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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Flieger begeistert die Nation
Zwischenüberschrift:
April 1914: Schinkel gehört fortan zu Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Am 1. April wird Schinkel ein Teil Osnabrücks. Oberbürgermeister Julius Rißmüller erklärt im Friedenssaal des Rathauses vor Vertretern beider Gemeinderäte: " Die Eingemeindung ist das notwendige und naturgemäße Ergebnis der Entwicklung der letzten Jahre. Immer enger hatten sich die wirtschaftlichen Beziehungen gestaltet, immer zahlreicher wurden die gemeinsamen Interessen, bis auch die Landgemeinde Schinkel sich davon überzeugte, dass es zweckmäßig sei, der Verbindung der wirtschaftlichen Interessen auch die kommunalpolitischen hinzuzufügen."

Mit dem 1. April wird die Land-Gendarmerie abgezogen und die städtische Polizei übernimmt das bisherige Gemeindehaus Schinkel an der Tannenburgstraße 119. Das " Osnabrücker Tageblatt" stattet den Leiter des neu gebildeten dritten Polizeireviers, Kommissar Hillmann, mit großen Vorschusslorbeeren aus. Vor dem Übergang habe es unendlich viel zu regeln gegeben. Die Personenstandsaufnahme sei rechtzeitig abgeschlossen, die Namen aller Neubürger eingetragen. Ab sofort können alle Meldeangelegenheiten im neuen Kommissariat erledigt werden. " Kommissar Hillmann und seine vier Beamten werden den neuen Bürgern der Stadt neben dem bisherigen Gemeindevorsteher Hafkemeyer gute Berater in allen Angelegenheiten sein", verspricht die Zeitung.

Weil in Preußen alles seine Ordnung haben muss, begrüßen die Osnabrücker Tageszeitungen die Neubürger mit einer Sonderbeilage voller städtischer Polizeiverordnungen, die nun auch im Stadtteil Schinkel gelten. Darin ist alles geregelt, was es kommunal zu regeln gibt, von Ladenöffnungszeiten und Polizeistunde bis hin zu Tierschutz und Schlachthofordnung. Einige Beispiele aus der Straßenordnung: 38: Wagenführer, die schlafend oder im angetrunkenen Zustande betroffen werden, sind strafbar." Es gab noch keine Bremslichter, deshalb: " Plötzliches Stillhalten hat der Führer eines bespannten Fuhrwerks dem ihm folgenden durch Hochheben der Peitsche oder eines Armes anzuzeigen." Und weil die Fuhrwerke keinen Tachometer hatten, regelt § 32 die Höchstgeschwindigkeit so: " Niemand darf in den Straßen der inneren Stadt sowie in den bebauten Straßen der Feldmark schneller als im Mitteltrabe fahren oder reiten." Über das Verhalten bei Alarmfahrten heißt es in § 48: " Fuhrwerke, Radfahrer und Reiter haben den Fahrzeugen der Feuerwehr, deren Herannahen durch Läuten mit einer Glocke oder durch eine brennende Fackel angedeutet wird, völlig freie Bahn zu lassen."

Der Osnabrücker Kunstflieger Gustav Tweer erlangt nationale Berühmtheit. Auf dem Flugplatz Bork bei Berlin führte er " Kopf- und Schleifenflüge" aus, die denen des französischen Flugakrobaten Adolphe Pégoud in nichts nachstanden. Die " Osnabrücker Volkszeitung" zitiert die " Berliner Zeitung": " Am Sonntag gelang es Tweer zum ersten Male, den Apparat in der Luft herumzuwerfen, sodass er mit dem Kopf nach unten flog. Gestern nun hat er einen richtigen Looping ausgeführt. Er war in 700 m Höhe gestiegen und setzte zu einem senkrechten Sturzflug an. Als die Maschine in rasender Fahrt niederschoss, warf er sie herum und flog eine Strecke auf dem Rücken, um dann wieder in den normalen Gleitflug überzugehen, nachdem er noch eine senkrechte S-Schleife beschrieben hatte." Tweers Eindecker vom Fabrikat Grade besaß ein doppeltes Fahrgestell, sodass der Pilot auch in der Rückenlage, also mit dem Kopf nach unten hängend, landen konnte.

