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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Herrscher in zwei Ländern: Regieren war harte Arbeit
Zwischenüberschrift:
1727 stirbt König Georg I. auf der Reise nach Hannover im Osnabrücker Schloss
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Von Schoonhoven bei Rotterdam, wo König Georg I. im Juni 1727 auf der Reise von London nach Hannover an Land ging, bis nach Osnabrück sind es 250 Kilometer. Mit dem Auto braucht man dafür heute zwei Stunden und 30 Minuten, so sagt es das Navi. Damals brauchte die königliche Kavalkade dafür mehrere Tage. Und von der niederländischen Grenze bis nach Osnabrück transportierte die Kutsche einen todkranken Mann: Der 67 Jahre alte König hatte unterwegs einen Schlaganfall erlitten. Am 21. Juni 1727 starb er im fürstbischöflichen Schloss zu Osnabrück.
Als Kurfürst Georg Ludwig von Hannover 1714 zum König von England berufen wurde, hatte das englische Parlament im " Act of Settlement" festgelegt, dass der neue Monarch nur mit Zustimmung eben dieses Parlaments außer Landes reisen dürfe. Zwar wurde diese Bestimmung wenig später aufgehoben, gleichwohl hat Georg I. nach seiner Inthronisierung in London nur noch sechsmal seine niedersächsischen Stammlande besucht. Insgesamt hat er vielleicht drei seiner dreizehn Regierungsjahre während der Personalunion in der Heimat verbracht. Wie sollte da ein absolutistischer Herrscher in Abwesenheit sein Land regieren? Es war harte Arbeit. Für die hannoverschen Geschäfte wurde am Hof in London die " Deutsche Kanzlei" mit eigenen Ministern und Beamten eingerichtet. Deren Schreiber haben die Archive mit Unmengen von Akten gefüllt: Pro Monat wurden etwa 5000 Bogen Schreibpapier verbraucht.
Nun trennte aber nicht nur der Kanal mit allen Schwierigkeiten von Wind und Strömung die britischen Inseln vom Kontinent. Die Kuriere und die (Post-) Kutschen zwischen den beiden Residenzstädten London und Hannover hatten zudem mit den Wegen zu kämpfen. Straßenbau gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein praktisch nicht: Die Bauern und Anwohner hielten die Wege eher nachlässig mit einer Fuhre Sand und Steinen instand. Noch um 1800 berichtet der Senator Gerhard Friedrich Wagner über die Zustände auf den Chausseen vor der Stadt Osnabrück von " grundlosen Straßen", die diesen Namen eigentlich nicht verdienten, so etwa über die Zustände vor dem Johannistor: " Der Weg war an mehreren Stellen unfahrbar; wer nach Melle wollte, brauchte dazu eine Tagereise." Einzig die Ausfallstraße in Richtung Westen war in einem besseren Zustand. Deshalb hieß die Lotter Straße damals auch der " Steinweg", weil sie eben als einzige städtische Ausfallstraße befestigt und gepflastert war. Kutschen leisteten unter den Bedingungen etwa drei Kilometer pro Stunde, vielleicht 30 am Tag das war weniger als ein Reiter oder ein rüstiger Wanderer schaffen konnte.
Gleichwohl brauchten die Briefkuriere der " Deutschen Kanzlei" für die Reise von Hannover nach London nur vier Tage bis zu maximal einer Woche eine Höchstleistung für Ross und Reiter. Zusätzlich wurden " Quartalskuriere" mit teils sechsspännigen Kutschen eingesetzt. Die transportierten nicht nur Aktenpakete, sondern auch Gemüse aus den Herrenhäuser Gärten, sogar Wild und eine begehrte Hagebuttenmarmelade an den Hof in London.
Wenn aber der König selbst auf Reisen in seine Stammlande ging, so war das eine Haupt- und Staatsaktion: Mit dem Schiff die Themse hinab und dann über den Kanal, mit mehreren Kutschen und einer niederländischen Eskorte vorweg auf sandigen Wegen, war man tagelang unterwegs. 1727 traf Georg I. kurz vor Nordhorn noch auf niederländischem Gebiet ein Schlaganfall. Die Leibärzte versuchten ihre Kunst mit den Mitteln der Zeit: Riechsalz, Branntwein, Zugpflaster und wiederholter Aderlass. Schließlich setzte man den Bewusstlosen wieder in die Kutsche und fuhr über Stock und Stein nach Osnabrück, wo sein jüngster Bruder Ernst August II. von Hannover als Fürstbischof regierte. Hier in diesem Schloss, wo er seine Kindheit verbrachte, starb Georg I. Sein Nachfolger Georg II. ließ die Leiche des ungeliebten Vaters in Hannover beisetzen, er selbst blieb der Trauerfeier fern.
Bildtext:
Kindheits- und Sterbeort König Georgs I.: das Schloss Osnabrück.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Frank Henrichvark


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