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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vater und Sohn als rechtskundige Bürgermeister
Zwischenüberschrift:
Die Berghoffstraße im Hafen erinnert an eine einflussreiche Kaufmannsfamilie
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hafen. Eine Reihe von Bürgermeistern und Top-Verwaltungsbeamten vergangener Jahrhunderte hat sich auf den Straßenschildern des Osnabrücker Stadtteils Hafen versammelt. Neben Pagenstecher-, Stüve- und Nitzestraße treffen wir zwischen Natruper und Pagenstecherstraße auf die Berghoffstraße.
Dr. jur. Justus Berghoff (1714–1793) war in seinen letzten elf Lebensjahren Bürgermeister der Altstadt. Er entstammt einer wohlhabenden Tuchmacherfamilie, die mannigfach mit anderen bedeutenden Osnabrücker Patrizierfamilien verwandtschaftlich verbandelt war. So gibt es Querverbindungen zu den Familien Stüve und Wöbeking.
Justus Berghoff waren die Juristerei und die Bekleidung öffentlicher Ämter quasi in die Wiege gelegt worden. Schon sein Vater Eberhard (1679–1767) war rechtskundig und Bürgermeister (von 1755 bis 1767). Dessen Amtszeit wurde vom Siebenjährigen Krieg überschattet, in dem die großen europäischen Mächte um die Vorherrschaft in Mitteleuropa rangen. Osnabrück blieb nicht unverschont und erlebte Truppendurchmärsche, die, egal ob von Freund, Feind oder schwer definierbaren Freischärlern, niemals Gutes mit sich brachten.
Im Oktober 1762 nahm Colonel Cambefort an der Spitze eines französischen Freikorps Vater Berghoff in Geiselhaft, um der Stadt eine erhebliche Geldzahlung abzupressen. 400 000 Taler sollten innerhalb einer Stunde dem Kommandanten übergeben werden. Zum Unterstreichen seiner Forderung sperrte er die Vertreter der versammelten Stände ein und drohte, sie zu verschleppen, sollte das Geld nicht rechtzeitig aufgebracht werden. Stiftspfennigmeister Schilgen holte den Landesvorrat an barem Geld herbei, aber das langte bei Weitem nicht. Unter scharfer Bewachung ging Vater Berghoff zu den reichen Kaufleuten der Stadt und bat sie um einen Kredit, damit nicht die ganze Stadt geplündert werde.
Es gelang ihm aber nicht, in der kurzen Zeit die geforderte Summe herbeizuschaffen. So ließ denn Cambefort die versammelten Herren auf zwei offene Postwagen aufsteigen und verfrachtete sie zusammen mit dem beschlagnahmten Geld nach Rheine. Auf Bitten des Sohnes gestattete er allerdings, dass der alte Herr Berghoff mit seinen 83 Jahren in Osnabrück bleiben durfte. Er hätte die raue Behandlung sonst wohl kaum überlebt. An seiner statt stellte Sohn Justus sich selbst freiwillig zur Verfügung und fuhr mit. Erst mit dem Ende der Feindseligkeiten 1763 kam er wieder frei. Ob diese großherzige Tat ihm knapp 20 Jahre später dabei half, selbst in das Amt des ersten Bürgers der Stadt gewählt zu werden, ist nicht bekannt.
Aus der eigentlichen Amtszeit des Justus Berghoff steht nichts Spektakuläres überliefert. 1782 veröffentlichte er das " Osnabrückische und Gemeine Marken-Recht" als juristisches Nachschlagewerk. Im Privaten verstand es Berghoff, Wohlstand und Ansehen zu mehren. Mit dem Bau des 1768 fertiggestellten Wohnhauses Große Straße 43 dokumentierte er dies auch nach außen. Die reich ornamentierte Sandstein-Fassade ist ein herausragendes Beispiel des Rokoko-Stils nach französischem Vorbild, das in Norddeutschland sehr selten ist. Ende des 19. Jahrhunderts bauten neue Eigentümer das Erdgeschoss zu einem Ladengeschäft mit großen Schaufenstern um, das Modegeschäft Finkenstädt und Breusing hielt Einzug. Bis heute ist mit der Firma Holthaus die gleiche Branche in dem denkmalgeschützten Haus vertreten.
Bildtext:
Das heutige Modegeschäft Holthaus wurde 1768 als Wohnhaus für Justus Berghoff gebaut
Dr. jur. Justus Berghoff (1714–1793)
Die Berghoffstraße gehört zum Osnabrücker Stadtteil Hafen.
Fotos:
Klaus Lindemann, Archiv, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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