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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Unsere Kneipe ist authentisch"
Zwischenüberschrift:
In der Sutthauser Mühle ist die Zeit stehen geblieben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Schankwirtschaft Fritz Voss" ist über dem Eingang des Gaststätte Sutthauser Mühle in stählernen Lettern zu lesen. Tatsächlich durchweht der Geist des Urvaters die 1889 eröffnete Kneipe. In der Sutthauser Mühle scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Die idyllisch gelegene Gaststätte ist tatsächlich eins der ältesten Lokale Osnabrücks. Und sie ist die letzte Kneipe der Hasestadt, die seit der Eröffnung in der Hand derselben Familie liegt. Darauf ist Ines Rudnick stolz. Die 51-Jährige führt die Gastwirtschaft in vierter Generation. Sie sagt, dass der alte Stil erhalten geblieben sei, sei das Verdienst ihrer Mutter Renate Elixmann. Sie ist eine geborene Voss. Ihr Reich ist heute die Küche. Dort bereitet sie noch bis Mitte Februar Grünkohl zu. Eine Speisekarte gibt es in der Sutthauser Mühle übrigens nicht. Speisen schon: Frikadellen, belegte Brote, Strammen Max und Kuchen. Das war′s. " Es ist ja eine Schankwirtschaft so wie es auf dem Schild steht", erklärt die Chefin lächelnd.

" Unsere Kneipe ist authentisch", sagt Ines Rudnick. Ein Blick in die Sutthauser Mühle genügt, um zu verstehen, was sie meint. Alte massive und verglaste Schränke, eine tief hängende Decke im Schankraum und Holzmöbel vermitteln einen Eindruck davon, wie es früher mal in der Gastwirtschaft ausgesehen haben mag. Von den alten Zeiten erzählte ihr übrigens ein 90-jähriger Mann, der vor etwa zwei Jahren in die Sutthauser Mühle kam, berichtet Ines Rudnick. Er zeigte ihr ein Foto, in dem er im Kinderwagen saß. Das Bild wurde im Biergarten aufgenommen.

Einige Stammgäste, die Ines Rudnick noch kennengelernt hat, mussten schon zu Grabe getragen werden. Sie erinnert sich an einen Mann, der immer auf dem gleichen Platz in der Nähe der Theke saß und Pils und Korn trank. Die Ära des Herrengedecks hat sie leibhaftig miterlebt. Ines Rudnick ist in der Kneipe aufgewachsen. Sie und ihre vier Geschwister mussten in der Wirtschaft mithelfen. Sie ist die Einzige, die übrig geblieben ist. " Für mich war früh klar, dass ich die Kneipe irgendwann übernehme", sagt sie. Also machte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, um Butter bei die Fische zu tun.

" Man muss den Ablauf aushalten können. Viele unterschätzen die körperliche Anstrengung", sagt Ines Rudnick über ihren Job. " Man hat einen langen Tag, wird ständig angesprochen und kann sich nicht zurückziehen." Sie sagt es nicht klagend. Sie beschreibt nur den Alltag.

Die Gespräche mit ihren Gästen schätzt Ines Rudnick offensichtlich. Zwar zieht sie eine Grenze vor ihrer Privatsphäre, aber an Diskussionen über Fußball und Politik nimmt sie rege teil. " Die Wirtin spitzt gern die Ohren", feixt Kurt. Der 67-Jährige steht mit Thomas (56) an der Theke, während der Dritte im Bunde, Ludger (70), lieber am Tisch sitzt. " Da müssten eigentlich Fußabdrücke im Boden eingestampft sein", sagt der Senior des Trios. Und damit ist klar: Auf der anderen Seite des Zapfhahns blüht der Flachs. Ludger beeilt sich jedoch, schnell klarzustellen, dass die Ohren der Wirtin nette Lauscher seien.

Die drei Herren kommen allesamt aus Sutthausen in die Mühle, um zu schnacken und Frikadellen zu essen. Das Bier erwähnen sie gar nicht erst. Das gehört selbstverständlich dazu. " Das ist die letzte Kneipe, die wir in Sutthausen haben", sagt Thomas. Die ist auch in England bekannt. Ludger erzählt, dass er mal einen Geschäftspartner von der Insel mit in die Sutthauser Mühle nahm. Dessen distinguierter Kommentar lautete: " Very British." Ludger wird da schon etwas euphorischer: " Das ist ein netter Treffpunkt mit dem schönsten Biergarten weit und breit." Er muss es wissen. Ludger kommt seit 50 Jahren in die Mühle.

Wenn der 70-Jährige erst mal in Fahrt ist, ist er schwer zu stoppen. Die Vorteile der Sutthauser Mühle preist er wortreich an: " Ich mag die Gemütlichkeit, alte Fachwerkhäuser, niedrige Decken." Was er nicht mag, sind helle Bistros, wo es laut ist und voll. Früher sei die Sutthauser Mühle schön verraucht gewesen. " Da musste man nie streichen." Mittlerweile hat er die Glimmstängel in Rente geschickt. " Wir haben damals gar nicht gewusst, dass Rauchen schädlich ist, sondern standen lässig mit der Kippe im Mund da, wie Elvis."

Ludger hat noch mehr Geschichten aus der Sutthauser Mühle drauf: wie er mal während einer Versammlung in die CDU eingetreten ist etwa. Oder wie sie damals mit Theo ... " Ach nee", bremst sich Ludger", " das erzähle ich lieber nicht. Sonst lande ich noch im Gefängnis."
Bildtexte:
Der Flachs blüht, wenn Ludger (links) mit Kurt (rechts) und Thomas an der Theke steht.
Das Erbe von Fritz Voss führen Ines Rudnick und ihre Mutter Renate Elixmann weiter.
Alte Möbel zeugen von langer Tradition.
Fotos:
Elvira Parton
Autor:
Thomas Wübker


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