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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück fordert alternative Stromtrasse
 
Osnabrück für Verlegung der Stromtrasse
Zwischenüberschrift:
Planfeststellungsverfahren für Leitung Lüstringen–Westerkappeln wird eröffnet
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Im Rathaus wächst die Skepsis, die Aufrüstung der Freileitung durch Voxtrup, Nahne und Hellern auf 380 Kilovolt (kV) noch verhindern zu können. Erdkabel will der Gesetzgeber nicht. Jetzt drängt die Stadt darauf, alternative Trassen zu prüfen.

Die geplante Aufrüstung der Hochspannungsleitung zwischen Lüstringen und Westerkappeln kommt in diesem Monat einen konkreten Schritt weiter: Die Planfeststellungsunterlagen werden noch im August der Landesbehörde übergeben und ab Mitte September in Osnabrück und Hasbergen öffentlich ausgelegt.

Die Leitung ist höchst umstritten, weil sie vor allem in Hellern eng bebaute Viertel überspannt. Nach Angaben der Stadt sind 8600 Menschen betroffen, die weniger als 400 Meter von der Hochspannungsleitung entfernt wohnen. Deshalb drängt der Rat darauf, andere Trassen zu prüfen.

Im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) firmiert diese Stromleitung als Projekt 18. Geplant ist eine Aufrüstung der Leitung Fachleute nennen das " Zubeseilung". In den bestehenden Masten, die heute eine 220-kV-Leitung tragen, muss eine zusätzliche 380-kV-Leitung eingezogen werden. Außerdem sind sechs der etwa 60 Meter hohen Masten zu ersetzen. Die rechtlichen Voraussetzungen liegen seit 1982 vor, doch Netzbetreiber Amprion lässt in einem Planfeststellungsverfahren prüfen, ob die 32 Jahre alte Genehmigung noch zeitgemäß ist.

Die Unterlagen werden nach Angaben von Amprion-Pressesprecher Andreas Preuß noch im August offiziell bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover eingereicht. Nach Prüfung der Planunterlagen ist die öffentliche Auslegung vorgesehen. Wie ein Sprecher der Landesbehörde, mitteilt, sollen die Unterlagen " nach gegenwärtiger Planung ab Mitte September öffentlich bei der Gemeinde Hasbergen und bei der Stadt Osnabrück ausgelegt werden". Die Landesbehörde werde den Termin auf ihrer Internetseite (www.strassenbau.niedersachsen.de) bekannt geben.

Kein Erdkabel

Jeder wird dann die Möglichkeit haben, die Unterlagen einzusehen und Bedenken und Anregungen zu Protokoll zu geben. Die Auslegung dauert vier Wochen. Bis zwei Wochen nach Ende der Auslegung sind Einwendungen möglich.

Der Stadtrat hat 2013 eine Resolution verabschiedet, in der Erdverkabel im Stadtgebiet gefordert werden. Doch daraus wird wohl nichts, wie die Bauverwaltung meint. Sie sieht " keine Möglichkeiten, eine Erdverkabelung im Sinne der Resolution durchsetzen zu können, weil hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlen", wie es in einer Vorlage für den Rat heißt.

Kürzlich scheiterte eine Initiative im Bundesrat zur Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes. Es bleibt dabei: Erdkabel werden nur als Pilotprojekte in vier Trassen eingesetzt. Die Strecken Lüstringen–Westerkappeln (18) und Wehrendorf–Gütersloh (16) gehören nicht dazu.

Der Stadtrat hat deshalb einstimmig der Verwaltung das Mandat erteilt, die Planfeststellung " sehr kritisch zu hinterfragen", aber nicht pauschal an der Forderung nach einem Erdkabel festzuhalten. Das wäre " nicht zielführend", heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Und weiter: " Vielmehr muss es darum gehen, insbesondere auch alternative Streckenverläufe für eine Freileitung zu prüfen, die nicht eine solch umfangreiche Betroffenheit dort lebender Menschen hervorrufen." Die Bauverwaltung der Stadt kann diese Prüfung nicht vornehmen. Eine entsprechende Raumempfindlichkeitsanalyse würde die personellen und fachlichen Kapazitäten der Verwaltung überfordern.

