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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vom Industriebau zum Loft-Büro
Zwischenüberschrift:
Wie dem Gebäude an der Liebigstraße 29 neues Leben eingehaucht wurde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. An der Liebigstraße 29 in Osnabrück hat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges getan. Aus dem ehemaligen Industriebau aus dem Jahre 1906, in dem lange Zeit zum Beispiel der Portugiesische Club beheimatet war, hat sich im Innern ein moderner Loft-Bau mit Büros, Konferenzräumen und Ateliers für unterschiedlichste Branchen entwickelt. Ein Besuch.

Er habe das Objekt gesehen und es als " Aufgabe" verstanden, sagt der Osnabrücker Immobiliensanierer Rolf Thörner. Über einen langjährigen Bekannten, den Geschäftsführer von Public Entertainment, Peter Band, sei er überhaupt erst auf die 3400 Quadratmeter große Immobilie im Osnabrücker Stadtteil Gartlage aufmerksam geworden. Gemeinsam seien er und Band Ende 2011 zum Besichtigungstermin gegangen. " Er hat mich mitgenommen, weil er meinte, dass die Immobilie einen erfahrenen Entwickler und Sanierer braucht", berichtet Thörner, selbst Vorstand der Meta AG in der Johannisstraße. " Im Nachhinein muss man sagen, Peter Band hatte zu 100 Prozent recht", resümiert der Immobiliensanierer. Die Liebigstraße 29 war eine besondere Aufgabe.

Ein abgerockter Industriebau mit Rampen und leer stehenden Räumen sollte ein modernes Domizil für Osnabrücker Unternehmen werden. Das Haus selbst sollte dafür stehen bleiben. Einzig im Innenraum der Immobilie sollte saniert und entwickelt werden. Thörner nahm die Aufgabe an, sodass die Meta AG gemeinsam mit Unternehmer Christian Eckstein Ende 2011 das Haus kaufte, um die einzelnen Räume nach erfolgter Sanierung wieder selbst zu nutzen, beziehungsweise neue Nutzer für die freien Flächen zu suchen.

Es waren drei Etagen, die es galt, mit neuem Leben zu füllen. Eine vierte, beinahe komplett gläserne Etage, die heute von Systemgastronom Christian Eckstein für Büro- und Konferenzräume genutzt wird, wurde im Zuge der Sanierung erst neu gebaut. Thörner fasste für die elf verschiedenen Einheiten einen Entschluss, der heute eine zentrale Besonderheit der Immobilie ausmacht: Alle Büroräume und Ateliers durften von den späteren Eigentümern selbst eingerichtet und gestaltet werden. Was zum Beispiel zur Folge hat, dass jedes Büro einen anderen Fußboden hat. Dieses Vorgehen ist durchaus besonders. Oft werden Bauten wie die Liebigstraße 29 einheitlich mit Fußböden und Grundausstattung bestückt. Genau das wollte Thörner jedoch nicht. Ihm schwebte vor, dass die verschiedenen Räume so individuell gestaltet werden sollen, wie darin gearbeitet wird. " Ich kann nur kreativ arbeiten, wenn ich mich wohlfühle." So erzählt bei einem Durchgang durch das Haus schon allein an der Einrichtung einiges über die darin arbeitenden Unternehmen und Menschen.

Im Erdgeschoss befinden sich etwa die Büroräume von Public Entertainment, dem Gestaltungsbüro 22quadrat, dem Yogastudio " 1Raumenergie" und die Therapieräume von Feldenkrais-Therapeut Winfried Haymann. Die Zimmer der Musik-Management-Agentur Public Entertainment befindet sich dort, wo früher, vor 110 Jahren, einmal die Eigentümerwohnung des Hauses war. Die Konsequenz: Die Raumaufteilung ist eher kleinflächig. Viele kleine Räume, in denen die Mitarbeiter meist je alleine sitzen, also keine der inzwischen so weitverbreiteten Großraumbüros. Aber: " Wenn die hier nur Wände sehen würden, kriegten sie ja Depressionen", meint Sanierer Thörner. Sein Vorschlag war daher, die verschiedenen Zimmer durch ein schmales längliches Sichtfenster miteinander zu verbinden. So lässt sich aus dem ersten Büro bis ins vierte hineinschauen. Ein Detail von vielen.

Im ersten Obergeschoss befinden sich die Büroräume der Jugendhilfe Lega S, die Therapie- und Sitzungsräume von Diplom-Psychologe und Coach André Thamm, die Räume des Schmuckdesigners Sebastian & Bauer und die Galerie " Kunst & Genuss". Die meisten Teileigentümer der Immobilie bringen ihre eigenen Geschichten mit in das neue Domizil. So hat Kunstsammler Wolfgang Knaup sich mit der Galerie Kunst & Genuss etwa einen Lebenstraum erfüllt. Jahrelang hat der Osnabrücker als Ingenieur gearbeitet. Leidenschaftlicher Kunstsammler war er jedoch schon immer. Zusammen mit seiner Frau Jutta Knaup hat er sich in der Liebigstraße 29 jetzt eine Galerie geschaffen, in der er Ausstellung, Kunsthandel und Bistro-Atmosphäre miteinander verbindet.

