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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spaziergang durch Rückseiten
Zwischenüberschrift:
Der Osnabrücker Haseuferweg wagt bauliche Leichtigkeit auf schwierigem Terrain
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Hase hatte es in Osnabrück nicht immer leicht: Mal begradigt, mal auf die Größe eines Baches zurechtgestutzt, passierte der Fluss die Innenstadt jahrzehntelang eher im Verborgenen.
2006 beschloss der Rat, den Uferweg an der Hase zwischen Neumarkt und Heinrich-Heine-Straße auszubauen. Der im Jahr 2011 fertiggestellte Abschnitt stellt mit einer Länge von 475 Metern zwar nur einen Bruchteil des eigentlichen Haseuferweges dar, besticht aber durch architektonische Besonderheiten: Stützkonstruktionen und die Nähe zum Wasser vermitteln Leichtigkeit auf schwierigem Terrain.
Zugegeben: Auf dem kleinen Spaziergang von der Heine-Straße bis zum Neumarkt sucht man optische Schmankerl links und rechts des Weges meist vergeblich. Die Tour führt durch Osnabrücker Rückansichten, vorbei an Hinterhöfen mit Müllcontainern oder ausrangierten Möbeln. Ein paar Meter weiter unten wälzt sich die Hase langsam durch ein Flussbett, dessen Verlauf die angrenzende Bebauung diktiert. Nach der Querung der Schlagvorder Straße dominiert linker Hand die Kehrseite der Polizeidirektion ein Bild, dessen Komposition klar von Zweckmäßigkeit durchdrungen ist: Nach hinten, zum Wasser hinaus, brauchte es lange Zeit keine Repräsentanz, keine schöne Fassade. Einsamer Zeuge einer Neuorientierung ist das Hasehaus, das das Flussufer als Aufenthaltsort ausdrücklich miteinbezieht.
" Das Ufer wird lebendig. Die Höfe folgen" hieß es visionär in einem Beitrag zum Architekturwettbewerb , den die Stadt 2006 zur Gestaltung des Haseuferweges ausschrieb. Bislang ist diese Vorstellung eher Wunschdenken als Wirklichkeit: Zwar besitzen die beiden Enden des Weges jeweils Platzcharakter, zwar besitzt besonders die Uferplattform an der Neuen Mühle durchaus Aufenthaltsqualität und zwar kann sich der Weg über ausbleibende Publikumsfrequenz nicht beschweren zu einer wirklichen Interaktion zwischen Uferweg und Umfeld kommt es bislang nicht.
Vielleicht ist es die große Tragödie eines Weges, dass sich in die Kritik seiner Beschaffenheit allzu oft die Kritik der Beschaffenheit seiner Umgebung mischt. Losgelöst von jenem Ensemble aus Hinterhöfen und architektonischem Pragmatismus und eingebettet in einen großen, stadtplanerischen Kontext, erlauben sich andere Perspektiven: Zum Beispiel jene eines Weges, dessen Verlauf teils durch schwieriges Terrain bestimmt ist. An manchen Stellen eher im Stile eines Stegs führt der Weg mehr über als neben der Hase her. Der Einsatz einer zurückhaltenden Stahlkonstruktion mit der Möglichkeit großer Stützabstände reduziert die Eingriffe ins Flussbett auf ein Minimum. Das Geländer aus Edelstahlnetzen schafft Transparenz, insgesamt suggeriert die Konstruktion eine Leichtigkeit, in der die hellen Betonplatten fast über den Wassern zu schweben scheinen.
Zudem ist der 475 Meter lange Abschnitt nur ein kleiner Part des eigentlichen Haseuferweges: Teils noch in Planung, soll dieser künftig parallel zum Fluss durch das gesamte Stadtgebiet verlaufen. Die Renaissance der Hase im Stadtbild ist eng mit dem Weg verknüpft: Durch die Führung parallel zum Wasser entsteht eine ruhige, sichere und teils attraktive Verbindung bis in die Innenstadt. Im Alltag vor allem prädestiniert für Radfahrer aus den Randgebieten, wird Osnabrück damit auch touristisch neu erfahrbar: Nach weiteren Lückenschlüssen zöge sich der Weg als 17 Kilometer langer Schnitt durch die Stadt. Die Passage der Rückansichten zwischen Heine-Straße und Neumarkt wäre nur noch Etappe einer Route, die auch den Blick vom Herrenteichswall auf die Innenstadt oder natürliche Idylle am Stadtrand beinhaltet. Und vielleicht wachsen bis dahin auch dort Ufer und Umfeld stärker zusammen.
Bildtexte:
Der Steg und das Ufer wachsen auch architektonisch allmählich aufeinander zu: der neue Haseuferweg in der Osnabrücker Innenstadt.
Die Stützpfeiler integrieren sich wenig störend in den Flusslauf.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Markus Pöhlking


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