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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Politiker stellen Weichen für Kartbahn am Nettebad
 
Fast alle wollen die Kartbahn am Nettebad
Zwischenüberschrift:
Politiker stellen sich hinter die Pläne für Freizeitstandort – Streit über die Aufgaben der Stadtwerke
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Am Nettebad wollen die Stadtwerke einen Freizeitstandort mit einer Elektro-Kartbahn einrichten. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt brachte das Planungsverfahren jetzt auf den Weg.
Bäderchef Wolfgang Hermle will die Anziehungskraft des Nettebades mit verschiedenen Freizeiteinrichtungen erhöhen, um das Defizit der Bäder zu begrenzen. Von der Politik wird dieser Kurs fast vorbehaltlos unterstützt. Um das Vorhaben umzusetzen, sind die Fraktionen von der CDU bis zu den Grünen bereit, einige ökologische Nachteile und ein höheres Verkehrsaufkommen hinzunehmen.
Ratsherr Ulf-Siegmar Mierke stellte sich als einziger Politiker gegen das Projekt. Dabei ging es ihm nicht nur um Planungsfragen, er warf zugleich die Frage auf, ob die Stadtwerke überhaupt eine Kartbahn betreiben dürften.

Osnabrück. Dürfen die Stadtwerke eine Gokartbahn betreiben? Am Nettebad will das städtische Tochterunternehmen einen groß angelegten Freizeitstandort errichten, mit Elektro-Kartbahnhalle, Biergarten und Kinderbelustigung. Die Politik unterstützt das Vorhaben mit einer Ausnahme.

Einstimmig stellte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hinter die Pläne der Stadtwerke, nur Wulf-Siegmar Mierke (UWG) hielt entschieden dagegen und zwang seinen Ratskollegen eine Grundsatzdiskussion auf. Gegenstand der Abstimmung waren allerdings die Planänderungen, die den Freizeitstandort ermöglichen sollen.

Mit dem Segen der Politiker soll die Bürgerbeteiligung für eine Änderung des Flächennutzungsplans und für die Aufstellung eines Bebauungsplans eingeleitet werden. Mit den Einwendungen wird sich dann der Ausschuss beschäftigen und eine Entscheidung treffen.

Die Initiative für eine Ausweitung des Freizeitangebots am Nettebad kommt von Bäderchef Wolfgang Hermle. Vor allem von der E-Kartbahn erhofft er sich, das Defizit der städtischen Bäder senken zu können. Dabei hat er volle Rückendeckung aus dem Rat.

Aus dem benachbarten Wohngebiet jenseits der Vehrter Landstraße gibt es allerdings starke Vorbehalte gegen Hermles Pläne, weil mit einem höheren Verkehrsaufkommen gerechnet wird, mit Lärm und Flächenversiegelung. Auch die Landwehr, ein kulturgeschichtlich bedeutsamer Schutzwall aus dem 14. und 15. Jahrhundert, könne Schaden nehmen, wie Anwohner mutmaßen.

Die Wohngebäude aus den benachbarten Siedlungen kämen der Landwehr viel näher als das Nettebad, argumentierten die Politiker unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Volker Bajus von den Grünen bekundete zwar, eine Kartbahn löse in seiner Fraktion zwar nicht gerade Begeisterung aus, es sei aber sinnvoll, Freizeitaktivitäten zu bündeln, um das Verkehrsaufkommen und die Umweltauswirkungen zu begrenzen.

Bajus räumte ein, dass Flächen versiegelt werden müssten aber dabei gehe es um einen ökologisch weniger bedeutsamen Maisacker, und hier zähle die grundsätzliche Abwägung. Von der Elektrokartbahn gehe kein Lärm aus, vermerkten andere Politiker wohlwollend, möglicherweise aber vom zusätzlichen Straßenverkehr, doch die Belastung sei zumutbar. " Es gibt eigentlich nichts, was man jetzt noch kritisieren könnte", lautet das Fazit der CDU-Politikerin Anette Meyer zu Strohen.

Das sah Wulf-Siegmar Mierke von der UWG ganz anders. Die Stadtwerke sollten sich " besser um Strom, Gas und Wasser kümmern", lautete seine Fundamentalkritik. Für den Freizeitstandort werde ein grüner Finger geopfert, und alles werde vom Geld der Steuerzahler finanziert. Es bestehe die Gefahr, dass aus dem Projekt eine Fehlinvestition werde mit negativen Folgen für die gesamte Gewinnrechnung der Stadtwerke.

Mit dieser Befürchtung stand Mierke allein da. Selbst Maria-Theresia Sliwka von der sonst eher privatisierungsfreundlichen FDP stellte sich hinter Hermles Konzept und begrüßte es, die Freizeiteinrichtungen zu bündeln. So sah es auch der Grünen-Ratsherr Jens Meier: Nur an diesem Standort sei eine Kartbahn in der Hand der Stadtwerke sinnvoll. Überall sonst müsste man deren Eifer bremsen und sagen: " Das ist nicht eure Aufgabe!"

Diskutieren Sie mit:

Sollten die Stadtwerke eine Kartbahn betreiben?

Mehr über den Freizeitstandort Nettebad, die Pläne und Proteste auf www.noz.de/ kartbahn
Bildtext:
Schnell, aber leise soll es auf der E-Kartbahn zugehen. hier das Sensadrom in Sindelfingen.
Foto:
Sensadrom

Kommentar
Ein Risiko ist dabei

Die Fähigkeit, Geld in den Sand zu setzen, ist keine Frage der politischen Couleur und auch nicht abhängig vom Grad der Zustimmung für ein Projekt. Selbst wenn alle dafür sind, kann die E-Kartbahn ein Flop werden. Deshalb ist es gut, wenn sich wenigstens einer gegen das Vorhaben stellt. Selbst wenn er falsch liegt, fordert er die besseren Argumente heraus.

Dass die Stadtwerke eine Kartbahn betreiben wollen, ist ein aberwitziger Plan. Aber im Zusammenhang betrachtet, kann auch eine verrückte Idee zu einem guten Ergebnis führen. Es wäre genial, wenn der Freizeitstandort am Nettebad das Defizit der städtischen Bäder schrumpfen ließe. Aber in einer Marktwirtschaft muss auch das Scheitern einkalkuliert werden. Das Risiko tragen nur vordergründig die Stadtwerke, im Zweifel sind es die Kunden, die Strom, Gas und Wasser beziehen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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