Eine Etage höher arbeiten die Brüder Torsten und Oliver Pracht. Zusammen, Torsten als Grafiker, Oliver als Fotograf, bilden die beiden die Agentur Pracht& Pracht. Seit 15 Jahren arbeiten sie bereits zusammen. Ihre bisherigen Räume in der Johannisstraße haben sie zugunsten ihres neuen Loft-Büros mit Balkon zum Innenhof verlassen. " Geträumt hat man von so einer Loft schon immer", sagt Oliver Pracht. Ein Glück sei es, dass sie in einem der wenigen Objekte, die so etwas in Osnabrück überhaupt bieten, jetzt ihr Büro haben dürfen. Übrigens anders als in allen anderen Räumen haben die Pracht-Brüder sich nicht für einen neuen Holzfußboden entschieden. " Uns ist der Industriefußboden wichtig", betont Torsten Pracht. Hintergrund: Die Brüder sind sich einig, dass es zu Hause gern durch Holzfußboden gemütlich sein darf, auf der Arbeit sollte es anders aussehen. Für Sanierer Thörner ist das völlig in Ordnung: " Jeder soll sich hier selbst entfalten können!" Übrigens haben Oliver und Torsten Pracht die Räume bekommen, in denen früher der Portugiesische Club zu Hause war, der in Osnabrück einmal als gastronomischer Geheimtipp galt.

Im zweiten Obergeschoss sind darüber hinaus auch noch die Räume des Ateliers Höcker und ein Teil der Räume von Systemgastronomie Christian Eckstein untergebracht. Eckstein, dem in der Region mehrere McDonald′s-Läden gehören, hat mit gut 1000 Quadratmetern den größten Einzelbereich, den die Liebigstraße 29 zu bieten hat. Ihm gehört neben einem Teil der zweiten, auch die komplette dritte Etage, in der nicht nur die Lohnbuchhaltung und die Ausbildungsräume untergebracht sind, sondern auch ein Fitnessstudio für die Angestellten.

Im Gegensatz zu den anderen drei Ebenen sind die Räume im dritten Obergeschoss wesentlich niedriger. " Das ist normale Raumhöhe", erklärt Immobilienexperte Thörner mit einem Lächeln. Den Eindruck, den man durch die besonders hohen Räume der anderen Ebenen gewinnt, täuscht. Richtig hoch gebaut ist wieder die vierte Etage, die durch die Restaurierung aufgesetzt worden ist und ebenfalls von Systemgastronom Eckstein genutzt wird.

Nach und nach sind die einzelnen Parteien in den frisch renovierten Bau eingezogen. Die letzten Arbeiten laufen sogar noch. " Ich war die Erste, die eingezogen ist", erzählt Mieterin Ela Brink, die im Erdgeschoss Yoga-Kurse anbietet und ihren Raum " 1Raumenergie" auch für andere Kurse untervermietet. Sie lobt die gute Zusammensetzung der einzelnen Räume. " Das passt ganz hervorragend und wurde von Herrn Thörner wirklich sorgfältig ausgewählt."

Dem Immobiliensanierer scheint das Objekt in vielerlei Hinsicht ein Herzensanliegen zu sein. So hat er in vielen Räumen auch durch kleine i-Tüpfelchen seine Handschrift hinterlassen. Ein Satz historischer Türklinken, die er extra von einem Flohmarkt aus Berlin mitgebracht hat, befindet sich jetzt zum Beispiel in der Yoga-Praxis von Ela Brink.

Eine ganz persönliche Note haben auch die Räume vom Gestaltungsbüro 22quadrat. " Es sollten bewusst gar keine Büroräume werden", sagt Inhaber Patrick Voigt. Ein großer Raum zum Arbeiten, aber auch zum Wohlfühlen sollte herauskommen. Zuvor hätten die ersten Büroräume eher einer alten Studentenwohnung geähnelt. In der Liebigstraße folgte jetzt der Schritt in das erste richtige Büro, das streng genommen ja gar keines werden sollte. Bei der Gestaltung stets im Hinterkopf war das Vorbild der japanischen Kultur. " Wir haben bei der Einrichtung auch vieles selbst gemacht", sagt der Diplom-Designer.

Dies sind nur einige Geschichten von vielen. Auffällig ist: Die einzelnen Parteien der neuen Liebigstraße 29 sind genauso spannend wie das Haus selbst. Damit sich die Osnabrücker selbst ein Bild machen können, soll es in der Liebigstraße 29 demnächst einen Tag der offenen Tür geben.
Bildtexte:
Helle, loftartige Räume und die individuelle Handschrift der einzelnen Eigentümer kennzeichnen die umgebaute Immobilie in der Liebigstraße. Über 100 Fenster wurden ausgewechselt, die Räume individuell gestaltet und die darin beheimateten Branchen aufeinander abgestimmt.
Außen Industrieschick, innen moderner Loft-Bau: Das Gebeute an der Liebigstraße war für Rolf Thörner eine besondere Aufgabe.
Ela Brink war die erste Mieterin, die eingezogen ist und ihr Yogastudio " 1Raumenergie" eröffnet hat.
Traumbüro: Die Brüder Torsten (links) und Oliver Pracht haben ihr Loft mit Industriefußboden eingerichtet.
Ideengeber für das Projekt: Rolf Thörner (links) und Unternehmer Christian Eckstein.
Originelle Türklinken von einem Berliner Flohmarkt.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Stefanie Hiekmann


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