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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Im Bürgerpark gehen die Lichter aus
Zwischenüberschrift:
Stadt: Kein Geld für neue Leuchten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Spaziergänger sind empört: Ausgerechnet in der dunklen Jahreszeit demontieren die Stadtwerke die Straßenleuchten am Senator-Wagner-Weg, der einzigen beleuchteten Wegeverbindung im Bürgerpark. Die alten Quecksilberdampfleuchten gelten als störanfällig und verbrauchen viel Strom, moderne LED-Lampen sind zwar sparsamer, aber teuer in der Anschaffung. Deshalb fiel die Entscheidung für den Rückbau.
Abgeschaltet sind neun Straßenlaternen auf dem Abschnitt zwischen dem Katharina-von-Bora-Haus und der Wittkopstraße. Es ist nicht das erste Mal, dass die Beleuchtung im öffentlichen Raum eingeschränkt wird. Wo immer eine Erneuerung ansteht, wird zunächst geprüft, ob es auch ohne geht. Einige wenig benutzte Wegeabschnitte, die bis vor Kurzem noch illuminiert waren, bleiben inzwischen dunkel, etwa der südliche Hörner Weg in Hellern oder der Weg am Bornheidesee in Schinkel-Ost.
Maßgeblich für den Rückbau sind Kostengründe und der Wille, Energie einzusparen und zugleich den CO 2 - Ausstoß zu senken. Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer verweist auf ein weiteres Argument: Die Stadt fühle sich verpflichtet, der von Astronomen und Biologen beklagten Lichtverschmutzung entgegenzuwirken dem Phänomen, dass als Folge der übermäßigen Beleuchtung selbst am Stadtrand kaum noch die Milchstraße wahrzunehmen ist.
Für den Bürgerpark sieht die Rechnung so aus: Den Austausch der betagten HQL-Leuchten durch LED-Technik veranschlagen die Planer mit 10 000 Euro, zuzüglich jährlicher Unterhaltungskosten von 1250 Euro. Hochgerechnet auf die Lebensdauer von 30 Jahren würde sich bei heutigen Preisen eine Ausgabe von 37 500 Euro ergeben.
Zu dieser Investition mochte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt nicht durchringen, als er im August 2013 eine Entscheidung zu treffen hatte. Dabei warnte die Verwaltung, dass die Verbindung über den Senator-Wagner-Weg " gut frequentiert" sei und viele Nutzer den Verzicht auf eine Beleuchtung als " schmerzliche Einschränkung" empfinden würden.
Trotz dieser Einschränkung sei es vertretbar, die Leuchten zu demontieren, hieß es weiter, denn der Weg habe keine Erschließungsfunktion. Mit anderen Worten: Niemand sei gezwungen, ihn zu benutzen, um ein bestimmtes Haus zu erreichen. Wer zum Katharina-von-Bora-Haus wolle, könne " ohne großen Umweg auch über die beleuchtete Veilchenstraße" dorthin gelangen. Auf den Nutzen der Beleuchtung für nächtliche Spaziergänger ging die Vorlage nicht ein. Wohl aber auf die Kosten für den Rückbau: 3000 Euro soll die Demontage kosten.
Einstimmig schloss sich damals der Ausschuss nach kurzer Diskussion dem Vorschlag der Verwaltung an, das Licht im Bürgerpark auszuknipsen. Hauptmotiv war die schlechte Finanzlage der Stadt. Dass die Leuchten erst 16 Monate nach dem Beschluss verschwinden, begründet Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer auf Anfrage so: Im April dieses Jahres sei der schriftliche Auftrag gekommen, wegen anderer Projekte könnten die Arbeiten aber erst jetzt ausgeführt werden.

Lesen Sie mehr über die Sparzwänge der Stadt und die Straßenbeleuchtung von morgen auf www.noz.de/ os
Bildtext:
Neun Straßenleuchten am Senator-Wagner-Weg werden in diesen Tagen demontiert. Damit bleibt es im Bürgerpark künftig dunkel. Foto:
Swaantje Hehmann

Kommentar
Dunkelheit im Bürgerpark

Muss der Bürgerpark eigentlich nachts beleuchtet werden? Jahrzehntelang hat sich diese Frage nicht gestellt. Es werde Licht, haben die Stadtväter irgendwann einmal beschlossen. Und so geschah es. Aber weil die Stadt klamm ist, stehen jetzt Errungenschaften auf dem Prüfstand, die uns seit Jahrzehnten selbstverständlich erscheinen.

Die Beleuchtungsfrage ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Es geht ums Geld, ums Energiesparen und um das Gefühl von Sicherheit. Für manchen Menschen vielleicht auch um die Freiheit, sich nachts unbehelligt durch einen Park bewegen zu können. Andere mögen sich freuen, dass dem allseits grassierenden Beleuchtungswahn wenigstens an einer Stelle Einhalt geboten wird.

Das alles schwingt mit, wenn Politiker entscheiden über Hell oder Dunkel, im Bürgerpark oder anderswo. Da lässt sich vielleicht noch die eine oder andere Härte abfedern. Aber am Ende steht die Entscheidung unter dem Haushaltsdiktat. Weil es kein Licht gibt am Ende des Tunnels.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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