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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ärger um Flugblätter beim VfL-Spiel
 
Westumgehung: Falsche Fakten für VfL-Fans
 
Streit um 1835 Meter Asphalt
Zwischenüberschrift:
Flugblätter am Stadion verteilt – Griesert: Inhalt ist hanebüchen
 
Faktensammlung zur Entlastungsstraße West/Westumgehung
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Streit um die Entlastungsstraße West/ Westumgehung treibt neue seltsame Blüten. Am Samstag wurden beim letzten Heimspiel des VfL Osnabrück Flugblätter verteilt, die mit irreführenden Angaben für ein Nein bei der Bürgerbefragung über den Bau der Straße warben. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert äußerte sich verärgert über die falschen Darstellungen und nannte den Inhalt " hanebüchen". Die Verwaltung sei zurzeit dabei, alle Flyer, die zur Bürgerbefragung im Umlauf sind, einem Faktencheck zu unterziehen. Alle wichtigen Fakten zur Entlastungsstraße West/ Westumgehung präsentiert die NOZ heute zum Auftakt einer Serie über das Straßenprojekt am Westerberg und die Bürgerbefragung. Am 25. Mai entscheiden die Osnabrücker, ob die Straße gebaut werden soll.

Osnabrück. Beim letzten Heimspiel des VfL Osnabrück sind am Samstag Flugblätter verteilt worden, die sich mit irreführenden Angaben gegen die geplante Westumgehung/ Entlastungsstraße West wenden. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bezeichnete den Inhalt der Handzettel am Sonntag als " hanebüchen".
Wer die Flugblattaktion initiiert hatte, ist unklar. Urheber werden auf den Zetteln nicht genannt. Verteiler gaben an, das sei ihre persönliche Meinung.
" Unser VfL. Unser Verein", so ist der Zettel überschrieben. Es wird behauptet, die Stadt streiche Mittel für den VfL, während sie zugleich eine Westumgehung für 20 Millionen Euro bauen wolle. Zitiert werden Berichte aus der NOZ. " Kein Geld für den VfL", hieß es in der Tat am 10. April in der NOZ. Dabei handelte es sich nicht um einen Ratsbeschluss, sondern um einen Vorschlag aus dem Bürgerhaushalt. Die Stadt hält an ihrem Sanierungsfahrplan fest, darüber hinaus ist keine weitere Förderung vorgesehen. Mittel werden nicht gekappt. Auch die zweite Behauptung, das Fanprojekt stehe aus finanziellen Gründen auf der Kippe, ist falsch: Die Finanzierung ist gesichert, wie die NOZ am 28. März auch berichtete.
OB Griesert äußerte sich am Sonntag verärgert über die falschen Darstellungen. Die Flugblattaktion sei " völlig daneben", der Inhalt " hanebüchen". Die Straße werde nicht 20 Millionen Euro, sondern 6, 6 Millionen kosten. Die Verwaltung unterziehe zurzeit alle Flyer, die zum Thema Bürgerbefragung verteilt worden sind, einem Faktencheck. Griesert: " Es muss aufhören, dass mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht wird."

Osnabrück. Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt entscheiden die Bürger direkt über ein Bauprojekt. " Soll die Entlastungsstraße West/ Westumgehung gebaut und sollen die dafür erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden?" Ja oder nein: Am 25. Mai sind 120 000 Osnabrücker zur Abstimmung aufgerufen. Hier die grundlegenden Fakten.

Warum soll eine Straße gebaut werden? Schon der Generalverkehrsplan der Stadt von 1956 beinhaltet eine Umgehungsstraße zur Entlastung des westlichen Stadtteils und als Verbindung zwischen Natruper Straße und Rheiner Landstraße. Als Fortführung der Vehrter Landstraße/ Römereschstraße bildet sie einen äußeren Stadtring. Die Ingenieurgemeinschaft Schnüll, Haller und Partner (Hannover) untersuchte 2003 und 2009 im Auftrag der Stadt die Wirkung der Straße. Das Ergebnis: Die verkehrliche Bedeutung der Entlastungsstraße West ergebe sich " aus der Verkehrserzeugung des Stadtteils Westerberg" und der Verkehrsbeziehungen zwischen den Stadtteilen im Westen der Stadt. " Die verkehrliche Bedeutung ergibt sich nicht aus städtischen Durchgangsverkehren oder gar überörtlichen Durchgangsverkehren", heißt es in Zusammenfassungen der Stadtverwaltung. Alternativen zur Entlastungsstraße West, etwa der Ausbau der Straße zum Flugplatz, " seien verkehrlich erheblich wirkungsärmer", so die Experten. Diese Beurteilung hat Eingang in den vom Rat verabschiedeten Masterplan Mobilität gefunden, der die Grundlage für die Verkehrsplanung in der Stadt bildet.

