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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Feinstaub: Dicke Luft in Osnabrück
 
Strenge Abgasnorm soll schneller her
Zwischenüberschrift:
Stadt mit den meisten Grenzwert-Überschreitungen in Niedersachsen
 
Städtetag zur Feinstaub-Debatte
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. In Osnabrück herrscht besonders dicke Luft: Bereits an 19 Tagen sind in diesem Jahr die Feinstaub-Grenzwerte überschritten worden Negativrekord in Niedersachsen. Bis Jahresende droht ein Verstoß gegen EU-Vorgaben. Auch das Emsland hat Probleme. Allein Ostfriesland kann durchatmen.
Maximal an 35 Tagen im Jahr darf der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel überschritten werden. Sonst drohen Sanktionen seitens der EU. In vielen deutschen Städten deutet sich bereits jetzt an, dass sie gegen diese Vorgabe im laufenden Jahr verstoßen werden. Das geht aus den Messdaten des Umweltbundesamtes hervor. In Stuttgart ist das bereits der Fall mit 36 Tagen über dem erlaubten Mittelwert.
Den könnte möglicherweise auch Osnabrück noch überschreiten. Die Messstelle am Schlosswall, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, verzeichnete 19 Grenzwert-Überschreitungen seit dem 1. Januar und damit knapp mehr als andere Städte in Niedersachsen.
Detlef Gerdts vom Osnabrücker Fachbereich Umwelt und Klimaschutz will nicht ausschließen, dass bis Ende Dezember noch deutlich mehr hinzukommen. Seinen Angaben zufolge waren es im gesamten vergangenen Jahr lediglich zwölf Tage mit kritischen Belastungen.
Für die ungewöhnlich hohen Werte in diesem Jahr haben er und andere Experten vor allem zwei Erklärungen: der milde Winter und der Saharastaub, der sich über Deutschland legte. Allein der habe Osnabrück vier Grenzwertüberschreitungen eingebracht, sagt Gerdts. Die Großwetterlage der vergangenen Monate habe zudem einen mangelnden Austausch zwischen den einzelnen Luftschichten zur Folge gehabt. Feinstaub sei damit nicht in höhere Luftschichten transportiert worden.
Daran habe auch die 2010 eingeführte Umweltzone in Osnabrück nichts ändern können, so Gerdts. Fest steht seiner Meinung nach aber: Hätten wir die Umweltzone nicht, wäre der Grenzwert noch an viel mehr Tagen überschritten worden.″ Der Fachbereichsleiter hofft auf Einsicht bei der EU, sollte die 35-Tage-Grenze überschritten werden. Angesichts solcher Umstände sollte von der Einleitung eines Vertragsverfahrens gegen Kommunen abgesehen werden, findet er.
Von dem ist das Emsland noch ein gutes Stück weg. Die Messstelle in Lingen registrierte bislang elf kritische Tage. Norderney und Emden hingegen verzeichneten lediglich zwei Grenzwertüberschreitungen.
Bildtext:
Zu viel Feinstaub in der Luft: In Osnabrück wurden die Grenzwerte im Tagesmittel bereits 19-mal überschritten.

Kommentar
Gesundheit hat Vorrang

Feinstaub? Manchem, der sich als echter Kerl fühlt, entlockt das Thema allenfalls ein mitleidiges Lächeln. So als hätten nur Muttersöhnchen und Hypochonder ein Problem mit den Partikeln in der Luft. Dabei sterben jedes Jahr 65 000 Menschen in der Europäischen Union vorzeitig durch Feinstaub. Und jeder Durchschnittsdeutsche, auch der echte Kerl, könnte zehn Monate länger leben, wenn die mikroskopisch kleinen Teilchen seine Lunge verschonen würden.

Der Kampf gegen Feinstaub ist keine Symbolpolitik, sondern Notwendigkeit. Dabei sind die Handlungsmöglichkeiten auf lokaler Ebene begrenzt, zumal ein großer Teil der Lufteinträge mit dem Wind aus entfernten Regionen kommt.

Aber es lässt sich etwas bewegen, wie das Beispiel der Umweltzone in Osnabrück zeigt. Seit 2012 ist die Innenstadt für Fahrzeuge ohne grüne Umweltplakette tabu. Das verstehen manche Autofahrer bis heute nicht, aber ohne diese Reglementierung würden die Feinstaubwerte noch häufiger über den Grenzwert klettern. Das Recht auf Gesundheit ist wichtiger als das Recht auf freie Fahrt mit veralteter Technik.

Dass in Osnabrück jetzt schon 19 und in Lingen elf Überschreitungstage gezählt wurden, wirft die Frage auf, wo noch weitere Stellschrauben reguliert werden können. Bei aller Liebe zu Brauchtum und Geselligkeit: Ein Osterfeuer ist eine Feinstaubschleuder, ein Holzkohlegrill ebenfalls. Darüber mag man lächeln. Oder auch nicht.

Berlin. Der Deutsche Städtetag hat angesichts hoher Feinstaubmesswerte die Europäische Union sowie Bund und Länder aufgefordert, wirksamere Schutzmaßnahmen an der Quelle einzuleiten. In einem Gespräch mit unserer Zeitung sprach sich Hauptgeschäftsführer Stephan Articus dafür aus, die strenge Abgasnorm Euro 6 für Fahrzeuge schneller als geplant und flächendeckend einzuführen. Die Städte bemühten sich nach Kräften, unter anderem durch Stadt- und Verkehrsplanung sowie ordnungsrechtliche Vorgaben die Emissionen zu verringern. Sie stießen damit aber an ihre Grenzen, betonte Articus. Er würdigte zugleich den positiven Effekt der Umweltzonen in den Kommunen. Ihre Einrichtung befördere die Anschaffung schadstoffarmer Fahrzeuge. Zugleich seien die Zonen wichtiges Instrument, um Menschen vor Gesundheitsgefahren zu schützen.
Laut Plan wird Euro 6 für alle Neuwagen im September verbindlich. Danach sinkt die Grenze für den Stickoxid-Ausstoß bei Dieselmotoren auf 80 Milligramm pro Kilometer, die Partikelemissionen auf 4, 5 Milligramm. Auch für Benzinmotoren wird der Ausstoß an Stickoxiden auf 60 Milligramm pro Kilometer begrenzt. Die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), forderte schärfere Grenzwerte, um die Feinstaubwerte zu senken. Die Höchstgrenze von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter sollte gesenkt werden.
Autor:
Dirk Fisser, Beate Tenfelde


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