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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Leserbriefe
Zwischenüberschrift:
Den richtigen Weg eingeschlagen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zur aktuellen Berichterstattung über die Unterbringung von Flüchtlingen in Osnabrück, u. a. zum Artikel " Ein Team wächst zusammen Angestellte und freiwillige Helfer beginnen im Osnabrücker Flüchtlingshaus mit der Arbeit" (Ausgabe vom 29. Dezember):

" Menschen, die lachen können trotz der unendlichen Leiden und Verluste, die sie erlitten haben: Das vermitteln die Fotos der NOZ von Flüchtlingen, die in Osnabrück Aufnahme gefunden haben. Kinder und Jugendliche, die sich Gedanken machen, wie sie Flüchtlingskindern eine Freude machen können, Nachbarn, die Flüchtlingen einen Willkommensgruß bringen, eine Berichterstattung in der NOZ, die dies ausführlich dokumentiert und sensibel begleitet: Das ist beeindruckend.

Während die Medien voll sind von Demonstranten, die menschenverachtende Parolen brüllen und sich nicht scheuen, dazu Weihnachtslieder zu singen und den Ruf ' Wir sind das Volk' der DDR-Montagsdemonstrationen von vor 25 Jahren für ihre islam-fremdenfeindlichen Auftritte zu missbrauchen, geht Osnabrück einen ganz anderen Weg. Die regionalen Medien, die Politik, die Verwaltung der Stadt und nicht zuletzt die Bevölkerung ziehen hier an einem Strang, und dadurch ist eine Kultur der Offenheit, der Verantwortung, des Verständnisses und der Zuwendung für die entstanden, die dies am dringendsten brauchen.

Und während die Bundespolitik hilflos wirkt und allzu zögerlich, hat unsere Stadt längst den einzig richtigen Weg eingeschlagen. Der Anspruch, Friedensstadt zu sein, ist damit längst in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt angekommen. Das, was Erich Maria Remarque in seinem Exilroman ' Die Nacht von Lissabon' so eindringlich für die Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland beschreibt und was so eine erschreckende Aktualität bekommen hat: ' Der Flüchtling musste verbluten im Gestrüpp der Bürokratie, der Einsamkeit, der Fremde und der entsetzlichen allgemeinen Gleichgültigkeit gegen das Schicksal des Einzelnen, die stets die Folge von Krieg, Angst und Not ist.' Mit dem Bewusstsein und Handeln im Sinne der Menschlichkeit, wie der gegenwärtige Umgang mit Flüchtlingen in Osnabrück zeigt, bleiben Humanität und Friede keine abstrakten Bergriffe. Sie werden konkret im überschaubaren Lebensbereich, weil die Menschen selbst die Verantwortung übernehmen und diese nicht dem Machtspiel der Politik überlassen. Genau das passiert gegenwärtig in Osnabrück.

Lioba Meyer

Osnabrück

" Herzensaufgabe"

" Pegida (Provinzielle, engstirnige, grundgesetz-ignorante deutsche Artgenossen) bleibt hoffentlich eine Randerscheinung und uns in Osnabrück erspart. Flüchtlinge aufzunehmen sollte uns eine Herzensaufgabe sein angesichts der Aufnahme deutscher Flüchtlinge in der ganzen Welt während der Nazizeit.

Die Wahl des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses und späterer Geriatrie als Aufnahmeort für Kriegsflüchtlinge könnte nicht besser sein. Alte Evers burger erinnern sich leb haft an das riesige Lazarett am Heger Holz, das infolge
von Bombentreffern nicht in Betrieb kam. Stattdessen diente es vielen Ostflüchtlingen als Notunterkunft. Sie hatten sich in dem Trakt, der später nicht abgerissen wurde, provisorische Ein-Zimmer-Wohnungen mit Kanonenöfen eingerichtet.

Ich hoffe, dass dieser Leserbrief bei vielen Osnabrückern meiner Generation diese Erinnerung wachruft und wir in Demut erkennen, dass es vielen von uns auch einmal sehr schlecht gegangen ist. Wer, wenn nicht wir, sollte die humanistischen Ideale hochhalten?"

Dr. Claus Cronemeyer

Osnabrück
Bildtext:
Reaktion auf Pegida in Dresden. Auch in Osnabrück machen sich angesichts der Not der Flüchtlinge viele Bürger stark für eine Kultur der Offenheit und Verantwortung für diejenigen, die Zuwendung am nötigsten brauchen.
Foto:
dpa
Autor:
Lioba Meyer, Dr. Claus Cronemeyer


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