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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bauordnung bis zum Limit ausgereizt
Zwischenüberschrift:
Streit um die Dimensionen eines Neubaus am Westerberg – Stadt hat keine Einwände
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Ein freier Bauplatz auf dem Westerberg ist ähnlich selten wie eine Blaue Mauritius. Da liegt es im Trend, ein bebautes Grundstück zu kaufen, den Bagger zu bestellen und die Bauvorschriften bis zum Maximum auszureizen. Am Richard-Strauss-Weg wird über ein solches Bauprojekt gerade heftig diskutiert. Aber aus Sicht der Stadt ist nichts daran auszusetzen.

Der Richard-Strauss-Weg gehört zu den begehrtesten Wohnlagen auf dem Westerberg, zumal die Grundstücke an der Nordseite direkt an den grünen Finger grenzen. Zu ihnen gehört auch die Nr. 3 mit dem umstrittenen Neubau. Der fällt mit seinen Abmessungen sichtbar aus dem Rahmen der benachbarten 60er- und 70er-Jahre-Häuser, die sich eher am Bungalow-Format orientieren.

" Das neue Haus passt nicht in diese Umgebung", sagt eine Nachbarin vom Richard-Strauss-Weg. " Überdimensioniert", nennt ihr Mann den Baukörper, der anstelle eines 60er-Jahre-Eigenheims aus dem felsigen Boden wächst. " Monströs" findet die Spaziergängerin Karin Augustin den Neubau, der ihr jedes Mal auffällt, wenn sie mit ihrem Hund über den Westerberg geht. Da habe sich die Bauverwaltung wohl kreativ an der Suche nach Lücken im Baurecht beteiligt.

Das sehen die Verantwortlichen der Stadt anders. Für Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs Städtebau, ist das Gebäude absolut kompatibel mit den Vorschriften. Von außen seien zwar drei Geschosse sichtbar, im planungsrechtlichen Sinne handle es sich jedoch um eine eingeschossige Bauweise. Und die schreibe der Bebauungsplan aus den 60er-Jahren vor. Etwas komplizierter sei es gewesen, das Limit für die Geschossflächenzahl festzulegen. Sie bezeichnet das Verhältnis der gesamten Geschossfläche auf einem Grundstück zur Fläche des Baugrundstücks. Für den Richard-Strauss-Weg liegt diese Zahl bei 0, 3. Mit anderen Worten: Die Summe der anrechenbaren Geschossflächen darf nicht größer sein als 30 Prozent der Grundstücksfläche.

Sie ist es aber doch, und das mit amtlichem Segen der Stadt. Am Berechnungsmodus habe sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert, sagt Schürings. Deshalb gestehe die Stadt dem Bauherrn eine " ganz leichte Überschreitung auf 0, 36" zu.

Auch an der Höhe des Neubaus gebe es nichts zu beanstanden, vermerkt der Fachbereichsleiter. Sie entspreche dem Bebauungsplan. Und die Dimensionen seien ebenfalls in Ordnung. Es handle sich um ein " Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung".

Da wittert sogar der Bauherr Untertreibung. Was die Stadt als Einliegerwohnung deklariere, sei " schon eine richtige Wohnung", sagt er, 150 Quadratmeter groß, mit Doppelgarage und Gartenanteil. Wenn das Haus überdimensioniert erscheine, müsse berücksichtigt werden, dass es " in den Hang hineingebaut" worden sei. Der Vorgängerbau aus den 60er-Jahren habe sich nicht für zeitgemäßes Wohnen angeboten. Er sei völlig verschimmelt″ gewesen. Da habe sich die Frage nach einem Erhalt gar nicht gestellt.

Am Westerberg sind in den vergangenen Jahren mehrfach Häuser abgerissen worden, um Platz für repräsentative Villen zu schaffen, die meist deutlich größer ausfallen als ihre Vorgängerbauten, etwa an der Wilhelmstraße oder An der Muesenburg. Am Richard-Strauss-Weg fürchten Anwohner, dass der Neubau mit der Hausnummer 3 erst den Anfang einer neuen Entwicklung markieren könnte. Es zeichnet sich schon ab, dass einige Nachbarhäuser ebenfalls aufgegeben werden könnten, wenn deren hochbetagte Bewohner nicht mehr leben.

Das hat auch Auswirkungen auf den Blick vom Westerberg in die Landschaft. Wer vom Kammweg nach Süden schaut, kann über die meist flachen Häuser vom Richard-Strauss-Weg noch relativ ungestört hinwegblicken, nur einzelne Gebäudeteile ragen höher auf. Mit dem neuen Komplex verschiebt sich die Sichtkante nach oben. Folgen andere Bauherren diesem Beispiel, dann könnte sich die Häuserzeile zu einem nahezu geschlossenen Block entwickeln.
Bildtext:
" Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung": So nennt der Fachbereich Städtebau das Neubauprojekt am Richard-Strauss-Weg. Eine Definition, die selbst dem Bauherrn als Untertreibung erscheint.
Foto:
Klaus Lindemann

Kommentar
Wo ist der freie Blick geblieben?

Schon vor 90 Jahren war die Bebauung am Westerberg ein sensibles Thema. Um den Blick in die Landschaft nicht zu gefährden, ließ die Stadt sogar Holzgerüste aufstellen, um die Höhe der geplanten Häuser zu simulieren. Erst danach durfte gebaut werden.

Damals ging es noch gar nicht um die höheren Lagen, sondern um Grundstücke, die 20 Meter tiefer liegen. Inzwischen ist der Grüne Finger Stück für Stück abgenagt worden, und von einem freien Blick kann kaum mehr die Rede sein. Wenn Bürger und Politiker die Bauverwaltung nicht an die kurze Leine nehmen, wird diese Entwicklung unvermindert weitergehen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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