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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Über Kreuz mit der Landeskirche
Zwischenüberschrift:
Der Bau der evangelischen Kirche in Eversburg als ständiger Zankapfel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Heile Welt in Eversburg das scheint die Ansichtskarte aus der Zeit um 1910 anzudeuten. Hier das schmucke Kirchlein, dort das fast genauso große Pfarrhaus, beide in sorgsam nachkolorierter Farbgebung, aber keine Häuser, in denen die Gemeindemitglieder wohnen, keine Industrieschlote, keine lärmenden Verkehrswege. Fast könnte man meinen, der Gottesstaat auf Erden ist wahr geworden.

Aber ganz so einträchtig und beschaulich waren die Verhältnisse natürlich nicht. Um die Errichtung eines Gotteshauses in der Eversheide war hart gerungen worden. Die Leitung der evangelisch-lutherischen Kirche in der Provinz Hannover, das Landesconsistorium, war häufig anderer Meinung als der Kirchenvorstand von St. Marien, zu der die Evangelischen in Eversburg damals gehörten.

In einer " Erektionsurkunde" wurde St. Marien 1896 die vierte Predigerstelle zugesprochen, aber mit der klaren Zweckbestimmung, dass der neue Amtsbruder den Pfarrbezirk Eversheide aufbauen solle. 1898 schließlich wird Pastor Goudefroy als vierter Marien-Pastor eingeführt. Der Magistrat genehmigt ihm, die Turnhalle der Schule in der Eversheide für Gottesdienste zu nutzen. Goudefroy und seine Familie bekommen eine kleine Pfarrwohnung im renovierten Haus Eversheide 24 zugewiesen.

Doch die dortigen Wohnverhältnisse erscheinen auch dem Kirchenvorstand auf Dauer nicht tragbar. 1904 beantragt er den Bau eines Pfarrhauses auf dem Grundstück Kirchstraße 3. Obwohl die eingereichten Baupläne von dem Consistorial-Bau meister verheerend kritisiert werden, beginnt man zu bauen. Die Genehmigungsurkunde trifft ein, als die Baugrube bereits ausgehoben und die Fundamente gelegt sind. Das Pfarrhaus in seiner bis heute erhaltenen Gestalt entsteht 1904/ 05.

Goudefroy hat nicht lange Freude an dem neuen Pfarrhaus. Er steigt auf die dritte Pfarrstelle an St. Marien auf und ist fortan für die Neustadt zuständig. Sein Nachfolger in der Eversheide wird Friedrich Grußendorf. Der bleibt bis 1939 der evangelische Pastor in Eversburg. Als glaubensstarker Mann, aber auch einer mit Ecken und Kanten, sollte er das Gemeindeleben entscheidend prägen.

Zunächst einmal legt er sich mit dem Schulleiter an. Die Hampelei mit den Kirchenbänken und dem Harmonium, die in die Turnhalle hinein- und dann wieder in den Schuppen hinausgeschleppt werden mussten, war ihm zuwider. Der Wunsch reifte in ihm, eine eigene Kapelle für die Eversburger Gemeinde zu bauen.

Da traf es sich günstig, dass ein neues Schulgesetz die Erweiterung der vorhandenen Schulen forderte. Angeblich sollte auch die Turnhalle der Eversburger Schule umgebaut werden. Grußendorf schreckte den Kirchenvorstand von St. Marien mit dem Szenario auf, dass er bald mitsamt seinen Kirchenbänken auf der Straße stehe, wenn nicht ganz schnell mit dem Bau der Kapelle begonnen werde. Noch bevor Genehmigungen und Finanzierungszusagen eingetroffen waren, fing er einfach an. Einen Bauplatz hatte er schon ausgeguckt: die freie Stelle neben dem Pfarrhaus an der Kirchstraße. Grußendorf besuchte den Hüttendirektor Haarmann und machte mit ihm den Gratis-Bezug von Piesberger Steinen für den Bau klar. Unter tatkräftiger Mithilfe von Gemeindemitgliedern unter ihnen etliche, die er zuvor aus den Fängen der Alkoholsucht befreit hatte nahm die " Kapelle von St. Marien" Gestalt an und wurde schon an Palmarum im April 1909 geweiht.

Wiederum war ohne den Segen der Kirchenleitung gebaut worden. Der Consistorial-Baumeister kritisierte, dass Grußendorfs Pläne keinen Platz für Kanzel, Orgel und Sakristei ließen und dass der chorartige Abschluss an das Kirchenschiff und nicht an den Konfirmandensaal gehört hätte. Zu spät. Hannover sprach eine förmliche Missbilligung aus und strich 12 500 Mark an Zuschüssen das war mehr als ein Drittel der gesamten Bausumme.

1939 folgte auf Grußendorf Pastor Meyer. Unter Meyers Ägide wurde der Marien-Pfarrbezirk " Feldmark Eversheide" zur eigenständigen Kirchengemeinde ernannt, der sich im September 1940 den Namen St. Michaelis gab. Im Krieg schlug eine Bombe zwischen Kapelle und Pfarrhaus ein. Das führte zu Beschädigungen, die aber reparabel waren. 1950 beschloss der Kirchenvorstand, aus der Kapelle eine " richtige" Kirche zu machen. Der Gottesdienstsaal bekam eine Apsis für den Altar und zur Kirchstraße hin einen Turm. Da das alte Kirchenschiff als unverhältnismäßig schmal und niedrig empfunden wurde, wollte man es hinter einer vernünftigen Straßenfront″ verstecken. Dazu musste das Turmbauwerk in die Breite gehen. So erhielt der Hauptturm noch zwei Nebentürmchen an die Seiten gestellt. Ostern 1953 empfing die Michaeliskirche in ihrer heutigen Form die Weihe durch Landes bischof Lilje. Jetzt endlich war die Landeskirche mit dem Bauwerk versöhnt.
Bildtexte:
Marienkapelle und Pfarrhaus an der Kirchstraße in Eversburg, um 1910.
Seit 1953 hat die Michaeliskirche endlich einen " richtigen" Turm.
Fotos: Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken/ Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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