liegt die ehemalige Kommenderie- oder Komtureikirche der St.-Georgs-Kommende des Deutschen Ritterordens. Der heutige Bau aus dem 18. Jahrhundert wurde auf den Grundmauern einer Vorgängerkapelle errichtet, die ab 1389 belegt ist. Während der schwedischen Besetzung 1633 bis 1648 verfiel diese erste Ordenskirche und brannte ab. Bischof Clemens August, der auch " Administrator des Hochmeistertums" in Preußen war, ließ 1725 eine neue Kirche bauen, die bis zur Auflösung des Ordens 1809 von den Ordensrittern genutzt wurde. Bis in die 1970er-Jahre war der unter anderem durch eine eingezogene Zwischendecke stark veränderte Kirchenbau Heimstatt der Adventisten-Gemeinde. Seit 1981 wird er vom Amateurtheater " probebühne" als Spielstätte genutzt.
Bildtexte:
Blick vom Rosenplatz in die Kommenderiestraße um 1904. Vor dem Friseurgeschäft vorne links mündet die Koksche Straße ein.
Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Rieken
Rosenplatz ohne Rosen, dafür mit rot angemaltem Belag: der heutige Blick in die Kommenderiestraße.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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