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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gespräche über Politik und Wasserhähne
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren entstand eine Besuchspartnerschaft zwischen Osnabrück und Greifswald
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Nach der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze wählten die " Neue Osnabrücker Zeitung" und die Stadt Osnabrück im November 1989 Bürger aus Stadt und Landkreis aus, um eine sogenannte Besuchspartnerschaft mit Bürgern der Partnerstadt Greifswald einzurichten. Es war eine erste Annäherung von Ost und West auf dem langen Weg der Wiedervereinigung. Wir haben zwei ehemalige " Besuchspartner" aus Osnabrück zu ihren damaligen Erfahrungen befragt.

" Irgendwann ist die Mauer weg, und ich erlebe das noch", erinnert sich Ute von Pannwitz an die prophetischen Worte ihres Mannes Sieghard. Er sollte recht behalten. Als sich " NOZ" und Stadt vor 25 Jahren auf die Suche nach Osnabrückern für die Besuchspartnerschaft begaben, zögerte Familie von Pannwitz nicht lange. " Ja, sofort", habe ihr Mann gesagt. Gab es Berührungsängste? Keinesfalls, eher im Gegenteil. " Wir wollten ja auch zeigen, dass man sich für die Menschen freut."

Das politische Tauwetter zwischen DDR und Bundesrepublik zum Ende der 1980er-Jahre hatte schon lange, bevor an einen Fall der Mauer zu denken war, den ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaften Tür und Tor geöffnet. In einem persönlichen Brief an die damalige Osnabrücker Oberbürgermeisterin Ursula Flick begrüßte der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker eine Partnerschaft mit Greifswald und machte so den Weg für eine offizielle Verbindung frei. Im Februar 1988 wurde die bis dahin erst 15. deutsch-deutsche Städtepartnerschaft vertraglich besiegelt. Rund ein Jahr später folgten dann die ersten Besuchspartnerschaften.

Eine Familie Schnepf aus Greifswald habe sie und ihren Mann zunächst in Osnabrück besucht, erzählt Ute von Pannwitz. An Einzelheiten dieser Visite erinnert sich die heute 70-Jährige zwar nicht, dafür aber an den Gegenbesuch des Osnabrücker Ehepaars in Magdeburg. " Das war ganz witzig", blickt von Pannwitz mit einem herzhaften Lachen zurück, " wir sind dort das erste Mal Trabi gefahren." Die Tour im Trabant, dem Herzstück der Massenmotorisierung der DDR, blieb nicht das einzige Reiseerlebnis, das ihr im Gedächtnis geblieben ist. Auch die Suche nach einer öffentlichen Toilette endete in einem kuriosen Abenteuer: " Da saß eine Frau in einem ausrangierten WC und verlangte Westmark für die Benutzung." Skurrile Toilettenfrauen und selbst ernannte WC-Wächter taten der Beziehung zwischen West- und Ost-Familie jedoch keinen Abbruch.

Familie von Pannwitz hatte noch lange Zeit Kontakt mit den neuen Freunden aus Ostdeutschland. Man telefonierte, und die Osnabrücker besuchten die Schnepfs zuletzt noch einmal vor etwa drei Jahren. Bei der Reiselust der Familie nicht verwunderlich. Sieghard von Pannwitz ist in der Landmaschinenbranche tätig und arbeitet unter anderem in Südafrika. " Wir haben auch ein Haus dort", erzählt seine Frau Ute, " wir sind sicherlich nicht die klassischen Rentner."

Auch Familie Simon aus Osnabrück beteiligte sich damals an der Besuchspartnerschaft. " Wir hatten eher eine Einführungsfunktion", blickt Horst Simon zurück, " wir haben uns nicht gemeldet, um feste Kontakte zu knüpfen." Dennoch war der Besuchsaustausch für sie eine interessante Erfahrung. Den Namen des Greifswalder Ehepaars hat er nicht mehr im Kopf, dafür aber ihre Berufe. Ingenieur sei der Mann gewesen, die Frau Trauerrednerin. Neben einem Besuch in Greifswald gab es damals drei Termine in Osnabrück. Simon erinnert sich vor allem an die interessanten politischen und ideologischen Gespräche mit dem Ingenieur aus der DDR. " Wir haben oft über die gesamte Entwicklung gesprochen, man dachte damals ja noch, dass die Systeme voneinander lernen."

Überrascht haben ihn die Unterschiede im Alltag von Ost und West. So löste der West-Wasserhahn besonderes Interesse aus. " Bestimmte Alltagstechnik hier im Westen war in der DDR einfach nicht bekannt", erinnert sich Simon, so eben auch die Konstruktion eines Wasserhahns ohne ein Drehventil zum Öffnen und Schließen. Insgesamt habe jedoch wenig Distanz zwischen den Städtepartnern geherrscht, sodass sie auch mit persönlichen Fragen aufeinander zugingen. Über die " Einführungsfunktion" sei die Beziehung zwischen dem Osnabrücker und dem Greifswalder Ehepaar dann aber tatsächlich nicht hinausgegangen. Eine Freundschaft entwickelte sich nicht.

Die Osnabrücker Städtepartnerschaft mit Greifswald ist indessen weitgehend eingeschlafen zumindest, was offizielle Aktivitäten angeht, die aus den Rathäusern gesteuert werden. Vielfältige Beziehungen zwischen den Menschen bestehen nach wie vor. Das betonten auch die Vertreter beider Städte, als 2013 Partnerschaftsjubiläum gefeiert wurde. Es sei für die Greifswalder inzwischen völlig normal, nach Osnabrück zu kommen, sagte Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König, und der Osnabrücker Bürgermeister Burkhard Jasper berichtete, bei jedem seiner bisherigen Besuche in der fast 500 Kilometer entfernten Universitäts- und Hansestadt auch Osnabrücker getroffen zu haben.

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Bildtext:
Besucher aus Greifswald gab es nicht erst nach der Wende. Ganze Gruppen aus der Partnerstadt waren auch vorher schon in Osnabrück unterwegs, so wie hier am 25. November 1985 bei einer Altstadtführung.
Foto:
Archiv/ Gert Westdörp

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Autor:
David Hausfeld


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