User Online: 2 | Timeout: 17:44Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Großer Ärger um die Stadthalle
 
Osnabrückhalle: Generalplaner ausgebootet?
Zwischenüberschrift:
Streit um Sanierung – Projektabwickler W+P sieht durch die Stadt seinen Ruf beschädigt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Um die Sanierung der Osnabrücker Stadthalle bahnt sich großer Ärger an. Stadt und Generalplaner streiten sich um die Qualität des Umbaus und die Ursachen für steigende Kosten bei dem Millionenprojekt.

Osnabrück. Riesenärger um die Sanierung der Osnabrückhalle: Offenbar seit Monaten streiten sich Stadt als Auftraggeberin und Generalplaner W+ P (Stuttgart/ Essen) hinter den Kulissen über die Qualität des Umbaus und Ursachen für steigende Kosten. Sogar die Fortsetzung der Zusammenarbeit steht dabei auf dem Spiel. Denn die Bauherrin, so scheint es, möchte den Projektabwickler lieber heute als morgen loswerden. W+ P jedoch ist sich keiner Schuld bewusst und bemängelt seinerseits ein geschäftsschädigendes Verhalten der Stadt.

Spätestens seit Freitag ist dieser Konflikt jedenfalls keine geheime Verschlusssache mehr: Aus Sorge um den Ruf der Firma W+ P und ihres Mutterkonzerns Wolff Gruppe nahmen die Geschäftsführer begleitet vom Syndikus in aller Öffentlichkeit Stellung zu Vorwürfen von Kämmerer Thomas Fillep, die zwei Tage zuvor in einem Bericht der Neuen OZ über die Verschiebung der Hallen-Fertigstellung auf das Jahr 2016 laut geworden waren.

Dabei ließ sich W+ P auch nicht von einer tags zuvor durch die Osnabrücker Beteiligungsgesellschaft OBG angedrohten fristlosen Kündigung beirren, mit der nach Angaben von Unternehmensgruppen-Chef Klaus Wolff die Stadt das Pressegespräch im Hotel Hohenzollern zu verhindern versucht habe. Eine " Verschwiegenheitsklausel", auf die sich die von Fillep geführte OBG dabei berufe, habe diese längst selbst verletzt, als sie im Dezember 2013 " am Vertragspartner vorbei" eine von W+ P erarbeitete Kostenaufstellung und - prognose samt Zeitschiene in eine Ratsvorlage schrieb.

Härter und laut Wolff " völlig überraschend" traf den derzeitigen Generalplaner jedoch ein Schreiben vom 14. Januar 2014, in dem die OBG lapidar mitgeteilt habe, dass W+ P " für die Umsetzung des zweiten Sanierungsabschnittes nicht berücksichtigt werde und die OBG sich stattdessen für ein anderes Realisierungsmodell entschieden" habe. Mit anderen Worten: W+ P, das bereits für den erfolgreichen Neu- und Umbau bekannter Kulturbauten wie Museum Folkwang (Essen), Konzerthaus Bochum und Philharmonie Essen verantwortlich zeichnete, wird nach Ansicht der Konzernspitze von langer Hand vorbereitet aus dem Projekt " Modernisierung der Osnabrückhalle" ausgebootet.

Klaus Wolff zeigte sich entsetzt: " Das ist mir in 30 Jahren als Unternehmer noch nicht passiert." W+ P habe sich nichts vorzuwerfen, im Gegenteil: Seine Firma sei unter Hinweis aller Folgen auch für das Budget stets jedem Wunsch gerecht geworden, den der Auftraggeber selbst nach Abschluss des Vertrages im Mai 2012 geäußert habe. Auch unter dem besonderen Zeitdruck, der angesichts eines nahenden Besuchs des Bundespräsidenten auf der Baustelle geherrscht habe, seien im ersten Bauabschnitt von März bis Oktober 2013 Arbeiten realisiert worden, die zum Teil erst viel später vorgesehen waren. " Wir mussten unsere Planung permanent ändern", sagte Wolff. Zudem hätten seine Leute mit " unvorhergesehenen Problemen" wie unvollständigen, sogar falschen Bestands- und Revisionsplänen der Halle gekämpft.

Man könne Fehler eben nicht nur bei anderen suchen, erklärte der Konzernleiter, der in dieser Auseinandersetzung " Fairness, Sachlichkeit und Transparenz" vermisst und der OBG bei der Klärung der Sachverhalte eine Blockadehaltung vorwirft. Das Verhalten der Stadt sei " geschäftsschädigend für die gesamte Unternehmensgruppe", so Wolff. " Wir werden uns aber nicht in Misskredit bringen lassen und dafür jeden Weg gehen."

Als Erster könnte Thomas Fillep das zu spüren bekommen: Gegen ihn will W+ P nun juristische Schritte " wegen rufschädigenden Verhaltens" einleiten.
Bildtext:
Unvollendet: Ob der derzeitige Generalplaner W+ P die Sanierung der Osnabrückhalle im Auftrag der OBG fortführt, ist angesichts eines eskalierenden Vertragsstreits mehr als unwahrscheinlich. Klaus Wolff (kl. Bild), geschäftsführender Gesellschafter des Mutterkonzerns Wolff Gruppe, ist entsetzt über das Verhalten der Stadt.
Fotos:
Klaus Lindemann, Elvira Parton

Kommentar
Unverlässlicher Partner

Die Osnabrückhalle wird einmal fertig sicher ein Juwel. Doch zu welchem Preis? Die offene Schlammschlacht um die Sanierung, die sich die städtische Beteiligungsgesellschaft OBG als Auftraggeberin und der General planer W+ P gerade liefern, kommt alle Beteiligten teuer zu stehen. Und mehr noch als das Portemonnaie leidet der Ruf. Der aber ist im Zweifel mehr wert als schnöder Mammon: für den Betreiber der Halle wie für den Planer. Ein Ruhmesblatt ist und wird das Millionenprojekt deshalb wohl für niemanden mehr.

Bereits bei ihrer gerade erst publik gewordenen Entscheidung, die Fertigstellung um ein Jahr zu vertagen, hat die Stadt andere private Projektbeteiligte wie die Erbauer des benachbarten Hotels übergangen und sich als unverlässlicher Partner erwiesen. Und nach Einvernehmlichkeit sieht es im Konflikt mit W+ P auch nicht aus. Die Generalplaner sind sogar der Ansicht, die OBG habe den Rat im Dezember vor dessen Beschluss über den zweiten Bauabschnitt nicht wahrheitsgetreu informiert auch mit dem Ziel, W+ P loszuwerden. Eine Gelegenheit zur Aufklärung wurde am Freitag verpasst: Ratsmitglieder, die laut W+ P zum Pressegespräch eingeladen waren, blieben diesem geschlossen fern und auch OBG-Chef Fillep fehlte.
Autor:
Sebastian Stricker


Anfang der Liste Ende der Liste