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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bergmann verkauft nicht an L+T
 
Bergmann lässt L+T abblitzen
Zwischenüberschrift:
Gebäude am Nikolaiort wird nicht verkauft
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Immobilienkaufmann Theodor Bergmann hat L+ T-Chef Mark Rauschen abblitzen lassen. Bergmann verkauft sein Haus Nikolaiort nicht an L+ T. Es ist ihm in letzter Minute gelungen, sein Unternehmen finanziell neu zu ordnen. Ein Verkauf sei nicht mehr nötig.

Osnabrück. Immobilienkaufmann Theodor Bergmann hat gestern in letzter Minute den Verkauf seines Firmensitzes am Nikolaiort vermeiden können. Kaufinteressent Mark Rauschen, Chef des Modehauses L+ T, kommt nicht zum Zuge. Und auch an anderer Stelle meldet Bergmann Fortschritte: am Neumarkt.

Das Osnabrücker Monopoly, über das die NOZ im März und in dieser Woche auch der NDR berichtete, geht damit unspektakulär zu Ende. Theodor Bergmann ist es gelungen, sein Unternehmen finanziell zu konsolidieren und den Zugriff des Modekaufhauses auf den Nikolaiort abzuwehren.

Eine L+ T-Immobiliengesellschaft hatte im vergangenen Jahr die Fühler nach dem Gebäude an diesem zentralen Platz der Stadt ausgestreckt. L+ T-Chef Mark Rauschen machte keinen Hehl aus seinen Absichten, seinem Haus einen direkten Anschluss an den Nikolaiort zu schaffen. Als Theodor Bergmann im vergangenen Jahr geschäftlich in Bedrängnis geriet, bot sich plötzlich eine gute Gelegenheit. Allerdings trat L+ T nicht offen als Kaufinteressent auf, sondern bediente sich einer fremden Gesellschaft, der Zweiten S & W Immobilien GmbH″.

Gesellschafter dieser GmbH ist ein Osnabrücker Amtsrichter, der neben seiner juristischen Tätigkeit im Immobiliengewerbe mitmischt. Die Zweite S & W Immobilien GmbH″ gab im Juli 2013 ein notarielles Kaufangebot für das Bergmann-Geschäftshaus Nikolaiort 1/ 2 ab. Der Kaufpreis von zwölf Millionen Euro musste damals in bar bei einer Bank hinterlegt werden. Die zwölf Millionen kamen zu einem kleineren Teil von L+ T und zum größeren von einem L+ T-Geschäftspartner.

Das notarielle Kaufangebot lief am gestrigen Donnerstag aus. Bergmann steckte in einem Dilemma: Er musste eine andere Finanzierungsmöglichkeit finden oder das Haus an seinen Kontrahenten Rauschen verkaufen.

Das Problem ist gelöst″, teilte Bergmann gestern Nachmittag mit. Er habe mit einem regionalen Kreditinstitut eine Vereinbarung unterzeichnet, die es ermögliche, dass er Eigentümer der Immobilie bleibe. Der Kaufvertrag werde nicht umgesetzt. Bergmann kündigte gestern auch an, das Gespräch mit Rauschen zu suchen, um die Rivalitäten auszuräumen.

Zugleich beendete er die Zusammenarbeit mit dem Amtsrichter. Der hatte Bergmann im vergangenen Jahr dessen Haus am Nikolaiort 5A für 3, 4 Millionen Euro abgekauft aber bis heute nicht die volle Summe bezahlt. Drei Millionen stehen noch aus. Obwohl der Richter Anfang der Woche angekündigt hatte, das Geld zu überweisen, will Bergmann vom Kaufvertrag zurücktreten und das Haus wieder selbst bewirtschaften.

Weder der Richter noch Mark Rauschen waren gestern für Stellungnahmen zu erreichen.

Finale am Neumarkt

Auch am Neumarkt stehen die Zeichen für den Immobilienkaufmann derzeit günstig. Am kommenden Dienstag will der Rat den Bebauungsplan 525 für die Neugestaltung des Platzes final beraten und den Satzungsbeschluss fassen. Damit geht ein jahrelanger Planungsprozess zu Ende. Stimmt der Rat zu, ist damit auch die planerische Grundlage für den Bau eines weiteren Gebäudes auf dem Neumarkt gelegt. Bergmann will es vor dem Neumarkt-Carré (H & M) bauen, dort, wo heute zwei gläserne Pavillons die verwaisten Tunneleingänge überspannen.

Der Bebauungsplan 525 betrifft nur den Platz, nicht das geplante Einkaufszen trum, für das ein eigener, vorhabenbezogener Bebauungsplan (Nummer 600) erarbeitet worden ist.
Bildtext:
Das Haus Nikolaiort 1/ 2 bleibt im Eigentum von Theodor Bergmann. Der Immobilienkaufmann muss nicht an seinen Kontrahenten L+ T verkaufen.
Archivfoto:
Klaus Lindemann

Kommentar
Schädliche Rivalität

Das Monopolyspiel um die Nikolaiort-Immobilien ist nicht leicht zu durchschauen, aber das ist auch nicht so wichtig. Denn das Spiel lässt sich wunderbar personalisieren und auf die Rivalität zweier Männer reduzieren. Hier Theodor Bergmann, der ein starkes Interesse an einer gedeihlichen Entwicklung des Neumarktes hat, wo seine Immobilien unter dem jahrzehntelangen Stillstand leiden. Dort der Modehaus-Chef und ehrbare Kaufmann, der seine Millionen-Investitionen in Gefahr sieht, wenn Bergmanns Pläne am Neumarkt Realität werden. Ein Duell von Ehrenmännern: Öffentlich begegnen sie sich mit Respekt und Anstand, im Verborgenen nutzen sie alle Tricks. So hat Rauschen mit dem Kauf der drei Grundstücke an der Johannisstraße, der den Bau des Einkaufszen trums fast zum Scheitern gebracht hätte, seinem Rivalen einen Stich versetzt , den dieser noch nicht verschmerzt hat.

Es ist für neutrale Beobachter unterhaltsam, für die Stadtentwicklung aber eher unglücklich, wenn sich zwei, die mit ihren Investitionen wichtige Impulse setzen, gegenseitig Steine in den Weg legen. Bergmann sendet Signale, das Gegenei nander beenden zu wollen. Monopoly mit friedlich-schiedlichem Ausgang: langweilig, aber auf jeden Fall besser für Osnabrück.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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