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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bettelmönche, Soldaten, Beamte
Zwischenüberschrift:
Das ehemalige Dominikanerkloster hat schon vielfältige Nutzungen erlebt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nach dem Ende der Franzosenzeit wurde Osnabrück 1819 zur Garnisonstadt. Seit dem Abzug der deutschen Fernmelder 1994 und der britischen Einheiten 2009 ist sie es nicht mehr. Spuren der 190 Jahre währenden Garnisonszeit sind in der Stadt aber noch reichlich zu finden.

Im letzten Krieg wurde Osnabrück zu 65 Prozent zerstört. Aber die Kasernen der Stadt haben paradoxerweise nicht viel abbekommen. Caprivi- und Von-Stein-Kaserne geben den Hochschuleinrichtungen am Westerberg heute ein unverwechselbares Gesicht, die Kaserne an der Natruper Straße wird von der Berufsschule genutzt, die Winkelhausen-Kasernen an der Netter Heide erleben gerade eine Renaissance als Standorte von Landesverwaltungen. Und auch die sogenannte " Klosterkaserne" am Bürgergehorsam hat ihr Gesicht bewahrt. Sie gewährt seit mehr als 60 Jahren der städtischen Bauverwaltung Unterkunft.

Die Klosterkaserne ist die älteste erhaltene Soldatenbehausung in der Stadt. Wie der Name schon andeutet, wurde sie ursprünglich nicht zu diesem Zweck erbaut. Als nach den Revolutionskriegen und dem Ende des Alten Reichs das hannoversche Militär Einzug hielt, kam dem Landesherrn sehr gelegen, dass mit dem Reichsdeputationshauptschluss gerade alle Klöster aufgelöst worden waren und nun die staatliche Klosterkammer neue Nutzungen für die klösterlichen Immobilien suchte. Das Gertrudenkloster wurde zum Militärlazarett, das Kloster Marienstätte auf dem Ledenhof nahm das Regiment der Königin-Dragoner auf und das Dominikanerkloster am Natruper Tor das Infanterieregiment von York. Damit war die 525 Jahre umfassende Geschichte des Dominikanerordens in Osnabrück zu Ende gegangen, die im Jahre 1295 mit einer Stiftung der Brüder Rembert und Albert Düvel ihren Anfang genommen hatte.

Familie Düvel hatte Besitz am Natruper Tor. Zwei aus dem Geschlecht wurden Bettelmönche und bekamen von ihrem Orden den Auftrag, dort eine Niederlassung zu gründen. Die Beziehungen des Ordens zum Rat wie auch zum Domkapitel waren kompliziert und immer wieder mit Fingerhakeleien gespickt, etwa um das Begräbnisrecht. Noch weniger gehörten die Evangelischen zu den Freunden der Dominikaner. Als in der Reformationszeit Hermann Bonnus auf Anweisung des Rates in der Dominikanerkirche predigen sollte, sperrten die Mönche ihn aus, woraufhin der Rat Wertsachen des Ordens konfiszierte und versuchte, das Kloster auszuhungern. Heimlich brachten die Frauen der Klöster Rulle und Gertrudenberg den Mönchen Nahrungsmittel über die Stadtmauer.

Der große Stadtbrand von 1613 zerstörte auch das Klostergebäude und die Kirche. Durch die Wirren und Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges zog sich der Wiederaufbau hin. Der hier abgebildete Klostertrakt entstand zwischen 1701 und 1707 in strenger, schmuckloser Architektur, wie sie einem Bettelorden wohl anstand. Mit der Säkularisation des Ordens richteten die Franzosen zunächst ein Lazarett im Kloster ein, die vertriebenen Ordensbrüder nahmen Pfarrstellen im Osnabrücker Land an. Als Osnabrück hannoversch wurde, kamen die Infanteristen von York, später die preußischen des Infanterieregiments 78. Der Name " Klosterkaserne" bürgerte sich ein. Über der Freitreppe ist auf dem historischen Foto noch die Inschrift " II. Bataillon Infanterie Regiment Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig (Ostfriesisches) Nr. 78" zu erkennen. Bei der Restaurierung 1969 bis 1975 hat man sie nicht wieder angebracht, wohl aus dem denkmalpflegerischen Bestreben heraus, sich an die ursprüngliche Gestalt des Dominikanerklosters anzulehnen.

Leider hat sich dieses Bestreben nicht auf dem Platz vor der Klosterkaserne fortgesetzt. Er kommt heute als Parkplatz mit scheinbar wahllos eingestreuten, ungebändigten Grünflächen und einem nicht besonders gediegenen Wellblech-Fahrradunterstand daher. Aufenthaltsqualität? Fehlanzeige. Historische Bezüge, etwa zum Klostergarten oder zum Klosterfriedhof? Fehlanzeige. Kritiker sprechen gar von einer städtebaulichen Missgeburt und meinen, dass die städtische Kunsthalle Dominikanerkirche ein ansprechenderes Umfeld verdient hätte.

Bildtexte:
Die " Klosterkaserne" im Jahre 1951 - Bauamt, Kriminalpolizei und andere Dienststellen haben in dem schmucklosen, stengen Gebäude Platz gefunden.
Bäume, Büsche und Blech beherrschen heute den Platz vor der Klosterkaserne. Nichts erinnert mehr an frühere Nutzungen als Klostergarten und Appellplatz.
Fotos:
Archiv/" Osnabrücker Tageblatt", Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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