User Online: 2 | Timeout: 15:39Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hochzeiten und Todesfälle waren teuer
Zwischenüberschrift:
Der Hüninger Weg in Atter führt zum alten Meyerhof
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Atter. Der Hüninger Weg könnte für Radler eine direkte Verbindung zwischen dem Hakenhof-Holz und dem Atterfeld darstellen, wenn, ja wenn er nicht in seinem mittleren Abschnitt Privatweg wäre. So kann der heimatkundlich Interessierte, weil er gesetzestreu ist und die Verbotsschilder achtet, den alten Meyerhof zu Hüningen in seiner malerischen Lage an der Düte nur aus der Distanz erahnen. Die heutige Hofstelle ist ein 1778 erbautes Vierständerhaus mit mehreren Nebengebäuden.
Den Zusatz " Mey( i) erhof" tragen zumeist große, stattliche Höfe, auf denen der " Meier" als Verwalter eines adligen oder geistlichen Gutes saß. In Atter gibt es noch zwei weitere: Meyer zu Atter und Meyer zu Heringen. Der Historiker Frank Henrichvark schließt sich in seinem Aufsatz für die Chronik " Atter′sche Geschichte( n)" der Meinung an, dass die Häufung der Meyerhöfe in Atter darauf beruhen dürfte, dass der alte Karl und seine Franken hier sehr früh an strategisch wichtigen Düteüber gängen befestigte Höfe anlegten, die ihnen als Basis für die weitere Unterwerfung des Sachsenlandes dienten. Der Meyerhof zu Hüningen wird erstmals 1295 erwähnt, nur wenig später als der Ortsname Atter (1240).
1295 wechselte nämlich der Eigentümer des Hofs. Der wohlhabende " Handelsherr und Ostseefahrer" Dethard Vlaming kaufte ihn dem Domkapitel ab, um ihn sogleich in einem Akt christlicher Barmherzigkeit einer Fürsorgeeinrichtung zu schenken, dem " Hofhaus zum Heiligen Geist" in der Lohstraße, das von der Stadt verwaltet wurde. Die Bewohner des Hofes blieben somit Leibeigene, die Abgaben an die Stadt in Naturalien oder Geld zu leisten hatten. An regelmäßigen Abgaben oder " gewissen Gefällen" waren dies jährlich fünf Malter Roggen und sechs Malter Hafer sowie ein Tag pro Woche Spanndienst für die Stadt oder das Hofhaus mit Fuhrmann, Fuhrwerk und vier Pferden. Historisch gesehen interessanter sind die " ungewissen Gefälle", also die Sonderabgaben, die bei Hochzeit oder Tod in der Familie des Hörigen fällig waren.
Um den Anteil an Aussteuer oder Erbe zu berechnen, der dem Grundherrn zustand, musste ein Inventar angelegt werden. Aus diesen Inventarverzeichnissen lässt sich durch die Jahrhunderte ablesen, wie der Hüninger hof mit lebendem Vieh und Einrichtungsgegenständen bis hin zum Hausrat ausgestattet war. 1677 waren es beispielsweise fünf Pferde, zwölf Kühe und Rinder, ein Stier, acht Schweine und 61 Schafe. An sonstiger Habe werden zwei Wagen erwähnt, davon einer mit Eisen beschlagen, zehn hölzerne Schüsseln, zehn hölzerne Teller und 20 Näpfe.
Natürlich klagten die Hörigen bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Last der Abgaben. Christian Heinrich Meyer zu Hüningen bezeichnete den Hüningerhof 1819 als einen " Quälhof", nachdem in einer Generation wegen der Häufung von Todesfällen und Wiederverheiratungen insgesamt neunmal gezahlt werden musste. Er beantragte beim Rat eine Minderung der Abgaben, " weil im ganzen Osnabrücker Amt kein höriger Hof so viel zahlt wie der Meyerhof zu Hüningen".
Gleichwohl, so Henrichvark, sei ein Hof von der Größe des Hüningerhofs durchaus geeignet gewesen, seine Bewohner angemessen zu ernähren. Die angestrebte Ablösung von der Hörigkeit wurde dem Meyer 1829 gegen die Zahlung der stattlichen Abstandssumme von 5000 Talern gewährt. Damit besaß die Familie Meyer zu Hüningen den Hof als unbeschränktes Eigentum. Im Zuge der Markenteilung vergrößerte sich die Hoffläche nochmals erheblich auf rund 110 Hektar.
Henrichvark, dessen familiäre Wurzeln mütterlicherseits auf dem Hüningerhof liegen, weiß aus Erzählungen, dass sein Großvater Friedrich Meyer zu Hüningen (1887 bis 1962) als kleiner Junge jeden Sonntag zusammen mit seinen vier Geschwistern zu Fuß zum Gottesdienst in der Marienkirche gehen musste. Das waren pro Weg rund acht Kilometer. Das erste Wegstück über den Lotter Kirchweg legte man in Alltagskleidung und Holzschuhen zurück und trug das Bündel mit dem Sonntagsstaat auf dem Rücken. Kurz vor der Stadt schlug man sich seitlich ins Hakenhof-Holz, wechselte die Kleidung und versteckte die geflickten Alltagssachen unter Buschwerk. Auf dem Rückweg ging es dann wieder umgekehrt.
1906 verkaufte Urgroßvater Christian Friedrich Meyer zu Hüningen (1839 bis 1912) den Hof an Baron Ostman von der Leye und ließ sich als Privatier an der Lotter Straße nieder.
Bildtext:
Idylle am Hüninger Weg an der Düte.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
jod


Anfang der Liste Ende der Liste