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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klinikum will mit Parkplatz Geld verdienen
 
Klinikum erhöht Parkgebühren drastisch
Zwischenüberschrift:
Angehörige fühlen sich nicht ausreichend informiert – Parkplatz als Geldquelle
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Das städtische Klinikum hat die Gebühren für das Parken am Finkenhügel drastisch erhöht. Eine Stunde Parkzeit kostet jetzt 1, 50 Euro und damit so viel wie in den innerstädtischen Parkhäusern. Bislang verlangte das Klinikum für die ersten beiden Stunden einen Euro. Der Tageshöchstsatz wurde von fünf auf zehn Euro verdoppelt. Hintergrund der Gebührenerhöhung ist die schlechte Finanzlage des Krankenhauses. Bislang reichten die Parkeinnahmen, um die Kosten zu decken. In Zukunft will Sanierer Frans Blok aus dem Parkgeschäft Gewinne für das Klinikum erwirtschaften. Krankenhaus-Besucher kritisieren, dass über die Erhöhung zu spät und unzureichend informiert worden sei. Auch über Rabatte für Langzeitbesucher habe es keine Info gegeben.
Osnabrück. Das Klinikum Osnabrück hat die Gebühren für seine Parkplätze erhöht. Der Tageshöchstsatz wurde von fünf auf zehn Euro verdoppelt, die Gebühr für die ersten beiden Stunden verdreifacht. Angehörige von Patienten sind sauer. Auch auf die Informationspolitik des Krankenhauses.

Larissa Lührmann besucht jeden Tag ihren Vater, der nach einem Schlaganfall im Klinikum Osnabrück liegt. Vier Wochen lang zahlte die 41-jährige Hagenerin für den Parkplatz des Krankenhauses einen Euro für die ersten beiden Stunden und einen Euro für jede weitere, so wie ihre 70-jährige Mutter Christel Lührmann. " Letzte Woche kam meine Mutter eines Abends nach Hause und sagte: Ich bin vom Glauben abgefallen", berichtet die Tochter. Beim Bezahlen am Parkautomaten musste sie plötzlich viel mehr bezahlen. 1, 50 Euro kostet jetzt jede Stunde auf dem Parkplatz am Finkenhügel. Der Tagessatz hatte sich von fünf auf zehn Euro verdoppelt.

Auch der Zimmernachbar des Vaters bekommt regelmäßig Besuch von seiner Frau: Marlies Thediek hat sich mit den Lührmanns zusammengeschlossen und protestiert gegen die Erhöhung: " Wie soll man das als Rentner bezahlen? Das ist erschreckend." Die 66-Jährige fährt jeden Tag von Fürstenau nach Osnabrück, bleibt viele Stunden bei ihrem Mann. Da kämen schon mal 70 Euro in der Woche zusammen, sagt Thediek. " Das sind hohe Kosten wo man doch schon so großes Leid hat."

Erst auf Anfrage bei der Klinikverwaltung, so berichten es die drei, hätten sie von einem Langzeitticket erfahren. Das kostet 25 Euro für jeden angefangenen Monat. Allerdings pro Person, plus Pfand. Und erst, wenn ein Patient länger als zehn Tage im Krankenhaus ist. Lediglich bei Frühchen ist es ab dem ersten Tag erhältlich. " Und es gibt kein Familienticket, mit dem man sich abwechseln kann", kritisiert Marlies Thediek.

Silvia Kerst, Sprecherin des Klinikums Osnabrück, teilt mit, dass bei der Neuaufnahme jedes Patienten über das Dauerticket informiert werde. Familie Lührmann kann sich an eine solche Information nicht erinnern. Auch die Thedieks wissen erst seit Kurzem davon. An den Parkscheinautomaten gibt es keinen Hinweis auf die Dauerkarte.

Das Klinikum informierte am Donnerstag in einer Pressemitteilung über die Gebührenanpassung und legte dar, dass die Preise seit 2007 nicht erhöht worden seien. Bisher sei der Betrieb kostendeckend gelaufen. " Wir hoffen allerdings, dass wir künftig Einnahmen aus den Parkplätzen erzielen. Wir sind darauf angewiesen, uns bei der Sanierung des Klinikums neue Einnahmequellen zu erschließen", lässt sich Geschäftsführer Frans Blok zitieren.

Angesichts der deutlichen Preiserhöhung bemängeln die drei Frauen auch den Zustand der Wege zu den Parkplätzen. Sie beschreiben, dass sie sich dort vor allem abends unsicher fühlten. Es gebe viele " Stolperfallen", zum Beispiel Löcher im asphaltierten Weg zum Haupteingang. Die Beleuchtung sei schwach. Klinikum-Sprecherin Silvia Kerst zeigt sich überrascht von dieser Kritik: " Das ist das erste Mal, dass ich davon höre." Sie wolle es aber prüfen.

Einen Tipp für günstigeres Parken haben die drei Frauen noch: Wer in der Apotheke am Klinikum einkauft, bekommt Rabatt aufs Ticket. Die Mitarbeiterinnen dort haben von den neuen Gebühren am Donnerstagnachmittag zwar noch nichts gehört. Sie bestätigen aber: Wer hier für mindestens fünf Euro einkauft, muss die ersten beiden Stunden auf dem Parkplatz nicht bezahlen.
Bildtext:
Kritisieren die plötzliche Erhöhung der Parkgebühren am Klinikum (von links): Larissa Lührmann, ihre Mutter Christel und Marlies Thediek.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Versäumnis

Dass sich nun ausgerechnet Angehörige von Schlaganfallpatienten zu Parkgebühren zu Wort melden, zeigt, wie wenig das Klinikum aus seiner Kommunikationspanne vor zwei Monaten gelernt hat. Diese Menschen haben eigentlich andere Sorgen.

Im Oktober hatten sich die Mitarbeiter des krisengeplagten Krankenhauses über Edel-Sofas im Foyer gewundert. Der Klinik-Chef klärte auf: Die neue Patienten-Lounge soll dafür sorgen, dass Untersuchungszimmer effektiver genutzt werden können.

Nun hat das Klinikum eine Erhöhung der Parkgebühren beschlossen und Patienten wie Angehörige erfuhren davon am Automaten. Eine Pressemitteilung verschickte das Unternehmen erst Tage später. Zwar liegen die Preise im städtischen Durchschnitt, aber für viele Angehörige, die über mehrere Wochen viele Stunden im Klinikum verbringen, sind sie zu teuer. Hilfreich wäre da ein Hinweis auf das Dauerpark ticket direkt am Parkautomaten.
Autor:
Stefanie Witte


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