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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Karls Kamm ein Fall für den Zoll
Zwischenüberschrift:
Schnitzerei wieder in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Elefant ist zwar schon mehr als 1000 Jahre tot, doch die kunstvoll zum " Kamm Karls des Großen" verarbeiteten Überreste seines Stoßzahns fallen heute unter das " Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen" (CITES). Damit wurde das gute Stück in den letzten Tagen ein Fall für den deutschen Zoll sowie das Züricher Veterinäramt.
Als vermeintliches Geschenk Karls des Großen brachte es die kostbare Elfenbeinschnitzerei seit dem 17. Jahrhundert in Osnabrück und darüber hinaus zu einiger Berühmtheit. Zwar hat der Kaiser sie nie selbst in Händen gehalten, weil sie erst über ein Jahrhundert nach seinem Tod entstand. Doch das Osnabrücker Domkapitel gab das eindrucksvolle Werk zusammen mit seltenen Schachspielsteinen aus dem 10. und 12. Jahrhundert sowie einem alten Bischofsstab spätestens seit 1613 als Geschenke Karls für die Kathedrale aus, um so im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzungen und vor allem in Konkurrenz mit dem evangelischen Stadtrat um den Nachweis besonderer Gunst Karls zu punkten.
Kulturtouristen wie der französische Abbé Claude Joly im Jahr 1646 bestaunten die vermeintlichen Karlsgeschenke in großer Ergriffenheit, und eine Vielzahl jährlicher Leihanfragen von Museen aus dem In- und Ausland macht sowohl den Kamm als auch das Schachspiel zu einem kulturellen Exportschlager Osnabrücks. Lehnt das Diözesanmuseum die meisten dieser Wünsche ab, so gab es 2013 dem Schweizer Nationalmuseum in Zürich für die Sonderausstellung " Karl der Große und die Schweiz" eine Zusage.
Wenn der " Karlskamm" auf Reisen geht, transportiert ihn eine fachlich versierte Spedition begleitet vom Restaurator Uwe Schuchardt aus Hildesheim als verantwortlicher Kurier. Bei Ausstellungen im Ausland kommt zusätzlich der Zoll ins Spiel: Das wertvolle Stück wird in seiner Transportkiste verplombt und mit Fracht- und Zolldokumenten ausgestattet, die gemäß der sogenannten CITES-Regeln ausgestellt werden.
Bei seiner Ankunft in Zürich im September 2013 sowie bei seiner Abreise in dieser Woche war es indes nicht der Zoll, der Uwe Schuchardt abfertigte, sondern die in der Schweiz dafür zuständigen staatlichen Tierärzte. Diese verplombten den Kamm für den Rücktransport, den zunächst der deutsche Zoll in Singen beim Grenzübertritt im Blick auf den Artenschutz überwachte.
André Pfob, Einfuhrleiter und zugleich stellvertretender Chef des Osnabrücker Zollamtes, prüfte schließlich im Diözesanmuseum, ob " Karls Kamm" auch tatsächlich vorschriftsmäßig in Osnabrück angekommen war. Uwe Schuchardt installierte ihn sodann fachgerecht in seiner angestammten Vitrine, wo er inzwischen zu einem begehrten Blickfang der aktuellen Ausstellung Karl der Große und Osnabrück″ wurde. Für Schulklassen sowie Kinder- und Jugendgruppen bietet das Diözesanmuseum ein museumspädagogisches Programm zur Karls ausstellung, das einen spannenden Einblick in die Zeit des Kaisers sowie seine Bezüge zu Osnabrück gewährt. Donnerstags um 18 Uhr finden öffentliche Führungen statt.
Infos unter Telefon 05 41/ 31 84 81.
Bildtext:
Unter Aufsicht von Zoll-Einfuhrleiter André Pfob (2.von rechts) und Museumsdirektor Dr. Hermann Queckenstedt entnimmt Restaurator Uwe Schuchardt den liturgischen Kamm (oben) der Transportkiste. Mit im Bild Zollbeamter Johann Senkleider (rechts) und Praktikant Nils Voltermann (links).
Fotos:
Hermann Pentermann/ Diözesanmuseum Osnabrück
Autor:
Hermann Queckenstedt


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