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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Postwurfsendung zur Weststraße
 
Stadt wirbt für Bürgerbefragung
Zwischenüberschrift:
25. Mai: Ja oder Nein zur Weststraße
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Mit einer Postwurfsendung an alle Haushalte am kommenden Samstag wird die Stadt Osnabrück ihre Bürger über die anstehende Bürgerbefragung zur Entlastungsstraße West/ Westumgehung informieren. Abgestimmt wird am Sonntag, 25. Mai.

Osnabrück. Am Samstag werden alle Haushalte in Osnabrück Post von der Stadt bekommen. Der Inhalt: Ein Infoblatt über die geplante Entlastungsstraße West/ Westumgehung und der Appell des Oberbürgermeisters, sich an der Bürgerbefragung am Sonntag, 25. Mai, zu beteiligen.
OB Wolfgang Griesert (CDU) startete am Donnerstag im Rathaus die Info-Kampagne der Stadt. Der Postwurfsendung am kommenden Samstag werden in der nächsten Woche die Wahlbenachrichtigungen folgen. Damit werden etwa 120 000 Osnabrücker aufgefordert, am 25. Mai ein neues Europa-Parlament zu wählen und über den Bau der Weststraße abzustimmen. Es ist die erste Bürgerbefragung in der Geschichte der Stadt – " soweit wir das zurückverfolgen können", sagte Griesert.
Auf ihrer Homepage bietet die Stadt ein Info-Paket zur geplanten Straße mit einem simulierten Überflug. Das Video sei inzwischen " eine kleine Berühmtheit", wie Nina Hoss vom Presseamt sagte. Darüber hinaus wird die Stadt auf Plakaten an Bushaltestellen, auf Litfaßsäulen, auf den Bildschirmen in den Stadtbussen und auf Facebook (www.facebook.com/ buergerbefragung) für die Abstimmung werben. Ein Service-Telefon (0541/ 3 23 49 09) ist dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr für Fragen zur Straße und Bürgerbefragung geschaltet. Am Dienstag, 13. Mai, findet ab 18 Uhr eine Informations- und Diskussionsveranstaltung in der Osnabrückhalle statt. Veranstalter sind die Stadt und die Neue Osnabrücker Zeitung. Auf dem Podium werden Gutachter, Gegner, Befürworter und Vertreter der Parteien Platz nehmen.
Darum geht es: Die Stadt plant den Bau einer Straße zwischen Sedanstraße und Rheiner Landstraße zur Erschließung des Hochschulcampus, des Wohn- und Wissenschaftsparks und zur Entlastung der Wohnstraßen am Westerberg und von Teilen der Innenstadt. Sie soll 1, 8 Kilometer lang sein und zum Teil über die vorhandene Straße am Klinikum führen. Die zweitspurige Fahrbahn soll 6, 50 Meter breit sein, an beiden Seiten sind je 2, 50 Meter breite Grünstreifen mit Bäumen geplant. Hinzu kommt laut Plan einseitig ein Rad- und Gehweg. 150 Meter südlich des Parkhotels soll ein Kreisverkehr mit 35 Meter Durchmesser entstehen. Für Fußgänger und Radfahrer sind acht Querungshilfen vorgesehen.
Darüber wird abgestimmt: " Soll die Entlastungsstraße West/ Westumgehung gebaut und sollen die dafür erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden?" Das ist die Frage, die die wahlberechtigten Bürger (ab 16 Jahren) am 25. Mai mit Ja oder Nein beantworten sollen. Die Bürgerbefragung geht auf eine Vereinbarung zwischen SPD und Grünen zurück, die im Rat eine Zählgemeinschaft bilden, in der Straßen-Frage aber geteilter Meinung sind. Die SPD hält die Straße für nötig, die Grünen lehnen sie ab. In den Koalitionsgesprächen vereinbarten die beiden Fraktionen, den Bürgern die Entscheidung zu überlassen. Das Ergebnis ist nicht bindend. Die Fraktionen wollen sich aber dem Votum beugen.
Sie profitierten von der Straße: Die " heimliche Westumgehung" über Mozartstraße bis Gluckstraße würde stark entlastet. Hier leben nach städtischen Angaben 750 Menschen. Verbesserungen werden sich laut Masterplan Mobilität auch für die Lotter Straße, Natruper Straße, Hansastraße und den Wallring ergeben. Im Einzugsbereich dieser Straßen leben 7200 Menschen.
Sie wären negativ betroffen: An der Trasse leben etwa 150 Menschen, davon etwa 90 in einer Entfernung von mehr als 100 Metern zur geplanten Straße. Besonders betroffen wären die Bewohner der ehemaligen Briten-Häuser in den Komponisten- und Literatenhöfen. Sie waren über die Straßenplanungen informiert, bevor sie eingezogen sind. An der Blankenburg sowie auf der Rheiner Landstraße, auf
dem Lieneschweg und der Römereschstraße werden Verkehr und Lärm zunehmen. 1700 Menschen wären betroffen.
Die Folgen für die Natur: Der grüne Finger am Westerberg würde unterbrochen, das Naherholungsgebiet " visuell beeinträchtigt", wie es im Flyer der Stadt heißt. Ein Kleingarten-Gebiet würde zerschnitten.
So viele Fahrzeuge werden rollen: Der Masterplan Mobilität prognostiziert für das Jahr 2025 durchschnittlich 13 500 Fahrzeuge pro Tag auf der Weststraße. Im Mittelabschnitt sollen es 16 700 sein. Das entspricht der Verkehrsmenge auf der Rheiner Landstraße (westlich An der Blankenburg). Über die Martinistraße rollen zurzeit täglich 20 000 Fahrzeuge, über den Wall bis zu 40 000. Die Verkehrsplaner gehen von 950 bis 1200 Lastwagen (mit mehr als 2, 8 Tonnen Gesamtgewicht) täglich aus.
Das kostet die Straße: OB Griesert geht von 6, 61 Millionen Euro aus. Unklar ist, ob die Stadt Fördermittel vom Land erwarten kann. Möglich wäre eine Förderung von bis zu 75 Prozent.
Bildtexte:
Luftbild mit der Trasse der Entlastungsstraße West/ Westumgehung aus dem Flyer der Stadt.
Der Straßenquerschnitt. Die Fahrbahn ist 6, 50 Meter breit. Auf einigen Abschnitten ist ein zwei bis drei Meter hoher Lärmschutz geplant.
Reproduktion:
Jörn Martens

Kommentar
Westerberg-Problem?

In einer Umfrage der NOZ sagten im vergangenen Jahr 72 Prozent der Befragten, sie interessierten sich wenig oder gar nicht für das Thema Westumgehung. Angesichts des verschärften Streits mag der Wert inzwischen höher liegen, aber die Kernaussage bleibt: Das Thema wird als reines Westerberg-Problem wahrgenommen. Ist es aber nicht.

Die Straße ist Teil des Masterplans Mobilität und soll eine wichtige Funktion im gesamtstädtischen Verkehrsnetz ausfüllen. Alle Bürger sind aufgerufen zu entscheiden, ob ihnen das wichtiger ist als der Schutz der Natur.

Doch wie viele werden dem Appell folgen? Eine niedrige Beteiligung würde die Abstimmung abwerten und könnte zur Folge haben, dass eine kleine Minderheit über das Ja oder Nein entscheidet. Deshalb gilt: informieren, eine Meinung bilden, am 25. Mai abstimmen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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