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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Kachelhaus unter Denkmalschutz gestellt
Zwischenüberschrift:
Neumarkt: Einkaufszentrum darf nun doch nicht gebaut werden – Streit über Folgenutzung
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Bombe platzte unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen: Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege hat das Kachelhaus am Neumarkt völlig überraschend in die Denkmalliste aufgenommen. Diese Entscheidung polarisiert in Osnabrück.

Vor allem die Planer und die Befürworter des Einkaufscenters am Neumarkt rotieren. Mfi-Projektmanager Björn Reineking: " Nachdem das Oberverwaltungsgericht gerade die Bedenken von Anliegern gegen unser Center vom Tisch gewischt hat, versuchen interessierte Kreise offenbar nun, uns mit dem Denkmalschutz Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Nachtigall, ick hör dir rauschen."

Stefan Winghart, oberster Denkmalschützer der Landes, bezeichnete Reinekings Andeutungen als " völlig abwegig". Durch die Knochenfunde beim Tunnelabriss im vergangenen Sommer seien seine Kollegen vor Ort überhaupt erst auf das " verkannte Juwel" an der Ecke Neumarkt/ Johannisstraße aufmerksam geworden.

Das Gebäude, so der promovierte Archäologe Winghart, erfülle wesentliche Voraussetzungen, um in die Denkmalliste aufgenommen zu werden. Ähnlich wie die epochenprägenden Materialien in der Bronze- und Eisenzeit sei die Kachel der Werkstoff der ausklingenden Nachkriegs- und beginnenden Wirtschaftswunderzeit. " Man könnte diese Epoche mit Fug und Recht als ' Keramik-Zeit' bezeichnen", so der Experte.

Bauliches Zeitzeugnis

Die Menschen seien damals mit dem Wiederaufbau des Landes belastet gewesen und hätten deshalb Wert auf pflegeleichte und wartungsarme Fassadenmaterialien gelegt. Die Außengestaltung des Kachelhauses habe sich speziell in Osnabrück, aber auch im gesamten Umland sogar auf die Innenarchitektur ausgewirkt. " Nachforschungen unserer Fachleute haben gezeigt, dass hier in den 60er-Jahren zahlreiche Badezimmer und Waschküchen, ja sogar Wohnräume und Bierkneipen bis hin zum Farbton haargenau wie das Kachelhaus gefliest worden sind." So ein bauliches Zeitzeugnis sei wahrhaft epochal und dürfe dem Abrissbagger nicht zum Opfer fallen. Winghart: " Ein Denkmal muss im Übrigen nicht schön sein. Entscheidend ist der historische Zeugniswert."

Frank Henning, SPD-Ratsfraktionschef und Landtagsabgeordneter, tobt und sucht nach eigenen Angaben bei der Landesregierung schon nach Wegen, den Behördenchef in Hannover in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Dies, so sein CDU-Widerpart Fritz Brickwedde, sei erstens gar nicht so einfach, zweitens im konkreten Fall zu spät, und drittens koste es den Steuerzahler richtig Geld.

" Wir sollten lieber in die Zukunft schauen und nach sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes suchen." Eine Außenstelle der JVA Lingen für kurz vor der Entlassung stehende Freigänger schwebt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert vor.

Erstens würden die Kosten für die Immobilie dann vom Land getragen, und zweitens profiliere sich die Friedensstadt mit dem Pilotprojekt als Resozialisierungshauptstadt. " Und drittens kämen die Bewohner an der Stelle der City viel leichter mit alten Bekannten in Kontakt, die ihnen die Rückkehr in die Freiheit erleichterten", assistiert Stadtbaurat Frank Otte dem OB.

Michael Hagedorn, Rats-Chef der Grünen, hat noch eine andere Idee: Der grüne Landwirtschaftsminister plane die Gründung einer Beratungsstelle für Landwirte, die von Massentierhaltung auf Bioproduktion umstellen wollen. Hagedorn: " Für diese Nutzung drängt sich das Gebäude als ' Grünes Haus' ja förmlich auf."

Outlet-Center

Das entscheidende Wort wird allerdings die Eigentümerin sprechen, eine gemeinsame Gesellschaft von Mfi und Theo Bergmann. Und die scheint nach dem Beschluss des Landesamtes im ersten Moment nur eines im Sinn zu haben: Rache. " Wir haben sofort Gespräche mit Amazon aufgenommen", ließen Bergmann und Reineking verlauten. Der Versandhandels-Riese suche derzeit nach einem citynahen Outlet für Rücksendungen. Da das Kachelhaus in der Hubschrauber-Einflugschneise für das Marienhospital liege, könne es künftig ideal von Auslieferungsdrohnen angeflogen werden. Für die kleinen Flugmaschinen, die im 30-Sekunden-Takt starten und landen sollen, könne man auf dem Dach mehrere Landeplattformen errichten. " Und wenn nun aus der Anbindung der südlichen Innenstadt durch ein Center nichts wird, gelingt es der Stadt vielleicht mit unserer Drohnen-Luftbrücke", grinst Immobilien-Bergmann.

Alles zum Neumarkt finden Sie auf www.noz.de/ neumarkt
Autor:
Till


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