Wie viele Autos werden über die Straße rollen? Die Gutachter prognostizieren für das Jahr 2025 abschnittsweise zwischen 13 400 und 16 500 Fahrzeuge auf der Entlastungsstraße. Die höchste Belastung liegt auf dem Mittelteil (Sedanstraße bis Parkhotel). Das entspricht der Belastung der Rheiner Landstraße heute. Zum Vergleich: Auf dem Wall rollen täglich 40 000 Fahrzeuge, auf der Martinistraße 20 000. Im Masterplan Mobilität steht: " In der Gesamtbetrachtung des Stadtteils Westerberg wird allerdings durch die neue Straße mehr Verkehr als heute in den Bereich gelenkt. Die Summe der den Grünzug Edinghäuser Weg– Carl-Cromme-Weg kreuzenden Fahrzeuge erhöht sich um etwa 50 Prozent." Entlang der geplanten Trasse leben 150 Menschen, 1700 Anwohner anderer Straßen werden zusätzlich belastet.

Wie viele Lastwagen sind zu erwarten? Im Masterplan Mobilität wird ein Lkw-Anteil von fünf Prozent angenommen. Zum Vergleich: Die Bremer Straße hat einen Anteil von 4, 7 Prozent, die Mindener von 5, 5, die Sutthauser Straße von 4, 5. Bei angenommenen 16 700 Fahrzeugen wären das 825 Lastwagen pro Tag. Die neue Nutzung der ehemaligen Militärflächen ist dabei eingerechnet. Andere Lkw-Zahlen liegen der Lärmberechnung zugrunde: Die geht von 950 bis 1200 Lkw pro Tag aus wobei hier Fahrzeuge über 2, 8 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht als Lkw eingestuft werden. Dazu gehören dann auch besonders große Personenwagen (zum Beispiel Audi Q7: 2, 9 Tonnen). SPD und CDU haben sich für ein Nachtfahrverbot für Lastwagen ausgesprochen. Bei einem generellen Lkw-Verbot wäre die Straße nicht förderfähig, die Stadt müsste also alles allein bezahlen.

Wie teuer wird die Straße? Die Kosten für den 1835 Meter langen Abschnitt (der Gegenstand der Bürgerbefragung ist) schätzt der Fachbereich Städtebau auf 6, 61 Millionen Euro. Die genaue Summe sei erst nach Abschluss der Ausschreibungen zu beziffern, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Der schon beschlossene nördliche Teil kostet etwa 3, 24 Millionen. Eine Förderung aus Bundes- und Landesmitteln ist bis maximal 75 Prozent der Baukosten möglich. Wie hoch die Förderung tatsächlich wäre, ist unklar. Das hängt auch davon ab, ob Lkw ausgesperrt werden.

Wer wird durch die Straße entlastet? In erster Linie die etwa 760 Anwohner von Mozartstraße, Lieneschweg, Händelstraße, Gluckstraße. Die Verkehrsmenge (Prognose 2025: 9300 Fahrzeuge täglich) würde sich laut Gutachten mehr als halbieren. Ähnlich wäre die Wirkung für die Straße " Am Natruper Holz". Das setzt voraus, dass die Verbindungen nach dem Bau der Entlastungsstraße gesperrt werden. Der Straßenzug Caprivistraße/ Albrecht straße würde um zehn Prozent entlastet. Der Verkehr auf der Lotter Straße wird dem Gutachten zufolge um 20 Prozent, der auf dem nordwestlichen Wallring und Hansastraße jeweils um zehn Prozent sinken. 7200 Menschen profitieren von den Verkehrsreduzierungen vor ihren Fenstern.

Wie soll die Straße aussehen? Geplant ist eine zweispurige Straße mit einer Breite von 6, 50 Metern. So breit ist der erste Abschnitt der Lotter Straße zwischen Bergstraße und Kirchenkamp. Die Albrechtstraße ist auf Höhe des Campus ebenfalls 6, 50 Meter breit, nach unten hin wird sie breiter. Rechts und links sind an der Entlastungsstraße je zwei 2, 50 Meter breite Grünstreifen mit Bäumen vorgesehen. Einseitig ist ein drei Meter breiter Rad- und Gehweg geplant. Erlaubt ist Tempo 50.

Wie sieht der Lärmschutz aus? Auf dem Abschnitt zwischen den früheren Britensiedlungen wird es Lärmschutzwälle oder - mauern geben, die zwischen zwei und 3, 50 Meter hoch sein müssen. Das Wohngebiet Voßkamp erhält eine vier Meter hohe Lärmschutzwand. Wohnungen in den Dachgeschossen müssen dort mit Schallschutzfenstern ausgerüstet werden. Diesen passiven Lärmschutz gibt es auch für die Hochhäuser an der Mozartstraße und für Häuser an der Rheiner Landstraße. Die Kosten trägt die Stadt. Die Lärmbelastungen bleiben nach Angaben der Stadt damit unter den Grenzwerten.

