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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Durch die Keimzelle des Stadtteils
Zwischenüberschrift:
Die kleine, kurvige Straße "Die Eversburg" hat in ihrer Geschichte viel erlebt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eine kleine kurvige Straße, heutzutage bei Autofahrern wegen ihrer kräftigen Aufpflasterungen nicht sonderlich beliebt aber das ist im Sinne der Verkehrsberuhigung durchaus so gewollt –, hat im Laufe ihrer Geschichte eine wichtige Rolle gespielt. Die Straße " Die Eversburg" stellte im 19. Jahrhundert den täglichen Weg dar, den die angeworbenen Harzer Bergleute von ihren Wohnquartieren in der " Colonie Eversheide" zu ihrer Arbeitsstelle Piesberg nahmen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges rollten über " Die Eversburg" dann die ersten Panzer der britischen Besatzer in die Stadt. In den frühen Morgenstunden des 3. April 1945 hatte die Spitze des 3. Royal Tank Regiment, aus dem Raum Lengerich/ Tecklenburg vorrückend, Eversburg erreicht. Da andere Hase- und Kanalbrücken zerstört waren, nahmen die Soldaten Seiner Majestät über Landwehrstraße und " Die Eversburg" den Weg zur Römerbrücke, Baujahr 1718, die wahrscheinlich aufgrund ihrer massiven Bauweise nicht wie andere Brücken gesprengt worden war. Sie bildeten hier einen Brückenkopf, von dem aus die weitere Einkreisung Osnabrücks am Piesberg vorbei zur Oldenburger Landstraße erfolgen konnte.

Der Straßenname " Die Eversburg" deutet an, dass die Straße direkt über das Domänengebiet der früheren Eversburg führt. Die heute etwas unmotiviert erscheinende Krümmung des Straßenverlaufs ist auf die damalige Umgrenzung des Wasserschlosses und auf das Gräftensystem zurückzuführen, das vom Landwehrbach gespeist wurde. Eben dieser Landwehrbach ist auf der alten Fotografie rechts gut zu erkennen, während er sich heute im dichten Ufergehölz weitgehend versteckt. Im Bildvordergrund unterquert der Bach " Die Eversburg", um dann der Straße " Am Mühlenholz" zu folgen und in die Hase zu münden.

1223 hatte das Osnabrücker Domkapitel den Meierhof in der Feldmark Eversfeld erworben. Er wurde zur Sommerresidenz der Dompröpste hergerichtet, aber gegen die häufigen Übergriffe des Grafen von Tecklenburg auch zu einer wehrhaften Burganlage ausgebaut. 1383 ist eine Wasserburg Eversburg erstmals erwähnt.

Nach einer Periode des Verfalls stieg die Eversburg nach dem Dreißigjährigen Krieg zu neuem Glanz auf. 1701 entstand die noch heute erhaltene Burgkapelle. Das großzügige Herrenhaus stand nördlich der Kapelle. Dompropst Ferdinand von Kerssenbrock (1676–1754) war in der langen Reihe von Domherren, die hier residierten, wohl derjenige mit dem größten Einfluss und einem starken Repräsentationsbedürfnis. Das wuchs abermals, als Fürstbischof Clemens August, Erzbischof zu Köln, Bischof zu Paderborn, Regensburg, Münster und Osnabrück, ihn 1747 zu seinem Osnabrücker Statthalter ernannte. Von Kerssenbrock eiferte in seiner Lebensführung seinem Herrn und Fürsten nach. Die Residenz Eversburg galt als " Klein-Versailles", ausgestattet mit 158 Gemälden bekannter italienischer und niederländischer Meister wie Tizian, Rembrandt und Breughel.

Nach von Kerssenbrocks Tod ging die Glanzzeit der Eversburg ihrem Ende entgegen. In den napoleonischen Kriegen mehrfach ausgeplündert, verfiel das Herrenhaus zusehends, sodass es 1840 eingerissen wurde. Die Burgkapelle blieb Pfarrkirche für die wachsende katholische Gemeinde, bis sie 1923 durch den Neubau der Liebfrauenkirche abgelöst wurde. Erinnerungsposten an die barocke Glanzzeit ist neben der Kapelle und der Römerbrücke die Anlage der Petrus allee (heute Rad- und Fußweg parallel zur Klöckner straße), die direkt auf das Wasserschloss zulief. Und schließlich gehörte als Wirtschaftsgebäude jener Hof dazu, der heute die Ausflugsgaststätte " Zur alten Eversburg" beherbergt.

Das Bauland für die Wohnhäuser an der Straße " Die Eversburg" verkauften die letzten Eigentümer dieses Wirtschaftshofes, die Familie Goldkamp.

Die auf den Fotos zu erkennenden Wohnhäuser stammen aus den 1930er-Jahren. In Nummer 7 (zweites Haus von links) wohnte Malermeister Meyer. Haus Nummer 11 (drittes Haus von links) war die Villa des Eierkistenfabrikanten Saeger. Carl Saeger fertigte seine patentierten Holzkisten mit Wellpappeinsätzen nach 1910 an der Straße " Im Rowenhardt" in Büren, nur wenige Hundert Meter westlich der Villa. Mit eigenen Pferdewagen wurden die Produkte zum Eversburger Bahnhof gebracht. Von dort gingen sie überwiegend zu den großen Gütern rechts der Elbe. Mit dem Aufkommen der heute bekannten Eierkartons schwand die Nachfrage nach den soliden Mehrwegbehältern für jeweils 360 oder 500 Eier. Der Enkel des Firmengründers, Erhard Saeger, betrieb die in eine Kartonagenfabrik umgewandelte Firma bis 1992.
Bildtexte:
Vermutlich um 1975 entstand dieses Foto der Straße " Die Eversburg". Im Zuge der Kanalisation ist die Stromversorgung in die Erde gelegt worden, die alten Masten mit den Isolatoren stehen aber noch. Hinten rechts ist die katholische Liebfrauen kirche zu erkennen.
Die heutige Wohnstraße dient auch als Zubringer zur Liebfrauenkirche, zur Kindertagesstätte und zum Gemeindezentrum.
Fotos:
NOZ-Archiv, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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