Ohne Prüfung von alternativen Trassen wäre eine Aufrüstung der Leitung Lüstringen–Westerkappeln " nicht akzeptabel", heißt es in der Begründung zum einstimmig gefassten Beschluss des Stadtrates. Und geradezu trotzig pocht der Rat entgegen den rechtlichen Hindernissen auf eine " zumindest teilweise Erdverkabelung". Läuft das Verfahren reibungslos, kann nach Einschätzung der Bundesnetzagentur die 380-kV-Leitung 2015 ans Netz gehen.

Der Neubau der Stromtrasse 16 von Wehrendorf bei Bad Essen über Voxtrup, Borgloh, Borgholzhausen bis Gütersloh ist planungsrechtlich erheblich aufwendiger. Ein Raumordnungsverfahren wird nach Angaben von Amprion-Sprecher Jörg Weber nach den Sommerferien eröffnet. Eine Inbetriebnahme wäre laut Bundesnetzagentur 2020 möglich.

Bildtext:
Neben der Umspannungsanlage in Westerkappeln lässt Netzbetreiber Amprion zurzeit diesen Mast errichten. Er ist Teil der Stromtrasse Westerkappeln–Lüstringen und soll künftig eine 380-kV-Leitung tragen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Ungleichbehandlung

Es sieht nicht gut aus für die Trassen-Nachbarn in Hellern und Nahne. Die 380-kV-Leitungen werden wohl über ihre Köpfe hinweg eingezogen. Aber sie sollten die Köpfe nicht einziehen, sondern zusammen mit der Stadt weiter auf größtmöglichen Gesundheitsschutz pochen.

Wenn beim Neubau der vier Pilotstrecken 400 Meter Abstand einzuhalten sind, um die Menschen vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen, muss das für alle Betroffenen auch andernorts gelten auch für jene, die unter bestehenden Masten wohnen. Beim Gesundheitsschutz darf es keine zwei Klassen geben, und er hat Vorrang vor dem wirtschaftlichen Interesse eines Unternehmens.

Amprion ist dabei kein Vorwurf zu machen, denn das Unternehmen kann sich auf eine 32 Jahre alte Genehmigung stützen und handelt nach wirtschaftlichen Grundsätzen. Nun lässt es die Genehmigung freiwillig von der Landesbehörde überprüfen.

Wir wollen nicht unken, aber die Einschätzung der städtischen Bauverwaltung lässt für Osnabrück nichts Gutes erwarten: Erdkabel soll es nicht geben, und die Suche nach einer alternativen Trasse wäre aufwendig und zeitraubend. Trotzdem: Der Druck auf Gesetzgeber und Genehmigungsbehörde darf nicht nachlassen.

Leitungsbau

Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG). Das im Mai 2009 vom Bundestag verabschiedete Gesetz regelt den beschleunigten Ausbau der Leitungsnetze, die nötig sind, um Windenergie von der Nordsee in den Süden Deutschlands zu transportieren. Der rasche Ausbau ist Teil der Energiewende. Das Gesetz schreibt vor, dass neu zu bauende Höchstspannungsleitungen in bewohnten Bereichen 400 Meter Abstand und in Außenbereichen 200 Meter Abstand zu Wohngebäuden halten müssen.

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück fordert, eine alternative Trasse für die Hochspannungsleitung von Lüstringen nach Westerkappeln zu suchen. Vor einer Aufrüstung auf 380 Kilovolt (kV) sollte im Planfeststellungsverfahren geprüft werden, ob ein Verlauf möglich wäre, der weniger Menschen belastet. In Voxtrup, Nahne und Hellern sind nach Angaben der Stadt 8600 Menschen von der Hochspannungsleitung betroffen. Der Netzbetreiber Amprion will im Zuge der Energiewende die bestehende Trasse auf 380 kV aufrüsten. Eine Genehmigung für den Betrieb einer Höchstspannungsleitung liegt seit 1982 vor. Amprion lässt in einem Planfeststellungsverfahren prüfen, ob die Pläne noch zeitgemäß sind. Das Planfeststellungsverfahren soll noch im August eröffnet werden. Im September folgt die Auslegung.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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