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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Preis der Erfrischung
 
"Verkäufer schöpfen Zahlungsbereitschaft ab"
Zwischenüberschrift:
Wie teuer ist ein Liter Wasser in Osnabrück?
 
Ein Osnabrücker Marketing-Experte erklärt die Preisdifferenzen zwischen unterschiedlichen Wässern
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Wenn der Osnabrücker morgens zum Kaffee Leitungswasser trinkt, kostet ihn das pro Liter rund einen Cent. Beim abendlichen Kinobesuch zahlt er für das Mineralwasser stolze 8, 20 Euro pro Liter, also 820-mal so viel wie für die Erfrischung am Morgen. Zum Tag des Wassers fragen wir daher: Wie teuer kann ein Liter Wasser in Osnabrück sein?

Heute, am UN-Weltwassertag, beschäftigen sich in Osnabrück 200 Jugendliche mit dem Recht auf Wasser. Im Gegensatz zu Entwicklungsländern ist es in Osnabrück kein Problem, sauberes Trinkwasser zu bekommen. Bei einem Streifzug durch die Stadt fällt allerdings auf: Die Unterschiede beim Preis für die beliebte Erfrischung sind gewaltig.

Leitungswasser

Schon beim Leitungswasser gibt es kleine Differenzen: In der eigenen Wohnung zum Beispiel kostet ein Liter kühles Nass aus der Leitung weniger als einen Cent. Im eigenen Haus ist das etwas mehr. Das liegt daran, dass für ein Einfamilienhaus mehr Wasser von den Stadtwerken bereitgehalten wird als für eine kleinere Wohnung, sagt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer. Für einen Liter Mineralwasser im Restaurant zahlt der Verbraucher dagegen sechs bis sieben Euro. Rechtfertigt die Qualität diese Preisspanne? " Trinkwasser ist das bestkontrollierte Lebensmittel und in keiner Weise schlechter als Mineralwasser", sagt Hörmeyer. An vielen Osnabrücker Schulen stehen daher Trinkwasserbrunnen. Gefördert und gefiltert wird das für die Stadt in drei Wasserwerken im Umland aus dem Grundwasser.

Die Stiftung Warentest hat in einer Mineralwasser-Studie im vergangenen Jahr festgestellt: " Nur wenige Mineralwässer sind mineralstoffreich." Vor allem bei stillem Wasser " besteht oft kein Unterschied zum Trinkwasser".

Wer sich Sorgen um Bleileitungen macht, die möglicherweise noch in alten Gebäuden verbaut sind, kann beim Vermieter nachfragen. Durch Blei gefährdet sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder, deren geistige Entwicklung beeinträchtigt werden kann. Familien können das Wasser aus solchen Rohren beim Landkreis kostenlos überprüfen lassen. Ansonsten gebe es bei fachgerecht verbauten Rohren selten Probleme, sagt Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff. Wenn ein Wasserhahn länger nicht benutzt wurde, sollte man das Wasser am besten etwas länger laufen lassen.

Wer es ganz genau wissen möchte, kann sein Leitungswasser auch im Labor testen lassen: Für 74, 50 Euro bieten beispielsweise die Stadtwerke auf ihrer Internetseite an, das Trinkwasser etwa auf Nitrat-, Kalium- und Calcium-Gehalt hin zu überprüfen.

Mineralwasser

Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 140 Litern im vergangenen Jahr ist Mineralwasser weiterhin der beliebteste Durstlöscher der Deutschen. Das berichtet die Branchenorganisation Verband Deutscher Mineralwasserbrunnen. Die Preisunterschiede dieses Grundnahrungsmittels sind allerdings riesig, wie ein Blick auf die Preisschilder in der Stadt zeigt:

Supermarktwasser

Wer sich in der Mittagspause noch schnell ein Getränk kaufen will, zahlt bei günstigen Wässern umgerechnet 13 Cent pro Liter. Dabei handelt es sich um die Eigenmarken der Supermärkte. Im Edeka an der Johannisstraße stehen die Regale außerdem voll mit Markenwässern. Auf den Liter umgerechnet, kostet da Steinsieker 59 Cent, Vittel schon 66, und Vilsa und Gerolsteiner sind für 79 Cent pro Liter zu haben. An der Spitze stehen Evian und Apollinaris. Die kosten 99 Cent pro Liter.

