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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Verkehr fordert zu große Opfer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:

Stadtbild und Verkehr erneut im Gegensatz - Eine Verquickung von Wallanlage und Stadtring gefährdet die städtische Struktur - Eine reinliche Trennung zwischen Verkehr und Wall muß ermöglicht werden

In der letzten Dienstagausgabe unterrichtete das Osnabrücker Tageblatt seine Leser in einem größeren, mit Planskizze versehenen Beitrag über die Pläne der Stadt, die auf dem Ringabschnitt Rolandstraße / Martinistraße dem erhöhten Bedarf des Verkehrs Rechnung tragen und speziell die Stauungen an der Kreuzung Martinistraße ausmerzen sollen. Es ist bekanntlich daran gedacht, auf dem Abschnitt Rolandstraße / Katharinenstraße eine neue, auf 7, 25 Meter verbreiterte Fahrbahn und auf dem Abschnitt Katharinenstraße / Martinistraße eine dreispurige Fahrbahn mit 11 Meter Breite in die Wallanlagen zu legen und die bisherigen Fahrbahnen zu Grünanlagen auszugestalten, die vor der Oberschule für Mädchen eine Breite von 22 Metern erreichen und durch die gleichzeitig der Bürgersteig führt. Der Baubeginn ist auf den 4. August festgesetzt.

Anfang einer Auflösung?

Die örtliche Baubehörde sieht sich auf diesem Abschnitt vor die Notwendigkeit gestellt, den immer mehr zunehmenden Verkehr auf dem Ring und der Kreuzung Martinistraße in Fluß zu halten und ihm Raum zu schaffen. Es muß unbestritten bleiben, daß dieser Plan im Hinblick auf die hier vorliegenden Schwierigkeiten erfolgversprechende Maßnahmen vorsieht. Diese Lösung bot sich geradezu an, wenn man den vorhandenen Raum betrachtet. Aber man hat das Problem im wesentlichen doch vom Technischen her gesehen.
Verkehrsnöte sind vordergründig und ohne weiteres einzusehen. Daher scheint es auf der Hand zu liegen, daß die weiten, nun einmal vorhandenen Grünräume der Wallanlage diesen Verkehrsschwierigkeiten dienstbar gemacht werden könnten. Und doch sind diese Wallanlagen die buchstäblich letzte Substanz des Stadtbildes; eine große Klammer, die in riesigem Bogen vom Haarmannsbrunnen bis zur städtischen Turnhalle reicht und damit die geschichtlich gewachsene Struktur der Stadt lebendig und typisch erhält und den Zusammenhang der Altstadt mit den Mittelpunkten des Domhofs und des Marktplatzes bewahrt, wie berichtet, würde eine Gestaltung des Stadtringes nach dem vorliegenden Plan nach Ansicht des Bauamtes für die nächsten 20 Jahre ausreichen.

Eine Stadt unter Dutzenden?

Es kann heute niemand wissen, was alles in den kommenden 20 Jahren den zahlreichen anderen Belangen einer immer mehr vom Zweck bestimmten Entwicklung noch von der Typik der Stadt geopfert werden müßte. So betrachtet, könnte man diese verkehrstechnisch sicherlich günstige Planung als Einleitung zum Entfall der Wallanlagen betrachten. Ohne diesen großen Bogen der Wälle verliert die Stadt endgültig ihre Struktur. Domhof und Marktplatz bleiben nicht mehr dem engen Raum der Altstadt lebendig verbunden, sondern hängen als museal ausgeklammerte Quartiere in der Luft. Dies würde um so mehr der Fall sein, als die Gassen im Bereich vom Domhof und Marktplatz stark zerstört, im Wiederaufbau völlig verändert und daher städtebildlich nicht mehr geeignet sind, die Verwachsenheit von Domhof und Marktplatz mit der alten Stadt zu dokumentieren. Osnabrück würde unter dem Zwang technisch bedingter Gleichmacherei das Dutzendgesicht jener Städte aufweisen, die einmal zur Ausnutzung vorhandener Kohlen- und Erzlager aus der Erde gestampft wurden und sogar nach 50 Jahren noch Städte ohne Gesicht sind.

Kein Anziehungspunkt mehr

Es ist die Ansicht einer größeren Zahl von Bürgern, als man gemeinhin annimmt, daß es hier nicht nur um die Erhaltung geschichtlicher Merkmale und pietätvoller, städtebaulicher Ästhetik geht, sondern daß Osnabrück mit seiner Eigenart und Besonderheit wertvollstes Gut aufgibt, von dem zu allen Zeiten eine starke Anziehung auf die weiteste Umwelt ausging, die gerade heute in steigendem Fremdenverkehr einen in vielerlei Hinsicht erfreulichen Niederschlag findet, von dem nicht zuletzt die Wirtschaft der Stadt und über die Steuern das Wohl der Bürger profitiert.

Keine Verquickung

Das Bauamt hat - durch verschiedene Artikel im Osnabrücker Tageblatt im Laufe der letzten Jahre auf diese Zusammenhänge aufmerksam gemacht - versucht, ihnen mit dieser Verquickung von Wallanlage und Fahrbahn Rechnung zu tragen. Der vom ausschließlich Technischen ausgehende Generalverkehrsplan hatte sich nämlich für die Einrichtung einer einfachen Kreuzung durch Aufgabe der Wallstücke bis zur Katharinenstraße und bis zum Schnatgang ausgesprochen. In Rücksicht auf die Bedeutung der Wallanlage hat man sich dann wohl zu dieser Lösung entschlossen, die sich als Verquickung zwischen Wall und Fahrbahn darbietet. Aber schon sie verundeutlicht auf diesem für das Stadtbild lebensnotwendigen Abschnitt die Struktur und läßt - einmal fertiggestellt - die völlige Aufgabe der Wallanlage später psychologisch weitaus möglicher erscheinen als heute.
Man muß daher einer reinlichen Trennung von beiden, wie sie sich jetzt noch darbietet, um der Bedeutung der Struktur und des Bildes der Stadt willen das Wort reden. Es muß eine Lösung gefunden werden, die die Umkränzung der Wallanlage auf beiden Seiten mit Verkehrsbahnen beibehält und trotzdem die nötigen Änderungen ins Werk setzt, um die Verkehrsstauungen an der Kreuzung Martinistraße zu beheben und die Fahrbahnen im Hinblick auf den zukünftigen Obusverkehr und eine größere Dichte zu verbreitern. Man könnte ein gradliniges Auslaufen der Fahrbahn vor der Oberschule für Mädchen auf das Anschlußstück nach der Kreuzung Martinistraße wohl nur erreichen, indem das Wallstück abgeschrägt würde.

Nicht nur der Verkehr

Vielleicht wäre dies keine Ideallösung für den Verkehr. Aber es muß noch einmal in dringlicher Warnung darauf hingewiesen werden, daß auch er seine Grenzen findet und nicht in Bereiche übergreifen darf, deren Weiterbestand von eminenter Bedeutung ist.

Es darf keine Gegnerschaft zwischen Verkehr und Stadtbild geben. Aber es müssen die Grenzen eingehalten werden zwischen beiden, weil bei ihrer Überschreitung zugunsten des Verkehrs eine Nivellierung unserer Stadt gefördert würde, die sie sich im Ausblick des großen Aufräumens durch den Bombenkrieg nicht mehr leisten kann. Auch die, die nach uns kommen, wollen in Osnabrück und nicht in einer Stadt vom runden Dutzend leben!


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