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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Alte Steine zum Reden gebracht
Zwischenüberschrift:
Nikolaus Demann war fast 30 Jahre Dombaumeister des Bistums Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Am Osnabrücker Dom haben Generationen gebaut. Und es gehört wenig Prophetengabe zu der Aussage, dass diese Aufgabe wohl niemals aufhört. " Baupflege" sei seine Aufgabe gewesen, sagt denn auch der Architekt Nikolaus Demann auch wenn er dabei den klingenden Titel " Dombaumeister" trug. Zum Jahreswechsel ist Nikolaus Demann in den Ruhestand getreten. Und im Rückblick auf seine annähernd 30 Jahre im Bauwesen des Bistums Osnabrück zeigt sich denn auch, dass das Wort von der " Baupflege" eine gehörige Untertreibung darstellt.

Nikolaus Demann kam 1984 vom Erzbistum Paderborn nach Osnabrück. Eine seiner ersten Aufgaben im damals größten katholischen Flächenbistum in Deutschland war der Bau einer Garnisonskirche für die Bundeswehr in List auf Sylt. Spätestens als nach der Wende die Diözese Osnabrück verkleinert wurde und das Erzbistum Hamburg entstand, rückte aber der Petrus-Dom in Osnabrück selbst ins Zentrum seiner Arbeit. Wobei am Anfang der mehrjährigen Sanierung des Domes eine eher nüchterne Überlegung stand: Als nämlich Anfang der Neunzigerjahre während einer Messe ein handtellergroßer Putzbrocken von der Seitenwand auf die Kanzel und von dort auf den Hut einer Gottesdienstbesucherin plumpste, spätestens da setzte sich die Erkenntnis durch: Der Dom musste – " schon wieder", wie Demann zwischenhin sagte, weil die letzte Sanierung erst 1982 stattgefunden hatte gründlich kuriert werden. Aber diesmal sollte der Patient bitte ganzheitlich und nicht nur an seinen Symptomen behandelt werden.

Also wurde zunächst einmal der Baukörper vermessen und jeder Stein der Fassade katalogisiert. Eine Arbeit, der wir die nur auf den ersten Blick banale, aber letztlich grundlegende Erkenntnis verdanken, dass der Petrus-Dom genau 95, 98 Meter lang und am Westwerk 31, 66 Meter, am Querhaus aber 46, 29 Meter breit ist. Er habe " Steine zum Reden bringen müssen", sagte Demann einmal, als es um die Aufnahme der Bauschäden ging, um die Spätfolgen der Kriegszerstörung ebenso wie um die Hinterlassenschaften seiner ebenso wohlmeinenden wie ahnungslosen Vorgänger, die mit Konstruktionen aus Eisenankern und Maschendraht, aus Zement und Beton dem mittelalterlichen Bau eine Art " Steinersatz" anmodelliert hatten. Nach solchen Irrtümern hat sich in seiner Zunft heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass Naturstein-Fassaden eben nur mit Natursteinen der gleichen Qualität und Herkunft saniert werden dürfen, so der Dombaumeister im Rückblick.

Von 1996 bis 2009 wurde mit Unterbrechungen immer wieder im und am Hohen Dom zu Osnabrück gebaut. Vom Dachstuhl bis zu den Fundamenten, vom Chorumgang bis zur Westfassade reichte das Arbeitsprogramm. Und die Gesamtkosten beliefen sich die neue Orgel im Westwerk eingeschlossen auf rund acht Millionen Euro. Neben aller " Baupflege" an der romanischen Basilika waren dabei der neue Windfang und die im schweizerischen Ort Männedorf am Zürichsee gebaute Kuhn-Orgel die vielleicht wichtigsten Zutaten der gegenwärtigen Generation. Die Türen zu diesem Windfang sind aus Alabaster und lassen das Licht herein, sie öffnen den nach Osten gerichteten geistlichen Kirchenraum zugleich nach Westen hin, in die Sphäre der Stadt. Dahinter steht ein im weitesten Sinne theologisches Programm, das seit dem Mittelalter Kirche und Gesellschaft stets als zusammengehörig betrachtet hat und dies auch mit der Abfolge von Straßen und Plätzen, von Gotteshäusern und Rathaus im Stadtbild sichtbar machte.

Nikolaus Demann, der schon in seinem Architekturstudium einen Schwerpunkt auf städtebauliche Fragen legte, waren solche Zusammenhänge bei seiner Arbeit stets besonders wichtig. Deshalb ging er auch in die Kommunalpolitik, war lange Jahre im Ortsrat Darum/ Gretesch/ Lüstringen und dann zehn Jahre im Rat der Stadt. Da allerdings zieht er ein ziemlich frustrierendes Fazit. Wenn heute zum Beispiel nur noch über ein Einkaufszentrum am Neumarkt diskutiert werde, dann sei das der städtebaulichen Bedeutung der zentralen Ost-West-Achse vom Berliner Platz bis zum Schloss überhaupt nicht angemessen: " Vieles ist da zerredet worden", sagt Demann heute, enttäuscht von der mangelnden Gestaltungskraft in der Kommunalpolitik.
Bildtext:
Dauerbaustelle Dom: Nikolaus Demann hat als Dombaumeister fast 30 Jahre lang Verantwortung für dieses Gotteshaus getragen.
Foto:
Hermann Pentermann
Autor:
Frank Henrichvark


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