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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eine freie Schule für freie Schüler
 
Initiative plant freie Schule
Zwischenüberschrift:
Sarah Rose möchte einen anderen Unterricht für ihren Sohn
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Viele Eltern haben an Schule etwas auszusetzen. Bei manchen erschöpft sich die Unmutsartikulation in bloßem Gemecker, andere packen den Stier bei den Hörnern und versuchen neue Wege zu beschreiten. Sarah Rose gehört zur letzten Kategorie. Sie möchte in Osnabrück eine freie Schule gründen, in der Kinder anders lernen als in einer herkömmlichen Grundschule.

Sarah Roses Sohn Gawain ist jetzt viereinhalb Jahre alt. Wenn er in etwa zwei Jahren zur Schule kommt, soll das Projekt " Freie Schule Osnabrück" mit der ersten Klasse starten. Das jedenfalls ist das Ziel der engagierten Mutter. Ihre Beweggründe? " Ich will nicht, dass mein Sohn an einer Regelschule verheizt wird." Grundschulen im klassischen Sinne hielten strikt an ihrer Selektionsfunktion fest, so Rose. " Das ist mir unsympathisch." Schule schaffe es derzeit nicht, Kindern das Gefühl zu geben, dass sie gefestigt sind und sich so auch mutig Unbekanntem und Neuem ohne Zweifel nähern können.

Leistungsdruck auf der einen und die Forderung nach sozial kompatiblem Verhalten auf der anderen Seite zwinge Kinder in der Schule in eine permanente Ambivalenz. Sie seien gezwungen, in jedem Fach nach guten Noten zu streben. Eigene Interessen und die der Mitschüler würden in den Hintergrund gedrängt. " Kinder müssen es auch okay finden, einmal etwas nicht zu können. Das verhilft ihnen zu einer gesunden Selbsteinschätzung."

Kinder hätten von Natur aus einen " großen Wissensdurst", aber eben durchaus zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedlichen Gebieten. In der herkömmlichen Schule aber gebe es immer einen Lehrgang, der dann für alle gelte. Das könne die Leidenschaft für das Lernen kaputt machen. Rose sieht auch einen gesellschaftspolitischen Schaden, den Unterricht und Schule in ihrer momentanen Form anrichten. " Es geht uns viel Potenzial verloren, wenn wir so früh selektieren, ohne dass zuvor die Interessen und Stärken der Einzelnen überhaupt in Betracht gezogen wurden."

Freie Schulen hingegen setzen fast ausschließlich auf den Wissensdrang und den Eigenantrieb der Kinder. Lernen findet hier nicht nach Lehr- und Stundenplan statt. Die Interessen der Kinder sind es, die den Tagesablauf bestimmen. Rose orientiert sich an der Bildungsschule Harzberg. Hier bestimmen die Kinder, was und wie sie lernen. " Das Besondere des Konzepts der Bildungsschule ist die hochgradige Individualisierung des Unterrichts. Jedes Kind wird individuell gefördert und gefordert und bestimmt innerhalb des offenen Curriculums selbst, was und wie es lernt", heißt es auf der Homepage der Schule.

Das pädagogische Konzept der Bildungsschule Harzberg würde Rose gerne auch in Osnabrück umsetzen. Sie hängt dabei keinen Fantastereien nach, sondern geht das Thema vielmehr konzentriert an Weiterbildungen beim Bundesverband für alternative Schulen inklusive. " Ich möchte zunächst einmal sehen, wie groß das Interesse in Osnabrück an einer freien Schule ist", sagt die engagierte Mutter. Ein erster ohne großen Werbeaufwand initiierter Infoabend zeigte mit 15 interessierten Eltern ein positives Echo. Am Sonntag, 14. September, zwischen 14 und 16 Uhr lädt Rose zu einer zweiten Infoveranstaltung in die Kita Pusteblume, Rolandsmauer 24, ein.

Und Mitstreiter braucht Rose noch, wenn die Träume von einer anderen Schule nicht platzen sollen. Zwölf Schüler und zwei Lehrer mit zweitem Staatsexamen sind die Voraussetzung für eine Schulgründung. Daneben braucht es natürlich geeignete Räume, Geld und die Zustimmung der Landesschulbehörde. Die hat vereinfacht gesagt keine Probleme mit einer Schulgründung, solange am Ende ihrer vierjährigen Grundschulkarriere die Kinder das Niveau der Regelschule erreichen. " Die Kinder müssen dann zwar an den weiterführenden Schulen einen Test machen", sagt Rose, dies sei aber kein Problem. Erfahrungen von anderen Schulen hätten gezeigt, dass gerade die Kinder von freien Schulen wegen ihres selbstständigen Arbeits- und sehr guten Sozialverhaltens gerne an weiterführenden Schulen angenommen würden. Die Kosten für die Neugründung und den Unterhalt einer eigenständigen, vom Land unabhängigen freien Schule beziffert Rose auf 65 000 Euro im ersten Jahr.

Bildtext:
Ob sie an der Tafel arbeiten wollen oder zum Beispiel lesen, entscheiden die Kinder in einer freien Schule eigenständig. Und wer nichts tun möchte, wird daran auch nicht gehindert.

Foto:
Colourbox.de

Kommentar
Private Lösung

Es gibt ohne Zweifel reichlich zu kritisieren am bundesdeutschen Bildungs- und Schulsystem. Dabei ist der Klammergriff der Politik, die Schule für ihre jeweiligen ideologischen Interessen in den Schwitzkasten nimmt, die größte Ursache für das hohe Maß Unzufriedenheit aller am System Schule Beteiligten.

Private Schulgründungen dürfen als Indiz für die wachsende Unzufriedenheit in der Elternschaft gewertet werden. Nun ist es auch in Osnabrück so weit, dass aus einer privaten Initiative heraus eine neue, vermeintlich bessere und schülergerechtere Schule entstehen soll. Diese Entwicklung nicht nur in Osnabrück ist interessant zu beobachten, bedeutet sie doch unter dem Strich nichts anderes als eine schleichende Privatisierung des Bildungssystems. Sollte das etwa das eigentliche Ziel parteipolitischer Bildungspolitik sein?

Osnabrück. Unterricht ohne festen Lehrplan, selbstbestimmtes Lernen, bei dem die Kinder entscheiden, wozu sie gerade Lust haben so sehen Aspekte der freien Schule aus, die sich Sarah Rose für ihren Sohn und möglichst viele andere Osnabrücker Kinder vorstellt.
Autor:
Dietmar Kröger


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