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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schneller auf die Autobahn
Zwischenüberschrift:
Wie die Hansastraße zur Hauptverkehrsachse nach Norden wurde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Häuserzeile kann man wiedererkennen, aber was ist mit der Straßenführung davor passiert? Wo früher die noch unbedeutende Hansastraße in den Hauptstraßenzug Bramscher Straße einmündete, verhält es sich heute umgekehrt. Die Bramscher Straße ist südlich der Haster Mühle zu einer beschaulichen Wohnstraße geworden, auf der selten mehr los ist als auf dem Hasefriedhof, an dem sie entlangführt. Hingegen nimmt die vierspurig ausgebaute Hansa straße nun als Osnabrücks Hauptausfallstraße nach Norden die Masse des Verkehrs auf.

Wie an vielen Stellen in seinem Buch " Die Osnabrücker Straßenbahn" ist dem Fotografen Alfred Spühr hier eine Dokumentation des Stadtbildes geglückt, die er zunächst gar nicht beabsichtigt hatte. Er wollte am 21. Februar 1960 vielmehr eine der letzten Fahrten der Osnabrücker Straßenbahn festhalten. In der Tat fuhr drei Monate später zum letzten Mal ein Straßenbahnzug auf der Linie 2 zwischen Schölerberg und Haste, während auf der Linie 3 (Schinkel–Martiniplatz) das Straßenbahnzeitalter schon im November 1958 und auf der Linie 1 (Hauptbahnhof–Heger Friedhof) im Juni 1959 zu Ende gegangen war.

Unverputzt und etwas provisorisch kommt die Kneipe " Zum Netteeck" im Winkel zwischen Bramscher und Hansastraße daher. Vielleicht zeichnete sich 1960 schon ab, dass die Kreuzung bald eine größere Umgestaltung erfahren würde. Richtig ernst wurde es aber erst 1965. Tiefbauamtsleiter Dahrenmöller gab im Januar die Parole aus, dass " das größte Straßenbauprojekt Osnabrücks nach dem Kriege" nun unverzüglich begonnen werden müsse. Bei einer veranschlagten Bauzeit von zwei Jahren würde sonst womöglich der Bund die " Autobahnauffahrt bei Wallenhorst" fertiggestellt haben und die Stadt hinke mit einer leistungsfähigen Zubringerstraße hinterher. Zehn bis zwölf Millionen D-Mark werde der vierspurige Ausbau vom Inneren Ring am Hasetor bis zur Stadtgrenze verschlingen.

Es sei der Stadt allerdings nicht zumutbar, diese Kosten allein zu tragen, erklärte Dahrenmöller. Zumal in den nächsten Jahren auch die Obere Martinistraße und die Hannoversche Straße " als Hauptverbindungen zur Europastraße 8" (heute: Autobahn 33) ausgebaut werden müssten. Zuschussanträge beim Bund und beim Land seien gestellt, würden aber so langsam bearbeitet, dass der Stadt wohl nichts anderes übrig bleibe, als selbst in Vorleistung zu treten.

Wenn man auf alten Stadtplänen nach der Hansastraße sucht, findet man nur einen Stummel zwischen Hasetor und Wachsbleiche. Am Nord-Hotel endete die Wohnbebauung. Nördlich davon ging die Hansastraße in die Lagerschuppenstraßen längs des Hafenbeckens (Rheinstraße, Hafenstraße, Elbestraße) über. Ein kleiner Weg durch kaum erschlossenes Gartenland etwa im Verlauf der heutigen Hansastraße zeichnet sich erst wieder nördlich des Mühleneschweges ab.

Derartige Freiräume oder nur nachrangig genutzte Flächen parallel zu den alten, für den automobilen Massenverkehr zu engen Ausfallstraßen waren in den 1960er-Jahren ein Segen für die Verkehrsplaner. Dank der neuen Hansastraße konnte man die Straßenschluchten der Bramscher Straße unangetastet lassen, dank der Pagenstecherstraße ebenso den Verlauf der Natruper Straße, dank der Hannoverschen Straße den der Meller Straße, dank Kurt-Schumacher-Damm den des Blumenhaller Weges. Wo das nicht ging, wie etwa im Abschnitt der Bramscher Straße nördlich der Haster Mühle, waren schmerzliche Eingriffe in die alte Bausubstanz nötig. Oder aber man schuf Kompromisse wie im Fall der Martinistraße, die immer wieder aufs Neue zu Verteilungskämpfen zwischen den Verkehrsarten führen.

Dahrenmöllers Appell zeigte Wirkung. Im September 1965 waren die Arbeiten in vollem Gange. Lagerschuppen und andere kleine Gebäude, die der verbreiterten Trasse im Wege standen, wurden " versetzt". Zwischen der Wachsbleiche und dem Mühlenesch waren zwei der vier Fahrspuren bereits asphaltiert. Die Bramscher Straße, der uralte Handelsweg, auf dem als Reichsstraße und später Bundesstraße 68 der Hauptverkehr nach Norden aus Osnabrück abgeführt wurde, konnte sich langsam zur Ruhe setzen.
Bildtexte:
Die Staßenbahnschienen markierten 1960 den Verlauf der Bramscher. Unten mündet die Hansastraße ein, die zwar schon als " Fahrtrichtung" besonders für den Lkw-Verkehr empfolen wird, aber noch nicht ausgebaut ist.
Aus dem " Netteeck" ist der " Grillmaster", aus der untergeordneten Hansastraße die viel befahrene Hauptverkehrsachse geworden
Fotos:
Alfred Spühr/ Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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