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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dörflicher Charme im alten Haste
Zwischenüberschrift:
1955 stand noch das Volksschulgebäude von 1784
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor 60 Jahren war es in Haste noch wie auf dem Dorf. Zwischen den Schwerpunkten der Besiedlung an der Bramscher Straße, an der hier abgebildeten Hardinghausstraße und am Haster Berg lagen weite Wiesen und Äcker. Die Straßen hatten überwiegend keine Asphaltdecke und keine befestigten Gehwege. Wenn mal ein VW Käfer des Weges kam, saß mit hoher Wahrscheinlichkeit der Haster Landarzt Dr. Hermann Moormann darin, der nach " seinen Kranken" schaute.

Optischer Anker beim Bildvergleich ist die Christus-König-Kirche in der Bildmitte. Der Bau aus gelbem Muschelkalkstein wurde 1933 begonnen und im Oktober 1934 von Erzbischof Wilhelm Berning geweiht. Wesentlicher Motor für den Bau war Kaplan Wilhelm von Euch, der ab 1924 im Auftrag der Domgemeinde den Hastern die Messe las, und zwar in der Klosterkirche der Ursulinen an der Bramstraße. Das war zwar schon einmal bequemer, als den weiten Weg zum Dom gehen zu müssen, aber der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus für den Haster Pfarrbezirk wurde dennoch immer stärker. 1927 war der Bauplatz gefunden. Grundeigentümer Karl Osterhaus stellte das Sportplatzgelände gegenüber seinem Gasthaus zur Verfügung, nachdem ihm ein gleichwertiges Tauschgrundstück angeboten worden war. Architekt Albert Feldwisch-Drentrup entwarf den Kirchbau, und zahlreiche Haster leisteten freiwillig Hand- und Spanndienste oder Geld- und Sachspenden.

Auf dem Foto ist unterhalb des Kirchturms die Gastwirtschaft Osterhaus mit dem Saalanbau zu erkennen. Sie war schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugslokal, aber auch einer der Mittelpunkte des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Haste. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wussten Pennälerverbindungen die Kegelbahn zu schätzen. In den letzten Jahren hat Osterhaus auf der anderen Seite der Bramstraße das Landhaus-Hotel″ gebaut und das gastronomische Angebot erweitert.

Auf dem alten Foto ist links oberhalb des VW Käfer die Seitenfront der Haster Volksschule zu sehen. Nach den Anfängen des Haster Schulwesens ab 1740 in einem Heuerhaus stellte dieser einklassige Bau von 1784 den ersten reinen Schulbau in Haste dar. Zunächst als großer Fortschritt begrüßt, erwies er sich schon bald als viel zu klein. Deshalb trat 1874 ein weiteres Schulgebäude hinzu, das 1903 durch Aufsetzen eines zweiten Stockwerks auf sechs Klassen erweitert wurde.

Im November 1944 mussten vier Klassenräume für 200 holländische Zwangsarbeiter geräumt werden, die im Auftrag der " Organisation Todt" die Umgehungsbahnstrecke zu bauen hatten. Um den ständig bombardierten Osnabrücker Bahn-Knoten zu entlasten, hatte man eine Verbindung von Eversburg (Strecke nach Rheine) zum Hunteburger Weg (Strecke nach Bremen) projektiert, die quer durch Haste führte. Deutsche Einheiten hatten die Männer im Raum Hilversum direkt von der Straße weg deportiert. Die Unterbringung auf engstem Raum in der Zwergschule war noch nicht das Schlimmste ohne Arbeitskleidung und vernünftiges Schuhwerk mussten sie unter unmenschlichen Bedingungen Schwerarbeit leisten. Wido Spratte schreibt in der Haster Chronik: " Ihre Behandlung durch die Aufseher führte wiederholt zu Unmutsäußerungen Haster Bürger, die sich ihren Sinn für Recht und Unrecht bewahrt hatten […]. Zu ihnen gehörte Georg Wöstmann, der einen Aufseher laut anschrie, als er beobachtete, wie ein offensichtlich kranker Holländer zusammengeschlagen wurde." Viele Haster hätten den Zwangsarbeitern heimlich Essen und Kleidung zugesteckt. Die 200 Männer aus Hilversum honorierten das nach dem Krieg. Über ihren Pfarrer ließen sie der Haster Bevölkerung mitteilen, dass sie in dem halben Jahr ihres Zwangsaufenthalts " von manchen Einwohnern Ihrer Gemeinde" sowie vom Angela-Kloster und dem Gut Nette viel Hilfe und Beistand erfahren hätten. " Für diese Beweise der uns erwiesenen Nächstenliebe, welche viel zur Milderung unseres schweren Leids beigetragen haben, ist es uns ein Bedürfnis, unsern aufrichtigen Dank zu bezeugen", schrieben sie in einer Botschaft, die Weihnachten 1946 in der Christus-König-Kirche verlesen wurde.

Die alten Schulgebäude überstanden den Krieg nahezu unbeschädigt. In den Jahren 1946 bis 1949 stieg die Schülerzahl durch den Zuzug Vertriebener auf 867 an. Die Raumverhältnisse wurden unzumutbar. 1962 begannen die Vorplanungen für einen Neubau am Ruller Weg (später Saßnitzer Straße), der im August 1967 eingeweiht wurde. Noch im selben Jahr machte der Abrissbagger den alten Schulkomplex platt. Damit war Platz für die heutige Bebauung mit Supermarkt und Tankstelle geschaffen worden. Die alte Schulstraße trug mittlerweile über den Umweg der Albert-Leo-Schlageter-Straße während der NS-Zeit den Namen Hardinghausstraße, benannt nach dem letzten Bürgermeister Hastes vor der Eingemeindung nach Osnabrück.
Bildtexte:
Die Hardinghausstraße war im Winter 1955 ein besserer Feldweg. Oberhalb des VW Käfer sind drei Fenster der Haster Volksschule zu erkennen.
Von der ursprünglichen Bebauung ist fast nichts mehr übrig. Nur die Christus-König-Kirche ist geblieben.
Foto:
Horst Marx, aus: Bildband Osnabrück-Haste, Hrsg. Wido Spratte, Wenner 2008.
Gründel
Autor:
Joachim Dierks


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