User Online: 2 | Timeout: 15:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
In die alte Baracke soll jetzt Leben kommen
Zwischenüberschrift:
Verein "Antikriegskultur & Friedenshandeln" übernimmt sieben Räume im denkmalgeschützten Holzbau
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Anschlüsse für Strom und Wasser sind gekappt, die Heizung funktioniert nicht mehr, und die Außenwände brauchen einen neuen Anstrich. Aber Petar Miloradovic freut sich, dass sein Verein endlich den Schlüssel für die Baracke 35 auf dem Kasernengelände an der Landwehrstraße hat. Der denkmalgeschützte Holzbau soll an das Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg erinnern.

Oflag VIC nannten die Nazis das Kriegsgefangenenlager Eversheide, in dem seit 1941 etwa 5000 serbische Offiziere interniert waren. Diese königstreue Garde kehrte nach dem Krieg nicht in Titos sozialistisches Jugoslawien zurück. Viele der Männer blieben in Osnabrück und wurden hier heimisch. Sie und ihre Familien gründeten die serbisch-orthodoxe Gemeinde und bauten die Kirche an der Wersener Straße.

Unter den serbischen Kriegsgefangenen im Lager gab es eine jüdische Minderheit, die das besondere Inte resse von Historikern weckt. Es gilt als gesichert, dass diese 400 Männer weitgehend unbehelligt ihre religiösen Feste und Glaubensriten feiern konnten. Auch noch zu einem Zeitpunkt, als der nationalsozialistische Terrorapparat die jüdischen Gemeinden im Reich längst geplündert und ihre Mitglieder deportiert hatte.

Ein schwarzer Tag für das Lager Eversheide war der 6. Dezember 1944, als das Lager wohl versehentlich zum Ziel eines alliierten Luftangriffs wurde. Unter den Bomben starben 161 Gefangene. Nach dem Krieg diente das Lager den britischen Streitkräften als Kaserne. Dieses Kapitel endete 2008.

Nach dem Abzug der Briten gründeten historisch und politisch interessierte Osnabrücker den Förderverein " Antikriegskultur & Friedenshandeln", kurz Antikriegsbaracke Atter. Der Verein hätte am liebsten nicht nur eine Baracke erhalten, sondern das ganze noch weitgehend im Original erhaltene Ensemble aus der Zeit um 1941. Doch die Stadt, die auf dem Gelände ein Wohngebiet und Gewerbeflächen plant, drängte auf eine wirtschaftliche Lösung.

Vom Abriss verschont blieb allein die Baracke 35 direkt an der Landwehrstraße, die inzwischen als Baudenkmal anerkannt ist. Nach langem Hin und Her hat die Stadt einen Pachtvertrag mit dem Verein abgeschlossen, der zunächst auf zwei Jahre befristet ist. Kostenlos werden sieben Räume der Baracke zur Verfügung gestellt, für die bauliche Unterhaltung ist der Verein zuständig.

Obwohl die Friedensaktivisten mit dem Pachtvertrag ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen sind, ist ihnen nicht zum Jubeln zumute. Der Verein hat sich in den vergangenen Jahren zerrieben mit internen Diskussionen. Jetzt soll es an die Arbeit gehen, die Baracke muss dringend restauriert werden, aber das Geld fehlt. " Wir sind 20 Personen", sagt der Vorsitzende Petar Miloradovic, der mit seinen 73 Jahren keineswegs zu den ältesten Mitgliedern gehört, jeder zahle 30 Euro, gelegentlich komme auch mal eine kleine Spende in die Kasse. Für größere Anschaffungen reiche das nicht. Deshalb werden nun Sponsoren gesucht.

Ziel ist es, in der Antikriegsbaracke Vorträge zu veranstalten und Ausstellungen zu zeigen. Historisches Material soll aufgearbeitet werden, Schüler und Studenten werden als Zielgruppe genannt für künstlerische Projekte und Erlebnispädagogik, wie es in einem Faltblatt heißt. Dabei soll der Alltag der Kriegsgefangenen im Mittelpunkt stehen. Es wird aber auch überlegt, Kriegsspiele und Egoshooter zum Thema zu machen. Eine " lebendige Baracke" schwebt Miloradovic und seinen Mitstreitern vor. Der erste Schritt auf diesem langen Weg soll ein neuer Stromanschluss sein.
Bildtexte:
Ein neues Kapitel soll für die Antikriegsbaracke beginnen. Hier ist Petar Miloradovic beim Reinemachen.
Sieben Räume in der Antikriegsbaracke hat der Verein fürs Erste von der Stadt gepachtet.
Die Tür ist offen, aber auf den Verein Antikriegsbaracke wartet noch eine Menge Arbeit.
OS: Verein Osnabrücker Friedensbaracke übernimmt die denkmalgeschützte Baracke auf dem Kasernengelände an der Landwehrstraße; Vereinsvorsitzender Petar Miloradovic;
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste