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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Reise in die kollektive Kriegserinnerung
Zwischenüberschrift:
Peter Eickmeyer zeigt seine Graphic Novel zu "Im Westen nichts Neues" in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. " Im Westen nichts Neues" ist der Klassiker unter den Antikriegsromanen. Jetzt gibt es die Graphic Novel zum Welterfolg. Das Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum zeigt 50 Blätter aus dem Buch mit Bildern von Peter Eickmeyer.
Sie ziehen in endlosem Tross durch die Kraterlandschaft. Zu beiden Seiten des Weges dehnt sich das von Explosionen zerwühlte Niemandsland. In spitzem Keil wälzt sich die Marschkolonne einem kreisrunden Wirbel entgegen. Sonnenscheibe oder Höllenschlund? So genau kann das niemand wissen in dieser erdig braunen Einöde.
Es sind Bilder wie dieses, mit denen sich Peter Eickmeyers Graphic Novel zu Remarques Roman in das Gedächtnis brennt. Der Grafikdesigner aus Melle bei Osnabrück publiziert mit dem Buch seinen Erstling. Das ist eigentlich kaum zu glauben, denn Eickmeyer gelingen Bilder voll Gespür für die prägenden Episoden und Wendepunkte in Remarques Roman. Zudem passt der knappe Zeichenstil zu Remarques herbem Erzählrealismus. Damit ist diese Graphic Novel schon fast kongenial.
Peter Eickmeyer und seine Frau Gaby von Borstel haben sich dem Roman jedenfalls mit spürbarem Respekt genähert. Keine Sprechblase irritiert die neue Begegnung mit dem Text, den Gaby von Borstel behutsam auf die knappe Hälfte seines Umfangs gekürzt hat. Eickmeyer platzierte seine Darstellungen an den oberen oder unteren Rand jedes Blattes. So blieb Raum für die Textblöcke mit den wesentlichen Elementen der Erzählung. Der Betrachter kann deren Faden allerdings auch fast ausschließlich anhand der Bilder folgen.
Eickmeyer arbeitet wie mit dem Zoom zentrale Motive und Figuren des Romans heraus. Der Lehrer Kantorek, der seine Schüler mit erhobenem Zeigefinger dazu drängt, sich freiwillig für den Kriegsdienst zu melden, die Stiefel des toten Kameraden Kemmerich, der Briefträger Himmelstoß, der sich zum schreienden Schinder entwickelt, schließlich der entrückte Gesichtsausdruck des toten Paul Bäumer all dies fügt sich zu einer eigenen Erzählung im Medium des Bildes.
Allerdings kommen selbst so starke Bilder nicht aus dem Nichts. Eickmeyer lenkt die Energie berühmter Vorbilder und dokumentarischen Materials in jede einzelne Szene seiner Graphic Novel. Er hat auf Otto Dix′ berühmte Radierung mit den Soldaten unter Gasmasken geschaut. Er zitiert Egon Schieles Bild russischer Gefangener. Und er montiert gar den Kopf des schreienden Pferdes aus Pablo Picassos " Guernica" in sein Bild von verwundeten Pferden. Hinzu kommen unzählige Fotovorlagen und Museumsexponate aus dem belgischen Ypern, wo zwischen 1914 und 1917 die blutigen Flandernschlachten tobten. Künstlerischer Schwung und historische Detailgenauigkeit ergänzen sich in dem Bilderwerk bestens.
Dabei hat Eickmeyer gut daran getan, sich nicht in die Untiefen einer emphatischen und gerade deshalb unglaubwürdigen Einfühlung in die Kriegsschicksale von Remarques Figuren zu begeben. Im Gegenteil: Der Graphic Novel ist anzumerken, wie sehr sie selbst medial vermittelt ist, ihr Autor aus spürbarem historischen Abstand heraus gearbeitet hat. Die von Schusswunden entstellten Gesichter, die grauen Tanks, die sich über Schützengräben wälzen, das Gemetzel des Sturmangriffs diese und weitere Bilder aus der Graphic Novel wirken auch deshalb so stark, weil sie auf die zentralen Punkte im kollektiven Bildgedächtnis zum Thema Erster Weltkrieg zielen.
So geht die Reise, die diese Bilderfolge entwickelt, auch nicht nur auf die Schlachtfelder der Westfront, sondern auch in die Tiefen der Erinnerung. Im hundertsten Jahr des Kriegsausbruches macht das Werk mit der Vorgeschichte der heutigen Welt auf neue Weise bekannt. Die Welt, die Eickmeyer in mal stumpfe, mal giftige Farbtöne getaucht hat, liegt nicht einfach nur fern, sie gehört zum Erinnerungsschatz aller Europäer. Auch dies macht das Buch wieder schmerzhaft bewusst.
Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel ist jedenfalls ein Buch gelungen, das einen neuen Zugang zu Remarques " Im Westen nichts Neues" bietet. Die Graphic Novel soll am 1. Juni im Bielefelder Splitter-Verlag zum Preis von 22, 90 Euro erscheinen. Eickmeyer und von Borstel sitzen, so war zu hören, bereits am nächsten gemeinsamen Projekt.
Osnabrück, Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum: " Im Westen nichts Neues". Graphic Novel von Peter Eickmeyer. Eröffnung: Sonntag, 27. April, 11 Uhr. Bis 20. Juli. Di.–Fr. 10–13 Uhr, 15–17 Uhr; Sa., So. 11–17 Uhr. www.remarque.de
Bildtexte:
Soldat im Mohnfeld: Peter Eickmeyer zeigt seine Bilder im Erich-Maria Remarque-Zentrum.
Zug ins Nichts: Dieses Bild zeigt eine Marschkolonne aus " Im Westen nichts Neues".
Der junge Erich Maria Remarque: Autorenporträt aus der Graphic Novel.
Blick in den Schützengraben: Eickmeyer hat die drastischen Szenen aus dem Buch in einem harten Strich in die Graphic Novel übertragen.
Tödlich: Soldaten im Gasnebel.
Foto
Elvira Parton
Repro:
Peter Eickmeyer
Autor:
Stefan Lüddemann


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