Regionales Wasser

Da ist " Avanus", das Mineralwasser eines regionalen Anbieters, der das kostbare Nass aus einer Quelle bei Belm bezieht, mit 40 Cent pro Liter im Biosupermarkt noch vergleichsweise günstig.

Avanus steht beispielsweise im Kreishaus und in den Niels-Stensen-Kliniken auf den Konferenztischen. Ist das Produkt besser als Leitungswasser? Das will Firmenchef Norbert Klenke nicht beurteilen. " Das muss jeder für sich selbst entscheiden." Was er aber für sein Mineralwasser festgestellt habe: " Es schmeckt den Leuten besser."

Restaurantwasser

Guter Geschmack ist auch in den Restaurants der Stadt wichtig: Im Rampendahl kostet das Wasser zum Mittagessen gute 6 Euro pro Liter. Gleiches gilt für das Vapiano. Im Rosendahls sind es für Gerolsteiner über 9 Euro. Günstiger ist es bei McDonald′s am Nikolaiort, wenn auch noch teuer im Vergleich zum Hamburger für einen Euro: Für einen Liter Bon aqua zahlt man dort 4, 78 Euro.

Hotelwasser

Der Reisende im Hotel Remarque muss dagegen nicht ganz so tief in die Tasche greifen: In jedem Zimmer steht eine Flasche Gerolsteiner, die 4 Euro pro Liter kostet, und Wasser der Marke Fachingen für umgerechnet 6 Euro. Teuer wird es, wenn der Gast Nachschub wünscht: Wer sich die Flasche Gerolsteiner aus der Küche aufs Zimmer liefern lässt, zahlt 7, 87 Euro pro Liter. Obendrauf kommen 5 Euro für den Zimmerservice.

VfL-Stadionwasser

Wer am Samstag den Besuch im Stadion dem Kino vorzieht und statt Bier Mineralwasser trinken möchte, zahlt 6 Euro für den Liter. Wenn es besonders heiß ist, gibt′s den Liter Salvus aber schon für 2 Euro, sagt Holger Eiken vom VfL Osnabrück.

Flughafenwasser

Obwohl der Flughafen als Ort überteuerter Getränke verschrien ist, kostet der Liter Bonaqua im FMO-Wartebereich nach der Sicherheitskontrolle, vor der man sich aller Flüssigkeiten im Handgepäck entledigen muss, " nur" 5, 10 Euro pro Liter.

Hollywoodwasser

Und wer genug Geld übrig hat, um über 65 Euro für den Liter Gänsewein in Swarovski-verzierter Flasche hinzulegen, kann online das Hollywood-Wasser " Bling H2O" bestellen. Manche Websites geben sogar einen Preis von 123 Euro pro Flasche an.

Auch das angeblich reinste Wasser der Welt, " Cloud Juice", das laut Etikett aus exakt 9750 tasmanischen Regentropfen bestehen soll (Kostenpunkt: 26 Euro pro Flasche), findet sich weit oben auf den Listen der extravagantesten Wässer. Laut dem australischen Firmeninhaber Duncan McFie gibt es das Getränk aktuell aber nicht in Deutschland zu kaufen.

