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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die geheime Liste der Straßennamen
 
Weg frei für Nelson-Mandela-Straße
Zwischenüberschrift:
Ein Blick in die vormals geheime Vorschlagsliste bringt Karteileichen ans Licht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Lange wurde es von der Stadt bestens gehütet, jetzt lüften wir das Geheimnis der Vorschlagsliste zur Benennung von Straßen und Plätzen in Osnabrück. Insgesamt 19 Namen stehen drauf.

Osnabrück. In Osnabrück könnte demnächst eine Straße oder ein Platz nach Nelson Mandela benannt werden. Der Friedensnobelpreisträger steht jetzt ebenso auf der offiziellen Vorschlagsliste wie Lehrer Peter Niebaum. Insgesamt sind 19 Vorschläge amtlich. Eine Garantie für die posthume Ehrung ist das nicht.

Der südafrikanische Ex-Präsident und Anti-Apartheidskämpfer wurde auf Antrag der FDP-Ratsfraktion in die Auswahl aufgenommen. Die Niebaum-Empfehlung stammt von einem niederländischen Historiker, der auf die Pionierleistung des Osnabrücker Pädagogen in der Hans-Calmeyer-Forschung verweist. Beide Vorschläge aus 2014 fanden Zustimmung im Kulturausschuss, wo solche Angelegenheiten beraten werden.

Und zwar hinter verschlossenen Türen bis jetzt. Denn am Ende dieses Jahres änderte das Gremium plötzlich seine Praxis. Warum? Die Erklärung des Ausschussvorsitzenden Sebastian Bracke (Grüne) klingt so banal, dass man sich fragt, warum überhaupt jemals ein Geheimnis daraus gemacht wurde: " Straßen und Plätze sind für jeden frei zugänglich, deshalb sollten Vorschläge für ihre Benennung auch öffentlich verhandelt werden."

Allein: Eine Aussprache fand diesmal gar nicht statt. Beratungsbedarf Fehlanzeige. Angesichts ihrer unstrittigen Verdienste sei die Nominierung Mandelas und Niebaums selbstredend gewesen, erklärt Bracke. Nach dieser Formsache werde die Stadtverwaltung nun versuchen, die designierten Namenspatrone an geeigneter Stelle zu berücksichtigen. " Wichtig ist, dass der gewählte Ort der Person würdig ist." Doch was heißt das konkret?

Die scheidende Kultur-Fachbereichsleiterin Dagmar von Kathen bis dato Hüterin der Vorschlagsliste drückt es so aus: " Eine Mini-Stichstraße wäre sicher nicht angemessen."

Also wird die Stadt suchen müssen. Das kann dauern. Lange. Sogar sehr lange. Im Fall der vor acht Jahren verstorbenen Ursula Flick, von 1985 bis 1991 Oberbürgermeisterin von Osnabrück und unter anderem deshalb ab 2007 auf der Vorschlagsliste geführt, sei " gefühlt eine halbe Ewigkeit vergangen, bis ein passender Ort gefunden wurde", erinnert sich von Kathen. Erst 2011 gelang es, das vielfach ausgezeichnete erste weibliche Stadtoberhaupt der Geschichte im neuen Wohn- und Wissenschaftspark am Westerberg aufs Schild zu heben und einzubetten zwischen die Physikgenies Albert Einstein, Marie Curie und Lise Meitner. Ergänzt wird diese bemerkenswerte Mischung aus weltbesten Forschern und lokalen Politikgrößen um einen weiteren Namen: Denn auch nach Friedrich Janssen, OB von 1951 bis 1952, wurde hier eine Straße getauft.

Eine amtliche Nominierung als Namensgeber ist jedoch in Osnabrück keine Garantie dafür, dass jemandem die Ehre einer Patenschaft nach dem Tod auch wirklich zuteilwird. Wie geduldig Papier sein kann, zeigt ein Blick auf die aktuelle Vorschlagsliste, die unserer Redaktion vorliegt: Die älteste Anregung stammt aus 1990.

Überschrift:

Text

Warum die Liste hin und wieder übergangen wird, lesen Sie auf www.noz.de/ os.

Dort gibt es auch eine Abstimmung über die besten amtlichen Namensvorschläge.
Bildtext:
Wegweiendes Verzeichnis: die Stadtverwaltung pflegt eine bislang geheime Liste mit 19 Vorschlägen für Straßennamen in Osnabrück. Eine Garantie für Posthume Eherung ist das nicht.
Fotomontage:
Sebastian Stricker, Tamara Landwehr

Kommentar
Eine Frage des Zeitgeists

Namen von Straßen und Plätzen spiegeln den Zeitgeist wider. So ist manche Bezeichnung, die vor 50 oder 100 Jahren recht und billig erschien, heute fragwürdig.

Pathetisches wie Vaterlandsweg, Heimatweg und Kameradschaftsweg im Stadtteil Widukindland als Abziehbild der Zwischenkriegsjahre ist dafür ein Beispiel. Ein anderes liefert der Sonnenhügel, wo sich im Bertholdweg, Boelckeweg und Immelmannweg die Familien deutscher Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg niederschlagen.

In unserer Zeit hingegen müssen Bezeichnungen mit politischer Dimension vor allem dem Image der Friedensstadt gerecht werden. Da passt ein Peter Niebaum gut hinein, zumal dieser Vorschlag hohen Lokalbezug hat. Anders als Nelson Mandela.

Natürlich darf Osnabrück auch diesen Friedensnobelpreisträger aufs Schild heben er wäre ja nicht der Erste. Allerdings befinden sich auf der Vorschlagsliste einige Namen, die wesentlich enger mit unserer Stadt in Verbindung stehen. Sie sollten nicht auf einem Blatt Papier verewigt bleiben.
Autor:
Sebastian Stricker


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