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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Herzschwäche" im Konzentrationslager
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten verfolgten Kommunisten: Gerhard Meyer kam 1943 in Sachsenhausen ums Leben
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. " Herzschwäche" trugen Nationalsozialisten als Todesursache für den 52 Jahre alten Gerhard Meyer ein. Als Datum ist der 18. Mai 1943 angegeben. Was dem Osnabrücker im Konzentrationslager Sachsenhausen tatsächlich widerfahren ist, bleibt offen. Jetzt erinnert ein Stolperstein an den Gegner der Nationalsozialisten als Kommunist war er dem Regime seit 1933 ausgeliefert gewesen.

Das Haus an der Wasastraße, in dem Gerhard Meyer seit 1919 mit seiner Frau Sophie gelebt hatte, steht nicht mehr. Wo einst ein Weg zur Hausnummer 15 führte, befindet sich heute die Hausnummer 9. Dort erinnert jetzt eine Messingplatte im Bürgersteig an das Opfer der Nationalsozialisten. Sie hatten ihn seit 1933 verfolgt.

Als Adolf Hitler an die Macht kam, war Gerhard Meyer schon zehn Jahre Mitglied der KPD gewesen. Viele Anhänger und Akteure der kommunistischen Partei wurden im selben Jahr verhaftet und in Lager im Emsland und in Dachau gesperrt. Hitler hatte bereits Jahre vorher den Kommunismus als Teil einer Verschwörung des " Weltjudentums" bezeichnet und von einem " jüdischen Bolschewismus" gesprochen und damit die Feinseligkeit gegenüber politischen Gegnern mit seinem Hass auf Juden verquickt. Die Nationalsozialisten verfolgten nun beide Gruppen und stachelten die Bevölkerung immer mehr gegen sie auf.

Im August 1933 wurde auch Gerhard Meyer verhaftet. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) durchsuchte das Haus und notierte, sie habe dort einen " Totschläger" und altes " Propagandamaterial" gefunden. Wie es Gerhard Meyer daraufhin und im Laufe der kommenden zehn Jahre erging, ist nicht überliefert.

Nur eine weitere Festnahme Meyers ist dokumentiert und es war die letzte: Wegen " staatsfeindlicher Äußerungen" verschleppten Nationalsozialisten ihn 1943 in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Sie hatten ihn darüber hinaus als " charakterlich minderwertigen Menschen" bezeichnet und ihn damit einer weiteren Willkür ausgesetzt, die schließlich zu seinem Tod geführt haben dürfte.

Dass Nationalsozialisten überhaupt Menschen in Kategorien wie " minderwertig" einordneten, beschäftigte Joachim Böhmer von der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück während der Stolpersteinverlegung: " Solche Bewertungen sind auf Menschen nicht anzuwenden." Doch die Menschenwürde war für die Nationalsozialisten kein hohes Gut. Für sie galten vor allem die Gesetze eines " Rassenkampfes". Dazu passen Formulierungen wie " Recht ist, was dem Volke nützt". Auch nach dem Zweiten Weltkrieg sollte es noch dauern, bis manche Opfer und deren Angehörige als solche akzeptiert wurden. Gerhard Meyers Frau Sophie stellte vergeblich einen Antrag auf Entschädigung.

Bildtext:
Wasastraße: Hier lebte Gerhard Meyer. Der Osnabrücker kam 1943 im Alter von 52 Jahren im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben. Dorthin hatten Nationalsozialisten den Gegner des Regimes verschleppt.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Messingplatten in Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den ehemaligen Wohnungen oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Roma, Deserteure sowie Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen, einer psychischen Erkrankung, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben außer in Deutschland unter anderem auch in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, in der Ukraine und in den Niederlanden. In Osnabrück werden die Gedenksteine seit 2007 verlegt. Pate des Stolpersteins für Gerhard Meyer ist Jurek Milde. Verlegt haben ihn die Schüler Marvin Aistermann, Artur Bulanovic, Lennard Klose und David Morkel vom Berufsschulzentrum am Westerberg. Sie hatten sich im Unterricht mit ihrem Lehrer Rainer Knippenberg auf das Thema vorbereitet. Das Büro für Friedenskultur (Marienstraße 5/ 6) nimmt für künftige Gedenktafeln Hinweise über Opfer des Nationalsozialismus entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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