Der Fußballklub Osnabrück von 1899 richtet die lokale Ausgabe des " 3. Nationalen Armeegepäckmarsches" aus. Unter dem Protektorat des Armee-Generals von Emmich ringen 150 Starter, Soldaten wie auch Zivilisten, um den Ehrenwanderpreis der Stadt Osnabrück. Die 35 Kilometer lange Strecke führt vom Schwarzen Platz über Eversburg, Atter, Bahnhof Lotte, Dorf Lotte, Osterberg, Stift Leeden, Hasbergen nach Hellern und endet auf dem Sportplatz des Fußballklubs beim Kaffeehaus Bellevue. Die Firma Continental hat für den ersten 78er-Infanteristen, der auf Continental-Gummiabsätzen ankommt, einen besonderen Preis ausgesetzt. Pech für Musketier Rethschulte: Er liegt bis kurz vor dem Ziel in Führung und hätte bestimmt den Wanderpreis errungen, wenn man nicht in dem Siegesjubel den Fehler gemacht hätte, ihm den für den Sieger bestimmten großen Lorbeerkranz schon am Eingang zum Sportplatz umzuhängen. Durch diese plötzliche Mehrbelastung geriet er in der Finalrunde ins Hintertreffen und ging erst als Dritter durchs Ziel. Er musste den Kranz wieder abgeben und durfte auch nicht den ersten Sachpreis, eine Standuhr, mit nach Hause nehmen. Im Garten des Kaffeehauses gibt die Regimentskapelle ein Großes Militärkonzert, Oberst Winkelhausen nimmt die Preisverleihungen vor.

Im März waren zwei Pappeln auf dem Mittelstreifen des Kanzlerwalls (heute Heger-Tor-Wall) gefällt worden, weil sie dem Ausbau der Kreuzung mit dem Straßenzug Martinistraße–Neuergraben im Wege standen. " Die Bäume, um deren Sein oder Nichtsein in den letzten Wochen so scharf gestritten wurde, hatten dadurch eine gewisse Berühmtheit erlangt", schreibt die Volkszeitung. Sie wurden nun nicht sang- und klanglos abgefahren, sondern öffentlich versteigert. Den Zuschlag erhielt Fabrikant Wilhelm Karmann, Martinistr. 59, der für die kleinere Pappel 100 Mark und für die größere 160 Mark geboten hatte. " Sie werden nun zum Carosseriebau verwandt und also künftig einem modernen Beförderungsmittel, dem Auto, dienen", stellt das Blatt zufrieden fest.

Am Hasetor scheute das Pferd eines Schlachterwagens aus Bramsche " aus geringfügiger Ursache", riss sich aus dem Geschirr los und raste gegen die Schranke, die wegen eines vorbeifahrenden Zuges geschlossen war. Ein vor der Schranke wartender Radfahrer wurde zur Seite geschleudert und schwer verletzt. In einem mächtigen Satz überwand das Pferd die Schranke und raste nun längs des fahrenden Zuges Richtung Eversburg. Als es einem ihm entgegenkommenden Zuge ausweichen wollte, fiel es die Böschung an der Turnerstraße hinunter und konnte endlich in einem Hausgarten eingefangen werden. Es hatte " bei der Affäre" mehrere Verletzungen davongetragen.
Bildtext:
Kunstflieger Gustav Tweer 1914 in seinem Grade-Eindecker mit doppeltem Fahrwerk, das eine Landung auch in Rückenlage erlaubte.
Foto:
Luftfahrthistorisches Archiv Martin Frauenheim
Autor:
Joachim Dierks


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