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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Emmas Theater
Zwischenüberschrift:
Grieserts Handgiften-Rede stiftet kein Geld, aber Verwirrung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das Emma-Theater ist wichtig für das junge Publikum und wichtig als Experimentierbühne. Aber es kostet auch Geld Geld, das die Stadt nicht hat. Beim Handgiftentag hat deshalb Oberbürgermeister Wolfgang Griesert laut darüber nachgedacht, ob das Theater nicht selbst das Geld für die Sanierung des Hauses sammeln könnte. Bis jetzt hat das nur eines gestiftet: Verwirrung.

Man muss beim Emma-Theater unterscheiden: zwischen der Funktion als zweite Spielstätte und dem Standort im einstigen Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Die Notwendigkeit einer zweiten Spielstätte zweifelt im Prinzip niemand an, schon allein, weil dort das Kinder- und Jugendtheater Oskar angesiedelt ist. Der Standort aber muss saniert werden; Kostenpunkt: 700 000 Euro. Vorausgesetzt, das Bauvorhaben wird schnell auf den Weg gebracht dann kann die Stadt sogenannte EFRE-Mittel der EU abrufen. Die Zeit drängt; " es ist nicht fünf vor zwölf", sagt Intendant Ralf Waldschmidt, " sondern eine Minute vor zwölf."

Zwar hat der Rat die Sanierung am 9. Dezember abgesegnet. Jetzt bringt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert neuen Schwung in die Diskussion: Angesichts der angespannten Haushaltslage hat er beim Handgiftentag vorgeschlagen , das Theater möge selbst Geld sammeln, sei es " durch erhöhte Eintrittspreise, Sponsoring, Stiftungen, Mäzene". Und noch eine Idee bringt der OB ins Spiel: " Der VfL hat es uns im vergangenen Jahr vorgemacht: Das Crowdfunding hat eine gigantische Summe zusammengebracht", heißt es in seiner Rede weiter. Und schließlich sinniert er, ob das Emma nicht mit einer privaten Amateurbühne kooperieren könnte.

Im Theater hält sich die Euphorie über die Ideen des OB in Grenzen. Vor allem, weil niemand so recht weiß, was genau Griesert nun will. Soll das Theater die Mittel für die Sanierung selbst aufbringen? " Warum betreibt die Stadt dann kein Crowdfundig für die Osnabrück-Halle, fürs Klinikum, für den Flughafen?" fragt der Kaufmännische Direktor Matthias Köhn. " Soll das ein neues Finanzierungsmodell für die Stadt werden?" Die Minimalsanierung hat der Rat beschlossen, um den Spielbetrieb zu gewährleisten.

Weitergehende Maßnahmen stehen aber unter Vorbehalt. Denn auch das große Haus muss saniert werden. Der kulturpolitische Sprecher der SPD, Dirk Koentopp, fragt deshalb, ob sich im Zuge dieser Baumaßnahmen nicht das Emma-Theater ins Theater am Domhof integrieren ließe.

Das klingt, als hätte sich der SPD-Mann schon die Forderung des CDU-OB zu eigen gemacht: " Eine andere Denke" fordert der im Zusammenhang mit dem Theater. Was Koentopp und vielen anderen Kennern des Emma vielleicht nicht bewusst ist: Hinter dem Foyer und dem kleinen Bühnenraum mit seinen 96 Plätzen verbirgt sich noch so einiges. " Wir haben dort eine Nutzfläche von 1300 Quadratmetern", sagt Köhn. Somit steht die Verwaltung vor einer spannenden Aufgabe: Sie soll nach räumlichen Alternativen zum Emma suchen.

" Man kann sicher diskutieren, ob eine andere Spielstätte eine Verbesserung brächte", sagt Waldschmidt dazu. Vehement wehrt er sich aber gegen Gedankenspiele mit einem Theater ohne " Emma". " Das ist unabdingbar für das Profil des Theaters", sagt er und zählt auf: 30 000 Schüler, das Experimentierfeld, die Atmosphäre, die das Emma-Publikum so liebt. Und allein, um den vier Sparten Platz zu bieten, bräuchte das Theater eine zweite Spielstätte mindestens. " Bielefeld hat vier Spielstätten, Oldenburg drei, Münster drei", rechnet Waldschmidt vor. " Im Vergleich sind wir am untersten Level."

Doch wer soll das bezahlen? Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Fritz Brickwedde fordert, das Theater müsse mehr Geld selbst einwerben, etwa für einzelne Produktionen. Waldschmidt empfiehlt jedoch einen Blick in den Theater-Leporello: " Da sind jede Menge Firmenlogos zu finden", sagt er. Spieltriebe, Weihnachtsstück, aufwendige Opernproduktionen wären ohne Drittmittel nicht zu realisieren. Auch über höhere Eintrittspreise könne man reden, sagt Waldschmidt man müsse das gemeinsam besprechen; organisatorisch ist das Theater schließlich eine hundertprozentige Tochter der Stadt.

Wenigstens eine Institution kann spontane Hilfe anbieten: die Probebühne. Einen gemeinsamen Spielbetrieb von Profis und Laien hält deren Leiter Hans Jürgen Meyer zwar für illusorisch – " als ich darauf angesprochen wurde, hielt ich das für einen Aprilscherz", sagt er. Aber er könnte sich vorstellen, die Einnahmen einer Abendvorstellung fürs Emma zu spenden. Das ist doch schon ein Anfang. Zumal Griesert verspricht, für jeden eingeworbenen Euro einen städtischen Euro draufzulegen.

Alle Berichte zum Theater Osnabrück auf www.noz.de/ os-theater
Bildrtexte:
Platz für Experimente: Scene aus dem Gewinnerstück des Osnabrücker Dramatikerpreises " Jenseits von Fukujama".
Rettet die Probebühne das Emma?
Fotos:
Uwe Lewandowski, Egmont Seiler
Autor:
Ralf Döring


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