User Online: 2 | Timeout: 17:19Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Selle fordert vom Land Geld für Inklusion
Zwischenüberschrift:
Kreisrat: Für Integrationshelfer eine halbe Million Euro mehr ausgegeben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Kreisrat des Landkreises Osnabrück Matthias Selle fordert die Kosten der Inklusion vom Land zurück. " Schließlich hat das Land die Einführung der Inklusion verbindlich gesetzlich geregelt und sollte daher auch für sämtliche Kosten der Inklusion aufkommen", sagte Selle in einem Interview mit unserer Zeitung. Allein für die Integrationshelfer habe der Landkreis mehr als eine halbe Million Euro mehr ausgegeben.
Wie hoch sind die Mehrkosten des Landkreises Osnabrück seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention vor fünf Jahren?
Dem Landkreis sind durch die Umsetzung der Inklusion an den kreiseigenen Schulen bis Ende 2013 Kosten in Höhe von insgesamt 188 000 Euro entstanden. Davon wurden rund 15 200 Euro für die sächliche Ausstattung der Schulen ausgegeben. Die Kosten für bauliche Maßnahmen belaufen sich auf circa 172 800 Euro. Für Integrationshelfer im Bereich des Fachdienstes Soziales haben wir Ende 2013 gegenüber 2010 circa eine halbe Million Euro mehr ausgegeben. Im Bereich des Fachdienstes Jugend werden voraussichtlich seit Einführung der inklusiven Schule im Jahr 2012 84 000 Euro in diesem Jahr für seelisch behinderte Kinder mehr ausgegeben.
Was hat sich seither in den Schulen getan, um ihnen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen?
Je nach Bedarf der inklusiv beschulten Kinder wurden die Schulen entsprechend akustisch ausgestattet und Aufzüge eingebaut. Des Weiteren wurden spezielle Fördermaterialien wie zum Beispiel eine Soundfieldanlage beschafft und ein Differenzierungsraum eingerichtet.
Fordern Sie die Mehrkosten vom Land zurück? Wenn ja, warum?
Der Niedersächsische Landkreistag hat sich bereits mehrfach dafür eingesetzt, dass die Kosten der Inklusion vom Land Niedersachsen übernommen werden. Die Kommunen hätten nach Ansicht des Niedersächsischen Landkreistages gegenüber dem Land einen Konnexitätsanspruch, denn schließlich hat das Land die Einführung der Inklusion verbindlich gesetzlich geregelt und sollte daher auch für sämtliche Kosten der Inklusion aufkommen. Der Landkreis Osnabrück teilt die Auffassung des Landkreistages und wartet das weitere Vorgehen und eine eventuelle kommunale Verfassungsklage ab. Die kommunalen Spitzenverbände prüfen zurzeit, ob eine Klage gegenüber dem Land Aussicht auf Erfolg hat. Das Ergebnis warten wir zunächst ab.
Im vergangenen Jahr ist die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen ausgelaufen. Welche Probleme sind dadurch in diesem Schuljahr entstanden?
Die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen laufen zunächst nur im Primarbereich sukzessive aus. Das heißt, zum August 2013 sind an den Förderschulen Lernen keine ersten Klassen eingerichtet worden. Zum August 2014 wird es dann keine zweiten Klassen mehr geben und so weiter. Der Sekundarbereich der Förderschulen Lernen läuft nach derzeitiger Gesetzeslage (noch) nicht aus. Nach Information der Schulleitungen der sieben kreiseigenen Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen ergeben sich dadurch Probleme, dass ein Großteil der Lehrkräfte im Rahmen der Mobilen Dienste an die Regelschulen abgeordnet ist. Durch die häufige Abwesenheit der Lehrkräfte an den Förderschulen wird dort der Unterricht erschwert. Infolgedessen wird vermehrt die Schulsozialarbeit in Anspruch genommen.
Welche Förderschulen laufen nach dem Stufenplan wann aus?
Es gibt insgesamt sieben Förderschwerpunkte: Lernen, Sprache, Emotionale und Soziale Entwicklung, Geistige Entwicklung, Körperliche und Motorische Entwicklung, Hören und Sehen. Geplant ist, dass die Förderschulen Lernen beginnend ab August 2015 auch im Sekundarbereich jahrgangsweise aufgelöst werden. Ebenfalls sollen die Förderschulen Sprache beginnend ab dem 1. August 2015 jahrgangsweise auslaufen, allerdings sollen die Sprachheilklassen als Basis für die Weiterentwicklung im Förderbereich Sprache erhalten bleiben. Die Förderschulen mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sollen sich deutlicher als Durchgangsschule mit dem Auftrag der Rückführung in die allgemeine Schule profilieren. Die Förderschulen mit den Schwerpunkten geistige Entwicklung, körperlich-motorische Entwicklung, Hören und Sehen sollen erhalten bleiben.
Welche Gruppe der Behinderten macht den größten Anteil aus? Die seelisch, geistig oder körperlich Behinderten?
Zum Jahresende 2011 lebten in Deutschland 7, 3 Millionen schwerbehinderte Menschen, somit 8, 9 Prozent der gesamten Bevölkerung in Deutschland. Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf, daher waren nur zwei Prozent der Behinderten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. 62 Prozent der schwerbehinderten Menschen hatten körperliche Behinderungen. In 5 Prozent der Fälle lag Blindheit beziehungsweise Sehbehinderung vor. 4 Prozent litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Auf geistige oder seelische Behinderungen entfielen zusammen elf Prozent der Fälle.
Im Schuljahr 2012/ 2013 wurden folgende Kinder mit seelischen (Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung), geistigen und körperlichen Behinderungen aus dem Landkreis Osnabrück an Förderschulen beschult: Aus dem Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung 166 Kinder, aus dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung 298 Kinder und aus dem Förderschwerpunkt Körperliche und Motorische Entwicklung 172 Kinder. Viele Kinder mit seelischen Behinderungen (Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung) werden jedoch bereits an den Regelschulen unterrichtet, sodass deren Anzahl mit festgestelltem Förderbedarf tatsächlich höher ist. Insgesamt sind es 36 Prozent geistig, 36 Prozent körperbehinderte und 28 Prozent seelisch behinderte Kinder.
Bildtexte:
Inklusion kostet Geld. Die Mehrkosten fordert der Landkreis nun von der Landesregierung.
Kreisrat Matthias Selle stellt Forderungen.
Foto:
dpa, Landkreis
Autor:
Jean-Charles Fays


Anfang der Liste Ende der Liste