Wo werden Kreuzungen und Übergänge entstehen? D ie Straße spielt laut Gutachten " eine nur geringe Rolle" für den gesamtstädtischen oder überörtlichen Durchgangsverkehr. Sie muss vor allem den Verkehr aus dem Stadtteil Westerberg und zwischen Hafen und Hellern aufnehmen. Deshalb erhält sie am Parkhotel und an der Sedanstraße Knotenpunkte, die als Kreisel ausgebaut werden sollen. Der Kreisel am Parkhotel hat einen Durchmesser von 35 Metern. An mehreren Stellen sind Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen.

Welche Folgen ergeben sich für die Autobahnauffahrt Hellern und die Straße An der Blankenburg? In einer Verkehrsuntersuchung kommt die Planungsgesellschaft Logos zu dem Schluss, dass der Verkehr an den Knoten An der Blankenburg/ Rheiner Landstraße und A-30-Anschluss Hellern durch eine neue Ampelsteuerung beherrschbar bleibt.

Welche Folgen hat die Straße für Natur und Umwelt? Das Büro Dense und Lorenz " für angewandte Ökologie und Landschaftsplanung" legte im Mai 2013 eine umfangreiche Studie über die ökologischen Wirkungen der Entlastungsstraße vor, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Schwerwiegend wirken nach Expertenansicht die Zerschneidung der Landschaft und die " visuellen Störungen". Erholungsflächen gehen verloren. Der grüne Finger wird unterbrochen und die grüne Linie vom Westerberg durch das Heger Holz zum Rubbenbruchsee gestört. Die " Frisch- und Kaltluftleitbahnen" werden durch die Zerschneidung aber nicht beeinträchtigt. Ingesamt werden 35 600 Quadratmeter Fläche überbaut, davon sind 60 Prozent Ackerfläche oder schon heute durch Straßen, Parkplätze versiegelt. Sehr wertvolle Biotope, die in der fünfstufigen Werteskala die " Wertstufe V" erhielten, gibt es entlang der Trasse nicht. Besonders geschützte Tierarten sind nicht bedroht. Zu 60 Prozent sind Biotope der Wertstufe I (" geringe Bedeutung") betroffen, je 15 Prozent gehören zu den Wertstufen II und III (" allgemeine Bedeutung"), 10 Prozent sind " von besonderer Bedeutung" (Wertstufe IV).

Was ist mit dem nördlichen Abschnitt? In der Bürgerbefragung geht es nur um den 1, 8 Kilometer langen Abschnitt von der Rheiner Landstraße, am Klinikum vorbei bis zur Sedanstraße. Der 625 Meter lange Teil, der zwischen Paracelsus-Klinik und der ehemaligen Kaserne verläuft und an der Natruper Straße endet, ist bereits vom Rat (mit den Stimmen von Grünen und FDP) beschlossen. Dieses Teilstück dient der Erschließung des Wohn- und Wissenschaftsparks. Die Kosten: 3, 24 Millionen Euro. Wie diese Straße aussehen wird, ist noch nicht entschieden.

Warum der Doppelname Entlastungsstraße West/ Westumgehung? Der Begriff Westumgehung stammt aus einer Zeit, als noch eine vierspurige Schnellstraße ohne Knotenpunkte (sogar teilweise im Tunnel) angedacht war. Als die Stadt 2009 davon Abstand nahm und auf eine zweispurige Stadtstraße umschwenkte, signalisierte sie das auch im Namen: Entlastungsstraße West. Dieser Name wird von den Befürwortern benutzt, die Gegner bleiben bei Westumgehung. Der Namensstreit beschäftigte auch den Stadtrat: Auf Antrag der Grünen wurde beschlossen, dass bei der Bürgerbefragung am 25. Mai beide Begriffe auf dem Stimmzettel stehen.

Wie ist die Stimmungslage? In der bislang einzigen repräsentativen Umfrage zur Weststraße, die die Neue Osnabrücker Zeitung im August 2013 durchführte, sprachen sich 48, 6 Prozent für die Straße aus, 47, 6 Prozent dagegen. Das Interesse an dem Thema war aber überschaubar: Nur 26, 8 Prozent sagten, dass sie die Debatte " sehr intensiv" oder " eher intensiv" verfolgten.

Wo gibt es weitere Informationen? Homepage der Stadt (www.osnabrueck.de), Themenseite der NOZ (www.noz.de), Ratsinformationssystem der Stadt (https:// ris.osnabrueck.de). Unterschiedliche Bewertungen dazu auf den Internetseiten der Bürgerinitiativen " Stopp Westumgehung" und " ProWest". Info-Telefon der Stadt unter 0541/ 323-49 09 (dienstags 10 bis 12 Uhr und donnerstags 15 bis 17 Uhr). Informationsveranstaltung von Stadt und NOZ am Dienstag, 13. Mai, 18 Uhr, Osnabrückhalle.
Bildtext:
Der Verlauf der Entlastungsstraße West/ Westumgehung. Nur der rote 1835 Meter lange Abschnitt ist Gegenstand der Bürgerbefragung am 25. Mai. Der gelbe Nordteil ist bereits beschossen.
Luftbild:
Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung LGLN
Grafic:
Mathias Michael
Autor:
hin


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