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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Weniger Häuser und weniger Bäume
Zwischenüberschrift:
Panoramablick vom Ziegenbrink um das Jahr 1898
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Rom wurde bekanntlich auf sieben Hügeln errichtet und hat es damit Osnabrück gleichgetan. Osnabrücks Hügel sind höher als die römischen und heißen demzufolge "- berg": Westerberg, Piesberg, Haster Berg, Gertrudenberg, Schinkelberg, Schölerberg. Nur der Kalkhügel orientiert sich am römischen Vorbild. Beim Schölerberg ist die Sache im Übrigen nicht ganz eindeutig, verschiedentlich wird die benachbarte Berningshöhe zu den sieben gezählt. Eine Art Vorgipfel der Berningshöhe (120 Meter) ist der Ziegenbrink (110 Meter), von dem aus diese Panoramasicht auf die Stadt um 1898 fotografiert wurde.

In der Stadtsilhouette erkennen wir einige alte Bekannte, nämlich die Türme von Bergkirche (etwa in der Bildmitte), St. Katharinen, St. Marien und Dom. Mit etwas Mühe lässt sich die große Dachfläche des Schlosses zwischen Katharinen- und Marienkirche ausmachen. Als Nächstes fällt auf, dass die geschlossene Bebauung erst in einiger Entfernung beginnt, der Siedlungsring außerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung sich somit noch nicht sehr weit vorgearbeitet hat. Die Bebauungskante folgt von links nach rechts etwa der Sutthauser Straße und der Wörthstraße. Der Schornstein links im Bild könnte zur Dampfkesselschmiede Julius Meyer gehören. Der Hauswörmannsweg ist wirklich noch ein Weg, der sich hinter den beiden einzeln stehenden Häusern im Vordergrund durch die Wiesen schlängelt.

Die aktuelle Sicht zeigt, wie schon oft bei " Zeitreisen" angemerkt, eine deutliche Zunahme des Baumbestandes. Egal, aus welcher Richtung man schaut, Osnabrück ist heute eine grüne Stadt, und das ganz ohne Baumschutzsatzung. Ein Grund könnte sein, dass Notzeiten, in denen Straßenbäume als Feuerholz herhalten mussten, weit zurückliegen. Und natürlich hat man schon lange den Wert der Bäume als Sauerstofflieferanten und Staubfilter gerade inmitten dicht besiedelter Räume erkannt.

Dabei gehört der Ziegenbrink zu den nicht bewaldeten Anhöhen, die noch am ehesten einen Blick auf die Stadt freigeben. Sein Name verweist auf eine schlechte Bodenqualität. Vor hundert Jahren war hier eine Vorrangfläche für Ziegen und Schafe. Die Berningshöhe besteht aus Lehm, Mergel und Felsen und bot von alters her den Tieren mit Dornengestrüpp und Disteln ein karges Auskommen, war aber sonst zu nichts zu gebrauchen. Auch der Ortsname Armenholz kündet von geringem Bodenwert.

Die heutige große Freifläche auf dem Ziegenbrink hängt mit einer späteren Nutzung zusammen. Der Norddeutsche Rundfunk betrieb hier eine umzäunte Sendestation, in der jeglicher Bewuchs kurz gehalten wurde. Der rot-weiß gestrichene Stahlrohrmast, 108 Meter hoch, wird etwas älteren Osnabrückern noch in Erinnerung sein. Er sorgte für guten Empfang des UKW- und Mittelwelle-Radioprogramms und des Fernsehens. 1948 begann der NWDR mit einer ersten Funkstelle auf dem alten Bunkergelände. Der spätere hohe Mast war bis 1974 in Betrieb und wurde um 1978 niedergelegt. Im vormaligen NDR-Dienstgebäude richtete die Stadt das Begegnungs- und Kommunikationszentrum " GZ Ziegenbrink" ein. Seifenkistenrennen und Open-Air-Konzerte sorgen seither dafür, dass der Ziegenbrink auch bei jungen Osnabrückern populär ist.

Neben der Straßenbezeichnung " Am Funkturm" weisen die Straßen " An der Schützenburg" und " Zur Wetterwarte" auf weitere Infrastruktur hin, die es auf dem Ziegenbrink gibt oder gab. Das Wetter für Osnabrück wurde ab 1952 auf dem Ziegenbrink " gemacht". Der Deutsche Wetterdienst (DWD) baute hier eine Wetterwarte auf, in der drei Mitarbeiter Dienst schoben. Im Dezember 2001 wurde die Datenerfassung automatisiert, zurück blieb eine unbemannte Wetterstation. Deren Ende kam 2010, als der DWD wegen dort besserer Messbedingungen nach Belm zog. Der grüne Container, der heute am unteren Ende der Wiese steht, dient der niedersächsischen Luftüberwachung als Messdiener. Er zeichnet genau wie der Container am Schlosswall gegenüber dem Ratsgymnasium die Luftschadstoffe auf.

Die Schützenburg ist der Traditionsstandort des Osnabrücker Schützenwesens, Sitz des Schützenvereins Lustgarten und übergeordneter Schützenorganisationen. Auch wenn die Anlage äußerlich keinen Top-Eindruck macht, verbirgt sich im Innern ein niedersächsisches Schießsportleistungszentrum mit zeitgemäßer elektronischer Trefferauswertung.
Bildtexte:
Osnabrücks Kirchtürme erlauben die Einordnung dieses Fotos, das vor 116 Jahren vom Ziegenbrink aus gemacht wurde. Die Stadt ist erst wenig über den Wallring hinausgewachsen.
Viel Grün verdeckt heute einen Teil der Stadtsilhouette. Der ebenfalls grüne Container misst die Luftqualität.
Foto:
Sammlung Middendorf/ Vonhöne, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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