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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
Ein passendes Umfeld für die Namenspatin
Zwischenüberschrift:
Im Wohn- und Wissenschaftspark erinnert die Ursula-Flick-Straße an die erste Oberbürgermeisterin
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. " Sie war keine Schönwetter-Oberbürgermeisterin, deshalb hätte sie auch das heutige Wetter nicht gestört", behauptete Oberbürgermeister Wolfgang Griesert kühn, als er bei Sturmgebraus und peitschendem Regen das Schild " Ursula-Flick-Straße" enthüllte. Zuvor hatte er im selten so notwendigen Wetterschutzzelt Leben und Wirken seiner Vor-Vor-Vorgängerin gewürdigt.

Die Ursula-Flick-Straße ist die zentrale Erschließungsachse des entstehenden Wohn- und Wissenschaftsparks auf dem Areal der früheren Scharnhorst-Kaserne nördlich der Sedanstraße. " Hier wird ihr Name mit der Zukunftsfähigkeit Osnabrücks dauerhaft verbunden", sagte Griesert, " denn die Kombination von Innovation und Wissenschaft mit einem attraktiven Wohngebiet entspricht dem, was sich Ursula Flick für Osnabrück gewünscht hat."

Besonders am Herzen habe der CDU-Politikerin die Schaffung von Wohnraum für Familien mit kleinen Kindern und von Arbeitsplätzen für junge Menschen gelegen. Deswegen sei das Umfeld der Ursula-Flick-Straße so passend. Auch die Nachbarschaft mit der Marie-Curie-Straße und der Lise-Meitner-Straße, die bedeutenden Frauen der Zeitgeschichte gewidmet seien, passe zu Ursula Flick. Er dankte den anwesenden Ratsmitgliedern, dass es gelungen sei, Ursula Flick an einem Ort und auf eine Weise zu ehren, die ihrem Wirken entspreche.

Der feierliche Akt fand im Beisein von Kindern und Enkeln des ersten weiblichen Stadtoberhaupts Osnabrücks statt. Auch weitere langjährige Weggefährten wie der damalige Oberstadtdirektor Dierk Meyer-Pries und ihr persönlicher Referent Hartmut Treidel waren gekommen, und nicht zuletzt ihr Nachfolger Hans-Jürgen Fip (SPD). " Er macht ihr jetzt zwangsläufig jeden Tag seine Aufwartung, wenn er von seiner Wohnung hier gegenüber den Westerberg herunterkommt", frotzelte Griesert.

Geografische Anknüpfungspunkte fand auch Sohn Andreas Flick. Kindheit und Jugend habe er in der Königsberger Straße verbracht, nur wenige Hundert Meter entfernt. Später habe die Familie dann in der Sedanstraße gewohnt, also noch näher an der Ursula-Flick-Straße. Thomas und Andreas Flick haben beide auf dem Ratsgymnasium Abitur gemacht. " Da war es naheliegend, die traditionsreiche Schülerkapelle des Ratsgymnasiums zur musikalischen Untermalung dieser Einweihung zu gewinnen", sagte Griesert. Die Kapelle unter Markus Preckwinkel spielte so mitreißend, dass der begeisterte Oberbürgermeister ihr spontan schulfrei für den nächsten Tag versprach. Das konnte er allerdings risikolos tun, denn der nächste Tag war ein Samstag.

Meyer-Pries als Verwaltungschef bildete mit Ursula Flick während ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin (1985 bis 1991) die Doppelspitze. Er erinnerte an den Zeitgeist jener Jahre, der von Glasnost, Perestroika, dem Ende der Ost-West-Konfrontation und schließlich der deutschen Einheit geprägt war. Auf lokaler Ebene habe Flick es verstanden, die von ihrem Vorgänger Carl Möller angeregte Freundschaft zur Hansestadt Greifswald in eine stabile deutsch-deutsche Städtepartnerschaft, die zweite überhaupt, zu überführen. Unter ihrer Ägide seien daneben die Partnerschaften mit Twer (Russland) und Evansville (USA) begründet worden.

Charmant und bürgernah

Bei den von ihr forcierten städtischen Infrastrukturvorhaben rage der Neubau des Klinikums auf dem Finkenhügel heraus, der 1987 gerichtet und 1991 eingeweiht wurde. Meyer-Pries charakterisierte Flick als warmherzig, charmant und ausgesprochen bürgernah, ihren Arbeitsstil als " beharrlich zielorientiert", dabei pragmatisch und kompromissfähig. Ihr " begründet ausgeprägtes Selbstbewusstsein" habe die anfänglich in der noch dominanten Männerwelt empfundene Besonderheit ihrer Rolle als weibliches Stadtoberhaupt bald in eine uneingeschränkte Akzeptanz ihrer politischen Führung gewandelt.
Bildtext:
Bei Sturmgebraus und peitschendem Regen wurde im Wohn- und Wissenschaftspark auf dem früheren Kasernengelände eine Straße nach der früheren Oberbürgermeisterin Ursula Flick benannt.
Foto:
Egmont Seiler

Engagement für Stadt und Land

Am 17. November 1924 in Osnabrück als Ursula Fischer geboren, wurde sie nach Schulzeit und bestandenem Abitur Ende 1943 zum Kriegsdienst als DRK-Krankenschwester in das Wehrmachtslazarett von St. Angela in Haste eingezogen.

Nach dem Krieg begann sie 1947 ein Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Münster, wo sie ihren späteren Mann Fritz Flick kennenlernte. 1949 gingen beide nach Bonn, wo sie ein Jahr später heirateten. Dort gründeten sie 1951 gemeinsam mit einigen Kommilitonen den Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS). Von 1950 bis 1955 war Flick rechte Hand des damaligen Bundestagsabgeordneten und späteren Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger. 1963, nach dem frühen Tod des Ehemanns, kehrte sie in ihr Elternhaus nach Osnabrück zurück. 1968 wurde sie für die CDU in den Stadtrat gewählt. Von April 1985 bis November 1991 war sie ehrenamtliche Oberbürgermeisterin von Osnabrück. Von 1967 bis 1986 vertrat sie ihren Osnabrücker Wahlkreis zusätzlich als Abgeordnete im Niedersächsischen Landtag. Für eine kurze Zeit war sie Präsidentin des Deutschen Städtetages.

1998 verlieh ihr die Stadt die höchste Auszeichnung: die Möser-Medaille. Ursula Flick wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Sie starb 81-jährig 2006 in Celle.
Bildtext:
Ursula Flick
Foto:
Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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