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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zu Fuß wird′s auch bei Grün gefährlich
 
Meine Nahtoderfahrung bei Grün
Zwischenüberschrift:
Neumarkt: Neue Ampel mit Tücken
 
Auf Kollisionskurs: Fußgängerschicksal vor dem Hasehaus
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Fußgänger hatte Grün, der Busfahrer auch. Beinahe hätte der Stärkere den Schwächeren überrollt. Es geschah am Freitag gegen 8.30 Uhr am neuen Fußgängerüberweg zwischen Landgericht und Hasehaus, und es war nicht die erste Beinahe-Kollision. An die Ampelschaltung müssen sich viele Verkehrsteilnehmer noch gewöhnen.

Der Abriss des Neumarkttunnels beschert den Fußgängern neue ebenerdige Überwege. Wegen der Baustelle haben einige dieser Querungen einen provisorischen Charakter. Die Fußgängerampeln am Kollegienwall zwischen dem Hasehaus und dem Landgericht sind jedoch schon fest installiert, und ihre Schaltung ist nicht etwa auf ein Versehen zurückzuführen, wie Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, auf Anfrage versichert.

Fußgänger-Grün korrespondiert mit Linksabbieger-Grün für die Verkehrsteilnehmer, die von der Wittekindstraße in den Kollegienwall fahren wollen. Unbestreitbar, so sieht es auch Schürings, hätte der Busfahrer also Rücksicht nehmen müssen auf den Fußgänger, der völlig korrekt bei Grün die Straßenseite wechselte. Linksabbieger, die schon auf entgegenkommende Fahrzeuge achten müssen, sind es in Osnabrück aber offensichtlich nicht gewohnt, dass ihnen Fußgänger in die Quere kommen können.

Für die schwächeren Verkehrsteilnehmer könnte diese Konstellation also tragisch enden. Das hat auch die Stadt erkannt und vorsorglich ein gelbes Blinklicht aufgestellt, das den motorisierten Linksabbiegern ihre Gemeingefährlichkeit einerseits und die Schutzwürdigkeit der Fußgänger andererseits signalisieren soll. Doch nicht immer werden Signale richtig gedeutet, wie das Beispiel vom Freitag zeigt.

Fachbereichsleiter Schürings bezeichnet die Verkehrsbeziehung zwischen den Fußgängern und den Linksabbiegern als bedingt verträglich″, was nichts anderes bedeutet, als Rücksicht zu nehmen. Und zwar auf den Fußgänger, der als weiches Ziel″ ungleich stärker gefährdet ist als der Busfahrer in seinem Stahlkasten.

Dass der Linksabbieger in der größeren Verantwortung steckt, lässt sich auch an der Ampel ablesen, die ihm freie Fahrt gibt. Weist ihm ein grüner Pfeil den Weg, muss er nicht mit beweglichen Hindernissen wie Gegenverkehr oder kreuzenden Fußgängern rechnen. Am Neumarkt besteht das Signal aber aus einer sogenannten Vollscheibe diese Art des Grünlichts gemahnt zur Rücksichtnahme. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass ältere Führerscheininhaber diesen feinen Unterschied gar nicht kennen.

Mehr zur Verkehrspolitik in Osnabrück auf www.noz.de
Bildtexte:
Vollscheibe: Achtung, Gegenverkehr und Fußgänger!
Grüner Pfeil: Kein Gegenverkehr, keine Fußgänger.
Fußgänger, aufgepasst: Wer hier Grün hat, muss mit unaufmerksamen Linksabbiegern rechnen.
Fotos:
Gert Westdörp

Osnabrück. Das neue (Arbeits-) Jahr hätte für mich fast unter einem Bus begonnen. Eine Nahtoderfahrung am Freitagmorgen: Auf dem Weg ins Büro kam mir die Idee, doch einmal die neue Fußgängerampel zwischen Landgericht und Hasehaus zu nutzen, um den Kollegienwall zu überqueren.
Als ich mich schlaftrunken der Ampel näherte, sprang sie wie von Geisterhand auf Grün. Praktisch, dachte ich mir, dann schaffe ich es ja doch noch pünktlich ins Büro, und näherte mich. Erst ein Bus, dann ein weiterer rauschten, von der Wittekindstraße kommend, links in den Kollegienwall abbiegend an mir vorbei.
Aus dem Augenwinkel sah ich einen dritten Bus an der Ampel auf der Wittekindstraße anrollen. Da meine″ Ampel aber nach wie vor Grün zeigte und der Bus auch noch ein gutes Stück entfernt war, betrat ich festen Schrittes die Straße. Womit ich nicht rechnete: Der Bus beschleunigte so stark beim Linksabbiegen, dass er mich wohl überrollt, zumindest aber gerammt hätte, wäre ich ihm nicht augenblicklich aus dem Weg gesprungen.
Weil der Busfahrer, statt zu bremsen, allem Anschein nach glaubte, er bekäme mich mit seiner Hupe wohl irgendwie aus dem Weg gehupt, setzte ich, in meinem Gerechtigkeitsempfinden gekränkt, zur Verfolgung an. Ein kurzes, aber umso lauteres Wortgefecht folgte, in dem ich dem Fahrer zu verstehen gab, dass ich Grün hatte und ja nach wie vor noch das gelbe Blinklicht blinke, das motorisierte Linksabbieger eigentlich vor Fußgängern warnen sollte.
Bei meinem eigenen Geschrei gingen die Argumente des Busfahrers zwar unter, doch so viel verstand ich dann doch: Er habe Grün gehabt, es könne ja gar nicht sein, dass die Fußgänger dann auch Grün hätten. Doch. Hatte ich. Also hatten wohl beide Grün. Doch wer hat recht?
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Dirk Fisser


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