User Online: 2 | Timeout: 15:45Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Held der Arbeit auf dem Trockenen
Zwischenüberschrift:
Jugendstilbrunnen am Herrenteichswall wird für 51 000 Euro auf Vordermann gebracht
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Held der Arbeit steht auf dem Trockenen. Schon lange strömt kein Wasser mehr über seine muskulösen Arme. Witterung und Zerstörungswut haben dem Haarmannsbrunnen zugesetzt: Das Becken hat Risse, der Sandstein Abplatzungen, die Pumpen laufen nicht mehr rund. Noch in diesem Jahr soll das Jugendstilmonument am Herrenteichswall wieder auf Vordermann gebracht werden.
Der Haarmannsbrunnen ist eines der ältesten Arbeiterdenkmale Deutschlands, vielleicht sogar das älteste. Gestiftet wurde es 1909 von August Haarmann, dem damaligen Generaldirektor des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins. In den 115 Jahren seines Bestehens musste der Brunnen mehrfach saniert werden, besonders aufwendig 1980 für mehr als 700 000 Mark (rund 350 000 Euro). Kleinere Reparaturen folgten 1996 und 2003.
In diesem Jahr reichen kosmetische Retuschen nicht mehr aus. Nicht nur der Zahn der Zeit hat dem Bauwerk zugesetzt, auch mangelnde Pflege ist ihm zum Verhängnis geworden. 51 000 Euro kalkuliert der städtische Eigenbetrieb Immobilien für die Sanierung und technische Instandsetzung. 6000 davon übernimmt die Herrenteichslaischaft, die sich als Kulturstiftung versteht. Als reparaturanfällig erweist sich das Becken, das wieder einmal Wasser verliert. Die blaue Farbe muss entfernt werden, um die Risse freizulegen und für möglichst lange Zeit abzudichten.
Das Jugendstildenkmal am Herrenteichswall gehört zu den 20 öffentlichen Brunnen in Osnabrück, die in der Stadtverwaltung als berüchtigte Kostenfallen gelten. Etliche hat der Eigenbetrieb Immobilien in den vergangenen Jahren stillgelegt. Von den verbliebenen sind einige wegen technischer Mängel außer Betrieb. Weil der Haarmannsbrunnen zu den Wahrzeichen von Osnabrück gerechnet wird, haben sich bislang aber immer Fürsprecher für eine Erhaltung und Geldgeber gefunden.

Bildtexte:
Halb erschreckt, halb erfreut: Der Haarmannsbrunnen idealisiert den starken Arbeiter.
Hammer und Meißel: Mit kraftvollen Schlägen vollendet der in Bronze gegossene Held der Arbeit sein Werk.
Oben ohne, aber selbst der Nabel ist bedeckt. Ein Ledergürtel gibt der Hose sicheren Halt.
Fotos:
Michael Gründel

Bei der Arbeit
Ein Bergmann steht vor einer Felswand im Freien und schlägt seinen Meißel in den Stein, um eine Quelle zu erschließen: Die Bronzefigur des Bildhauers Adolf Graef hält den Augenblick fest, in dem der Arbeiter halb erschreckt und halb erfreut den Erfolg seiner Mühen zu spüren bekommt. So beschreibt das Osnabrücker Tageblatt vom 9. Mai 1909 die Skulptur am Herrenteichswall. Den zeitgenössischen Berichten ist zu entnehmen, dass Stahlwerksdirektor August Haarmann ein Arbeiterdenkmal stiften wollte. In Osnabrück wird zuweilen erzählt, das Denkmal solle an das Grubenunglück im Piesberg von 1893 erinnern, bei dem acht Arbeiter ums Leben kamen. Aber das war nicht Haarmanns Absicht.

Kommentar
Vorbildlich

Ein öffentlicher Springbrunnen, der nicht sprudelt, ist ein Makel im Stadtbild. Es ist auch ein deutlicher Hinweis auf Ebbe in der Stadtkasse. Denn oft fehlt für Reparaturen das Geld. Und davon braucht es in der Regel viel, um diese sündteuren Spielzeuge, deren Betriebs- und Wartungskosten den Erbauern und Stiftern in der Regel herzlich egal waren, in Schuss zu halten oder instand zu setzen. Wohl der Stadt, der in den vergangenen Monaten diesbezüglich immer mehr private Gönner unter die Arme griffen. Sei es die Pumpenfirma am Vitihof, der Osnabrücker Club an der Johanniskirche oder die Laischaft am Herrenteichswall. Ohne solche vorbildlichen Zuwendungen aus der Bürgerschaft wird über kurz oder lang jeder Zierquell versiegen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Sebastian Stricker


Anfang der Liste Ende der Liste