Osnabrück. Wovon hängt es ab, wie viel ein Kunde für einen Liter Wasser bezahlt und wie viel der Händler verlangt? Wir haben mit dem Osnabrücker Marketing-Experten Prof. Bernhard Baumgartner darüber gesprochen.
Warum kaufen die Verbraucher Mineralwasser, wenn Leitungswasser eine ähnliche Qualität hat und viel günstiger ist?
Da kann ich nur spekulieren. Es ist möglich, dass Kunden beim Mineralwasser tatsächlich einen besseren Geschmack wahrnehmen als bei Leitungswasser. Es ist aber auch möglich, dass diese Wahrnehmung mit der Marke oder einer hochwertig anmutenden Verpackung zusammenhängt. Man spricht hier auch von Ausstrahlungseffekten: Bestimmte Eigenschaften werden positiver wahrgenommen, wenn andere hochwertige Eigenschaften, wie die Markenbezeichnung, vorhanden sind. Außerdem könnte es eine Rolle spielen, dass Verbraucher nicht an eine gute Qualität von Leitungswasser glauben und gesundheitliche Schäden, etwa durch Rückstände aus Rohren, befürchten. In einigen Fällen könnten sogar soziale Einflussfaktoren eine Rolle spielen: Gästen wird man, auch wenn man selbst Leitungswasser trinkt, doch eher ein hochwertigeres Mineralwasser anbieten.
Woher kommen die großen Unterschiede bei den Preisen für Mineralwasser?
Die Preise sollen mindestens die Kosten decken. Ein Liter Mineralwasser, der zum Beispiel in Frankreich abgefüllt und dann transportiert wird, verursacht höhere Kosten als ein Liter Leitungswasser. Darüber hinaus will der Händler auch etwas verdienen. Die Höhe der Handelsmargen für Mineralwasser ist mir nicht bekannt. Im Hotel dürften durch Lagerung und Service auch etwas höhere Kosten entstehen als im Supermarkt. Dies wird die Preis unterschiede aber nur zu einem kleinen Teil erklären können.
Welche Gründe spielen noch eine Rolle?
Hersteller und Händler orientieren sich vor allem auch an der Preissensibilität und der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Einige Hersteller verfolgen eine sogenannte Qualitätsstrategie. Sie zielen darauf ab, dass Kunden eine besonders hohe Qualität ihrer Marke wahrnehmen. Die Anbieter, die diese Strategie verfolgen, versuchen das zum Beispiel mit Werbung, hochwertig wirkender Verpackung und Gütesiegeln, wie Testergebnissen von Lebensmittelinstituten. Außerdem bemühen sie sich um Verkaufsstellen, die als hochwertig gelten. Einen Einfluss hat dabei natürlich die Marke. Viele Konsumenten sind bereit, für bekannte Marken, denen sie eine hohe Qualität zusprechen, mehr Geld auszugeben. Andere Anbieter, die eine Strategie der Preisführerschaft verfolgen, betreiben wenig Werbung und verwenden einfachere Verpackungen, um die Kosten niedrig zu halten und ihr Produkt mit einem geringen Preis anbieten zu können. Wenn doch geworben wird, wird nicht die Qualität, sondern der günstige Preis betont.
Warum kostet die gleiche Marke im Restaurant so viel mehr als im Supermarkt?
Bei Mineralwasser ist zu beachten, dass der Endpreis, den der Kunde zahlt, vom Verkäufer, also vom Laden- oder Restaurantbetreiber, festgelegt wird und nicht vom Hersteller. Der Verkäufer betreibt hier eine sogenannte Preisdifferenzierung.
Während ein Gast für eine Flasche Mineralwasser in einem Restaurant auch fünf Euro oder mehr ausgibt, würde ein solcher Preis im Supermarkt nie akzeptiert. Die Verkäufer wissen das und verlangen daher auch unterschiedliche Preise. Sie schöpfen die Zahlungsbereitschaft der Kunden ab. Darüber hi naus entstehen dem Restaurantbetreiber natürlich für den Service auch höhere Kosten, bis die Flasche Wasser am Tisch steht, als einem Supermarkt für eine verkaufte Flasche Wasser entstehen.
Bildtext:
Marketing-Experte Bernhard Baumgartner.
Foto:
privat
Autor:
Stefanie Witte


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