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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Studenten porträtieren Opfer der Nazi-Justiz
Zwischenüberschrift:
Ausstellung "Abgeurteilt" ab dem 18. Januar in der Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Geschichtsstudenten der Universität Osnabrück haben die Schicksale von zwölf heimischen Opfern der NS-Justiz aufgearbeitet. Ihre Ergebnisse sind ab dem 18. Januar in der Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss zu sehen. Die Ausstellung trägt den Titel " Abgeurteilt. Gefangene in der Strafanstalt Lingen und den Emslandlagern 1935–1945".
Unter der Leitung von Historiker Sebastian Weitkamp verfassten die 20 Studierenden im Wintersemester 2013/ 2014 Biografien und Texte über ein Dutzend Menschen (darunter sechs mit Osnabrück-Bezug), die in Nazi-Deutschland aus unterschiedlichen Gründen in die Mahlwerke einer radikalisierten Rechtsprechung geraten waren und dies teilweise mit dem Leben bezahlten. " Denn nicht alle Gefangenen überlebten die Haft", erklärt Weitkamp.
Zum Hintergrund: Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 war an die Stelle der verhältnismäßig liberalen Rechtsordnung der Weimarer Republik eine völkische Lebensordnung getreten. Recht ergab sich aus den Vorstellungen von " Volksgemeinschaft" und " Führerwillen". Neue Verordnungen und Gesetze zerstörten die parlamentarische Demokratie und setzten verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft. Die NS-Führung schuf so den legalen Rahmen, um die politische Opposition durch die Justiz ausschalten und auch andere " Volksfeinde" aburteilen zu können. Neben kritischen Äußerungen und Widerstandshandlungen gegen das NS-Regime konnten nun auch unbedarfte Aussprüche mit harten Strafen geahndet werden.
Unabhängig von der zivilen Justiz war die Militärjustiz der Wehrmacht. Insbesondere nach Kriegsbeginn 1939 verschärften ihre Gerichte die Rechtsprechung ebenfalls drastisch zur " Aufrechterhaltung der Manneszucht". Bis Kriegsende vollstreckte die Militärjustiz mehr als 20 000 Todesurteile. Im Ersten Weltkrieg (1914–18) waren es 48 gewesen.
Die Universitätsstudenten des Historischen Seminars (Abteilung Neueste Geschichte) werteten für ihr Projekt vor allem Gefangenenpersonalakten, die im Niedersächsischen Landesarchiv in Osnabrück aufbewahrt werden. Unter anderem die von Leonhard de Hesselle. Geboren 1907 in Stolberg-Atsch, war er 1942 als Soldat der Wehrmacht wegen Diebstahls von sechs Feldpostpäckchen zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden. De Hes selle kam als " wehrunwürdig" in den zivilen Strafvollzug und in das Strafgefangenenlager VII Esterwegen. Er starb am 8. Oktober 1942 beim Zwangsarbeitseinsatz in Nordnorwegen.
Insgesamt veranschauliche die Auswahl für die Ausstellung eine Bandbreite an Lebensläufen und Tatvorwürfen, erklärt Historiker Weitkamp und ergänzt: " Nicht alle Verurteilten waren ausschließlich Opfer. Einige waren zugleich Täter. Aber alle wurden Opfer einer politischen Justiz." Die Haftzeiten der porträtierten Gefangenen reichten von 1935 bis 1945 und machten zwei Dinge deutlich: erstens die zunehmende Radikalisierung der Rechtsprechung, zweitens die stetige Verschlechterung der Lebensbedingungen der Gefangenen insbesondere in den emsländischen Strafgefangenenlagern.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit den Gedenkstätten Gestapokeller und Esterwegen. Sie wurde zudem finanziell gefördert durch die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten. Nach der Eröffnung am Sonntag, 18. Januar, um 14 Uhr gibt es weitere Öffnungszeiten der Ausstellung: An jedem ersten und dritten Sonntag im Monat ist sie von 14 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem dreimal mittwochs (21. und 28. Januar sowie am 4. Februar) jeweils von 12 bis 14 Uhr. Diese Sonderöffnungszeiten werden ehrenamtlich durch Studierende betreut.
In Osnabrück endet die Ausstellung am 19. Juli. Vom 2. August bis zum 27. September ist sie in der Gedenkstätte Esterwegen zu sehen.

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Bildtext:
Eins von zwölf dokumentierten Schicksalen: Der Wehrmachtssoldat Leonhard de Hesselle wurde 1942 wegen Diebstahls von Feldpost zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb kurz darauf im Arbeitslager.
Foto:
privat/ Gedenkstätte Esterwegen
Autor:
sst


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