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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Kröten wandern wieder
Zwischenüberschrift:
Schutzzäune retten Amphibien
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Nicht nur uns Menschen gefällt das frühlingshafte Wetter der vergangenen Tage. Auch Osnabrücks Amphibien freuen sich über die warmen Temperaturen. Jetzt kommen sie aus ihren Erdhöhlen, um zum Laichgewässer zu wandern. Gäbe es nicht die Schutzzäune an den Straßenrändern, würden Tausende Amphibien von Autos überrollt.

Die wechselwarmen Tiere müssen die Straße nicht nur überqueren, sie halten sich auch gerne mitten auf dieser Gefahrenquelle auf, denn sie speichert Wärme, und auf ihr haben sie einen besseren Ausblick als im Laub oder Gehölz. Erdkröten-Männchen können auf der weiten Straße leichter nach Weibchen Ausschau halten, an deren Rücken sie sich jetzt zur Paarungszeit klammern und mittragen lassen.

Insgesamt 3, 6 Kilometer Schutzzäune stehen im Stadtgebiet Osnabrücks, unter anderem in Hellern am Hörner Weg, in Sutthausen an der Rennbahn, am Gartlager Weg und an der Belmer Straße. Im Auftrag der Stadt hat der Verein " Natur unterwegs" aus Westerkappeln die Zäune so aufgebaut, dass sie gut gespannt und in Richtung Anwanderseite der Tiere angeschrägt sind, damit kein Frosch hinüberhüpft. Am Boden sind die Zäune eingegraben, damit keine Kröte darunter herschlüpfen kann. Werden die Tiere nun auf ihrem Weg zum Gewässer durch den Zaun blockiert, wandern sie zur Seite ab, um woanders weiter geradeaus vorwärtszukommen. Dabei fallen sie in die alle zehn Meter im Boden eingelassenen Eimer und kommen von alleine nicht wieder heraus.

" Momentan gehen wir jeden Morgen zwischen 7 und 8 Uhr die Zäune ab und bringen die Amphibien in den Eimern zur nächsten Grünfläche auf der anderen Straßenseite", berichtete Werner Kirchner vom Fachdienst Umwelt und Klimaschutz der Stadt. Unterstützt wird er beim Herübertragen, Arten bestimmen und in Listen registrieren von Robert Tenambergen, der ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, von Praktikanten und vielen Ehrenamtlichen, wie den Studenten vom Luhrmannshof. Die Auswertung der Listen übernimmt der Biologe Dr. Karl Robert Wolf, der im jährlichen Amphibienschutzbericht Schlüsse zieht zum Schutz von Erdkröte und Co. in Osnabrück.

Rund die Hälfte der 64 Eimer an der Belmer Straße hatte er am frühen Dienstagvormittag noch vor sich, als Werner Kirchner einen Teichmolch zwischen den vielen Erdkröten im Eimer fand: " Die Leute, die uns sammeln sehen, reagieren ganz unterschiedlich. Einige fragen interessiert, ob sie die Amphibien auch mal anfassen können, andere ekeln sich eher vor den Kröten. Das kann ich gar nicht verstehen. Ich finde, es sind schöne Tiere mit tollen Augen und interessanten Färbungen."

Von den 13 200 gezählten Tieren im vergangenen Jahr waren 11 500 Erdkröten. Zu anderen wandernden Arten in Osnabrück gehören Grasfrösche, Wasserfrösche, Teichmolche und seltener auch Bergmolche, Kammmolche oder Feuersalamander. " Alle Amphibien sind laut Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Sie dürfen weder getötet noch beeinträchtigt werden. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten stehen unter Schutz", weiß Kirchner.

Die nächtliche Amphibienwanderung setzt im Frühjahr laut dem Experten dann ein, wenn die Temperaturen ein paar Tage lang und auch nachts mindestens fünf Grad erreichen. Wird es zwischendurch wieder kälter, so wie in der letzten Woche, würde die Wanderung gestoppt. " Manchmal dauert es mit Unterbrechungen von Februar bis Mai, bis alle Tiere durch sind, ein anderes Jahr geht das innerhalb von drei Wochen", erklärt Kirchner und prognostiziert den Abschluss der diesjährigen Amphibienwanderung für Ende März, wenn die Temperaturen weiter so mild bleiben.
Bildtexte:
Verschiedenen Amphibienarten hilft Werner Kirchner vom städtischen Fachdienst Umwelt und Klimaschutz über die Straße.
Blick in den Sammeleimer: Nicht zu voll darf er sein, damit kein Tier erdrückt wird. Deswegen wird täglich geleert.
Weiß wohl nicht, wie ihm geschieht. Diesem Erdkrötenmännchen wird persönlich über die Straße geholfen.
Paarungszeit bei den Erdkröten. Die kleineren Männchen klammern sich an die Weibchen und lassen sich so bis zum Gewässer tragen.
Fotos:
Carolin Hlawatsch
Autor:
Carolin Hlawatsch


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